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krauses Haar wird bald schlimm.“ 16)
Dazu schimmert sein Bart ins Rötliche:
De Voßhär'ga un Rotbärt'ga sind Düwelsort.
17)
Sie schließt mit einem beschwörenden:
„Höd di vör den, den Godd teeknet hett!“
Die Tochter aber behauptet, der Bart sei gamicht
rot. sondern blond, und das sei gerade hübsch.
Ohne Bart wolle sie überhaupt keinen Mann:
an Puß ahn Bort is as a Fisch ahn Sult.
Schweigend sitzen sich beide eine Weile gegenüber.
Dann fängt die Tochter wieder an:
„Rad mi, Mutte, öwer rad mi nich af!“
Diese warnt:
„Raup nich eher Fisch,
eh du s' hest in de Lisch!“ 18)
vielleicht hat ihm doch manches nicht gefallen (der
Bauer hätte wohl freundlicher zu ihm sein keännen)
und ihm ist die ganze Sache leid geworden. Aber
die Tochter weiß, was sie gesehen hat:
Stroh in die Schauh un Leiw in'n Harten,
dei kiken ümmer rut. 19)
gibt die Mutter endlich mit dem Seufzer nach:
„Wat tosamen kamen sall, dat kümmt tosamen,
un wenn't de Düwel up de Schuwkar tosamenkaren
sall!“"
Eine fröhliche Hochzeit im Herbste bestätigt die
alte Wahrheit:
„Schön' Blaumen stahn nich lang an'n Weg."
So
Zum Glück für die weniger hübschen und tüchtigen
Mädchen ist auf dem Lande das Angebot von
Mädchen nicht größer als die Nachfrage, da viele
in den Städten einen Dienst suchen und ihr Heimatskorf
für immer verlassen. So bleibt selten eine
underheiratet, und wenn sie auch körperliche Mängel
aufzuweisen hat:
'n beten scheef is liker leew;
da is keen Pot so scheef,
# find't sich'n Deckelken to;
scheef hett sich uck leew. 20)
Glücklicherweise ist auch der Geschmack verschieden:
wat den eenen sin Ul is,
16) Kruse Hor un krusen Sinn,
dor sitt de Düwel dreemal in.
Krause Haare, krausfer Sinn.
Sturre Haare, sturrer Sinn.
Von kleinen Leuten heißt es schon in Kantzows
Chronik
„Die kleinen Leute lewffen balt voll Zorns.“
17) Rotbart, Schelmart.
18) Die aus Lischgras verfertigte Kiepe.
Naup nich ihre „Hal Fisch!“ bet du- sei ut't
Wate hest.
de laten sich nich verbargen.
20) Keen Pott is so schlicht, dor find't sich doch
ne oll Stülp to.
19) Hausten un Leiw,
Unfser Dommerland.
dat is den annern sin Nachtigall; 21)
de een mag de Murre, de anner de Dochte,
un de drüdd mag se all beir.
Mancher läßt sich auch durch den schlechten Ruf des
Mädchens nicht abschrecken und tröstet sich:
„De rugsten Fahlen warden de schiersten Pier. 22
So kommt es oft vor, daß das Sprichwort recht behält
„Je arger dat Stück,
je gröter dat Glück“ 23)
und
„de schlechsta Säga finna den besta Drank."
Fällt dann einer trotz aller Warnungen mit einer
solchen Frau hinein, so braucht er für den Spott
nicht zu sorgen; wo er geht und steht, bekommt er
zu hören:
Jo
„De Lieb föllt nich immer up'n Rosenblatt,
se föllt ok öfter up'n Hopen Kohllack.“
Im allgemeinen aber sind beide einander würdig;
wat top hert, dat top kehrt.
Ul sind't sich bi'n Schufoot (-Uhu) —
so'n Pott, so'n Stülp. 24)
Bleibt aber einmal ein Mädchen unverheiratet,
dann wehe ihr! Die alternde Jungfrau,
de Pott ahn Stülp,
ist die Zielscheibe allgemeinen Spottes. Nachts
klagt sie, wenn die bösen Zungen die Wahrheit sagen:
„Alles kümmt an'n Mann, blot ick nich“ 25)
Macht sie ein verdrießliches Gesicht, so wird gehöhnt:
„Sorn Mul mak man, denn warst din Zick woll
verköfft kriege!“
Niemand kümmert sich um sie, wenn sie zum Tanz
kommt; höchstens steckt man lachend die Köpfe zusammen
und flüstert:
„Um de is 'n Riten, as Wihnachten üm de
Strohhör.“ (-Strohhüte.)
Aber selbst da behält das Sprichwort
De täuben kann,
k iggt uck nen Mann
noch oft recht. 260) Und wer will's ihr verdenken,
wenn sie dann nachzuholen sucht, was sie all die
einsamen Jahre hindurch versäumt hat, und als
„iunge“ Frau durch gemachte Jugendlichkeit die
Spuren des herannahenden Alters übertünchen
möchte!
21)
22)
23)
Den eenen sin Ul is den annern sin Papagei.
Je ruppige dat Fauhle, je glatte de Staut.
Je arger dat Strick (-Unband, Galgenstrick),
je gröter dat Glück.
Gleich sucht'’ sich, gleich fand sich.
„Mandschien, Mannsliüd un Musik,
dat Beste up de Welt,“
viertig Johr olt wier.
Sieht sie eine Braut zur Kirche gehn, so tut sie
gern, als wenn sie das alle Tage haben könnte,
wenn sie nur wollte:
„Den Gang müssen wir alle gehn.“ (Forts. f.)
24)
25) dat is
sär Korlin, as se
Verantwortlich für die Redaktion: Ludwig Hamann. Verlag: PBommernverlag Max Mallin.
Druck: F. Hendeß, G. m. b. H., sämtlich in Stargard i. Pomm.