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Mit huldvollem Lächeln nahm die Kaiserin den Strauß entgegen.
Weiter ging die Fahrt zum fahnenumwogten Marktplatee,
wo die Enthüllung des Denkmals stattfinden sollte. Die Majestäten
verließen den Wagen; der Kaiser schritt die Front der Ehrenkompanie
ab. Ein mächtiger Sängerchor trug das Lied: „Deutschlands
Trost“ vor. Darauf hielt der Landrat von Cleve im Namen der,
Bewohner des alten Herzogtums seine Huldigungsansprache, in der
er besonders die Verdienste des Großen Kurfürsten um die clevischen
Lande feierte.
Alsdann sprach der Kaiser. Seine Rede schloß mit den Worten:
„Heute sind die Träume vergangener Zeit erfüllt. Aus den
zerstreuten und zerrissenen Landen, dem Tummelplatz fremder Bölker,
ist ein achtunggebietendes einiges Deutsches Reich geworden, der
viel umstrittene sagenumwobene Rhein ist unveräußerliches Gemeingut
aller Deutschen. — Und wie in meinem Wappen die goldenen
Lilienstäbe des Herzogtums Cleve mit dem brandenburgischen Adler
und den andern Landeswappen ein harmonisches Ganzes bilden, so
werden auch für alle Zukunft die treuen Söhne des Niederrheins
Seite an Seite mit den übrigen Landeskindern fest zusammenstehen,
wenn es gilt, Vaterland, Thron und Altar zu schützen.“
Nun überreichte der Landrat dem Kaiser den mit Wein gefüllten
Ehrenpokal. Der Kaiser leerte ihn auf das Wohl des Herzogtums
Cleve. Ein brausendes Hoch aus tausend Kehlen durchzitterte
die Luft, und mächtig erscholl:
Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands,
Heil, Kaiser, dir!
Auf einen Wink des Kaisers sank die Hülle des neuen Denkmals.
In den Donner der Kanonen auf dem Schloßberge mischten
sich die Jubelrufe der tausendköpsigen Menge.
Nachdem der Kaiser unter Führung des ehrwürdigen Jubilarbischofs
von Münster die Grabdenkmäler des Grafen Adolf von der
Mark und der Gräfin Margareta von Berg besichtigt hatte, ging
er zum Schlosse. Fröhlich klangen die Faufaren vom Schwanenturm
hernieder.
Um 1 Uhr verließ das Kaiserpaar die gastliche Stadt, begleitet
von den nimmer endenwollenden Hurrarusen der Menge, die die
Feststraßen umsäumte und sogar die Dächer der Häuser besetzt hatte.
In das Buch der clevischen Geschichte ist der 9. August des
Jahres 1909 als ein wahrhaft goldener Kaisertag eingetragen zum
bleibenden Zeugnisse der Liebe und Eintracht, die Fürst und Volk
auch in den niederrheinischen Landen umschlingen.