Volltext : Blätter für Rechtsanwendung. LVII. Band. (57)

32  Obersirichterliche  Entscheidungen.

der  Wille  hiezu  nicht  bestritten  seien.  Es  kann  sonach
nicht  gesagt  werden,  daß  die  Berufungsinstanz  ihre  Entscheidung
  nicht  auf  bestimmende  thatsächliche  Momente
gestützt  habe.  Von  einer  Verletzung  der  §8§  95,  96.  des
Ldr.  Th.  II  Tit.  2,  §  513  8.  7  der  RCPO.  tann  also
keine  Rede  sein.

Wenn  Revisionskläger  es  als  eine  weitere  Verletzung
des  §  513  Z.  7  rügt,  daß  die  Vorinstanz  die  Entfremdung
  des  Kindes  durch  die  Mutter  nicht  gewürdigt,  das
Vorhandensein  ausreichenden  Vermögens  auf  dieser  Seite
trotz  Widerspruchs  angenommen  habe,  Kläger  überhaupt
jede  Garantie  für  eine  standesgemäße  Erziehung  des
Kindes  Seitens  der  Mutter  vermisse,  so  kommt  dem  gegenüber
  zu  bemerken,  daß  der  Aufenthalt  eines  Kindes
bei  einem  von  zwei  geschiedenen  Eheleuten  wohl  regelmäßig
  eine  gewisse  Entfremdung  gegenüber  dem  anderen
Ehetheile  mit  sich  bringen  wird,  so  daß,  wenn  das  Kind
diesem  überantwortet  würde,  wohl  nur  ein  Wechsel  in
der  Person  des  sich  verkürzt  fühlenden  eintreten  würde.
dann  daß  die  Erziehung  des  in  der  Ehe  erzeugten  Kindes
bei  der  Mutter  noch  keineswegs  mit  sich  bringt,  daß  sie
auch  auf  alleinige  Kosten  der  Mutter  geschehen  müßte,
auch  nirgend  behauptet  ist.  daß  sich  in  dieser  Richtung
etwa  schon  Nachtheile  gezeigt  hätten,  endlich  auch  unerfindlich
  ist,  daß  bei  dem  in  II.  Instanz  ausdrücklich
konstatirten  ausreichenden  Vermögen  der  Mutter  klägerischerseits
  erhobene  Widersprüche  unberücksichtigt  geblieben
wären.  Urth.  v.  3.  Juni.  1891;  Reg.  Nr.  1  24/91.

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Redakteur:  Dr.  Julins  v.  Staudinger  in  München.
Verlag:  Valm  &  Enlte  (Carl  Ense)  in  Erlangen.
Dorrnck  der  k.  b.  Hof=  u.  Unlo.-Buchdruckerel  von  Fr.  Junge
(Junge  &  Sohn)  in  Erlangen.