war der Anblick dieses Zuges, welcher in ununterbrochener Reihe sich über die
gefrorne Wasserfläche dahin bewegte, um dem Lande Rettung, dem Feinde Verderben
zu bringen.
In Königsberg erfuhr Friedrich Wilhelm, daß Horn nach einem dreitägigen
Aufenthalt in Tilfit in Folge eines Kriegsrathes beschlossen hätte, zwischen Tilfit
und Ragnit eine feste Stellung zu nehmen. Sogleich brach der Kurfürst nach
Labiau auf, und ging von hier, zum zweiten Mal auf Schlitten, drei Meilen
über das kurische Haff, nach Gilge, und von dort in eben der Art weiter auf
der Eisfläche des gleichnamigen Flusses. Es war ihm jedoch nicht bestimmt, sich
mit den Schweden persönlich zu messen. Der Oberst von Treffenfeld dagegen
erreichte ihn mit dem Vortrab, schlug ihn, und brachte drei Standarten, acht
Fahnen, eine große Menge Proviantschlitten, mehrere Geschütze nebst einer bedeutenden
Zahl von Gefangenen im Hauptquartiere ein. Wie nach der Schlacht
von Fehrbellin wurde er auch hier auf der Stelle durch Ernennung zum General-Najor
belohnt.
Längs des rechten Ufers der Ruß verfolgte man nun den Feind. Beide
Heere waren eine Zeit lang nur eine Meile von einander entfernt, jedoch ohne
es zu wissen. Die Schweden wandten sich dann mehr rechts in der Nähe von
Heidekrug, und dies rettete sie vor vollkommener Vernichtung. Wiederum erreichte
sie nur der Vortrab, diesmal unter Görtzke's Führung, und brachte ihnen
einen Verlust von 1000 Todten und 300 Gefangenen bei. Horn hatte nur noch
etwa 2000 bis 3000 dienstfähige Leute, seine Reiter waren ohne Pferde. Bis
zum 11. Februar wurde die Verfolgung fortgesetzt; erst acht Meilen vor Riga
kehrte der brandenburgische Vortrab um; von 18,000 Schweden zogen nur 1500
in Riga wieder ein.
Obgleich dieser Winterfeldzug keine im Einzelnen so glänzende That als
die Schlacht bei Fehrbellin bietet, so beweist derselbe nicht geringere Kühnheit,
Feldherrngröße und Sicherheit in der Benutzung des Augenblicks. Wenige
Feldzüge haben ein so glänzendes Ergebniß gehabt als dieser, nämlich die vollständige
Vernichtung des Feindes bei eigenem sehr geringem Verlust. Es war
der glorreiche Schlußstein seiner großen kriegerischen Laufbahn.
Durch einen beispiellos schnellen Marsch mitten im rauhesten Winter hatte
er gesiegt, noch ehe er das Schwert zum Streich erhoben, das feindliche Heer
vernichtet, ohne seine tapferen Truppen der Gefahr eines Verlustes auszusetzen;
und alles dieses führte er aus, gegenüber den ruhmvoll bewährtesten Truppen,
in dieser Zeit unter der Führung kriegserfahrener Generale. Von ihrer starken
aus 34 Kanonen und zwei Mörsern bestehenden Artillerie hatten sie nur acht
kleine Feldstücke gerertet.
Schon von Kukernes an der Memel aus theilte der Kurfürst seinen Verbündeten,
dem Kaiser, Dänemark, Kursachsen, Kurbaiern, Pfalz-Neuburg, dem
Bischof von Münster, den Herzögen von Braunschweig, Lüneburg und von
Lothringen, dem Prinzen von Oranien und den Generalstaaten den Verlauf des