Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Achtundsiebzigster Jahrgang. 1917. (78)

Abmarsch  nach  Böhmen.  Gefecht  bei  Gitschin.  139

 

will  mich  nicht  in  die  Geheimnisse  des  Hauptquartiers  einmischen
  und  schreibe  Dir  daher  nur,  um  Nachrichten  von  Dir,
Georg  und  meinen  lieben  Truppen  zu  bekommen.  Jch  sehne
mich,  recht  bald  einen  Wink  von  Dir  zum  Vorwärtsgehen  zu
bekommen,  denn  der  Aufenthalt  fängt  mir  nachgerade  an  unausstehlich
  zu  werden.  Ich  fühle  mich  wie  eine  weggesetzte
Katze.“  Bald  konnte  er  es  nicht  mehr  aushalten  und  kam
näher  an  die  Truppen  heran.  Aus  Unter-Bautzen  schreibt
er  am  27.  dem  Sohn:  „Ich  bleibe  die  Nacht  hier.  Morgen
wünschte  ich,  wenn  irgend  möglich,  mich  mit  Dir  zu  vereinigen.
  Bitte  nur  bestimmt  wißen  zu  lassen,  wo  das  geschehen
  kann,  und  wann  ich  ungefähr  dort  eintreffen  soll.
Ich  habe  meine  Pferde  hier,  es  ist  also  gleichgiltig,  wenn  Du
mir  erst  etwas  später  nach  Empfang  des  Befehls  aus  dem
Hauptauartier  antwortest.“  Am  28.  hatte  er  die  Freude,  erst
seinen  zweiten  Sohn  Georg  zu  treffen  und  dann  in  dem
uartier  des  Kronprinzen  die  Nacht  zuzubringen.

Es  folgte  das  blutige  Gefecht  bei  Gitschin.  Carlowitz
schreibt:  „Der  Kronprinz  scheint  guten  Muths,  hat  5  Stunden
  im  Feuer  ausgehalten.“  Die  Truppen  mußten  bekanntlich
  den  Rückzug  antreten.  Anfang  Fuli  schreibt  er  dem  Vater:
„Es  ist  noch  kein  Befehl  aus  Josephstadt,  ich  habe  aber  bis
jetzt  beschloßen,  morgen  mit  der  Neiterei,  die  meine  Arrièregarde
  macht,  abzurücken  und  denke  mein  Hauptauartier  in
Unterbautzen  zu  nehmen.“  Am  1.  schreibt  er:  „Ich  wollte
eigentlich  heute  gegen  Sichrow  vorgehen,  aber  das  Gefecht
der  vorigen  Nacht,  in  welchem  die  Österreicher  sich  die  Brücke
über  die  Iser  entreißen  ließen,  und  die  Nachrichten  aus  dem
Hauptquartier  bewogen  mich,  in  der  ausgewählten  Stellung
hier  zu  bleiben.  Wegen  der  schrecklichen  Aberfüllung  traute
ich  mir  nicht,  Dir  vorzuschlagen,  hierherzukommen.  Ich  bin
bis  jetzt  nicht  angegriffen  worden.  Der  Feind  scheint  ostwärts
abzugehen.“

Am  2.  schreibt  er  aus  Prim  bei  Königgrätz:  „Verzeih,  daß
ich  Dir  erst  jetzt  schreibe,  aber  ich  habe  den  Kopf  so  voll,  daß