Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Feldzeugmeister  von  Sparr  die  Truppenbewegungen.  Trotz  der  starken  Erdwaͤlle,
durch  die  das  polnische  Lager  geschützt  war,  rückte  man  näher,  und  nach  einem
siegreichen  Scharmützel  mit  der  feindlichen  Reiterei  fuhr  das  schwere  Geschütz
heran.  Nun  entspann  sich  eine  starke  Kanonade,  welche  ohne  bedeutenden  Verlust
  für  beide  Theile  bis  zum  Abend  währte.

Dies  war  nur  das  Vorspiel  des  großen  Kampfes.  Schon  am  frühen
Morgen  des  folgenden  Tages  unternahmen  beide  Fürsten,  von  ihrem  Generalstab
begleitet,  eine  Recognoscirung.  Bald  hatte  man  sich  überzeugt,  daß  der  Feind,
auf  seiner  linken  Flanke  und  der  Fronte  durch  starke  Verschanzungen  gedeckt,
jedoch  von  der  rechten  Seite  her  mit  Vortheil  angegriffen  werden  könnte.  Hier
hatte  er  die  geringsten  Vorkehrungen  getroffen,  weil  er  von  Norden  aus  den
Ungriff  erwartete.  Jetzt  also  galt  es,  eine  geeignete  Stellung  zu  gewinnen,  um
den  Angriff  auf  den  schwächeren  Flügel  bewirken  zu  können.  Dies  war  nicht
ohne  Schwierigkeiten,  denn  schon  in  kurzer  Entfernung  von  dem  linken  Flügel
des  Kurfürsten  stieg  ein  Hügel  empor,  stark  mit  Geschütz  und  feindlichem  Fußvolk
  besetzt.  Ihn  beschloß  der  König  zu  nehmen,  während  der  Kurfürst  seine
Stellung,  mit  dem  Rücken  an  den  oben  erwähnten  Wald  gelehnt,  behaupten
sollte.  Auf  ihn  warfen  sich  daher  die  Polen  mit  aller  Macht;  denn  gelang  es,  die
Deckung  der  feindlichen  Bewegung  zu  durchbrechen,  so  war  der  Sieg  für  fie
entschieden.  Der  Angriff  der  Feinde  erfolgte  mit  einer  so  großen  Heftigkeit,  daß
der  Kurfürst  zu  gleicher  Zeit  von  der  Front,  auf  dem  linken  Flügel  und  im
RKücken  bedroht  wurde;  Tataren  und  Quartianer  umschwärmten  sogar  die  Reserve.
  Furchtbar  wogte  der  Kampf,  und  nur  durch  die  Entschlossenheit  und  den
kriegerischen  Muth  Friedrich  Wilhelms  wurde  die  schwere  Gefahr  abgewendet.
Allein  auch  der  König  von  Schweden  zeichnete  sich  durch  unerschütterliche  Geistesgegenwart
  und  persönliche  Tapferkeit  aus.  Als  er,  während  dies  auf  dem  linken
Flügel  geschah,  seine  Bewegung  gegen  die  oben  erwähnte  Höhe  fortsetzte,  gerieth
auch  er  in  einen  Schwarm  tatarischer  Reiter  und  ward  auf  einige  Augenblicke
von  den  Seinigen  ganz  getrennt;  nur  der  Rittmeister  Trabenfeld,  von  des  Kurfürsten
  Leibregiment,  welches  der  König  in  Person  führte,  befand  sich  noch  an
seiner  Seite.  Zwei  Gegner  schoß  der  König  nieder,  den  dritten  machte  er  durch
einen  Hieb  über  den  Kopf  kampfunfähig,  und  eilte  dann  seinem  tapfern  Begleiter
zu  Hülfe,  der  seinerseits  zwei  Feinde  erlegt  hatte,  aber  jetzt  von  den  beiden  andern
  auf  das  Härteste  bedrängt  wurde;  da  sprengten  die  treuen  Reiter  herbei
und  jagten  die  wilden  Scharen  in  die  Flucht.  Mit  großem  Verluste  zog  sich
der  Feind  vor  den  beiden  heldenmüthigen  Kriegsfürsten  zurück,  doch  es  neigte
sich  der  Tag  seinem  Ende  und  die  Truppen  waren  von  der  langwährenden
Unstrengung  erschöpft.

Kaum  brach  der  Morgen  des  dritten  Tages  an,  so  ging  das  ganze  Heer
der  Verbündeten,  welches  nun  endlich  die  lang  erwünschte  Stellung  erobert  hatte,
auf  allen  Punkten  gegen  den  Feind  vor.  Der  gefährlichste  Punkt  der  feindlichen
Schlachtordnung  war  ein  von  den  Feinden  stark  besetztes  Gehölz;  um  den  Befitz