Das Hilfsdienstgesetz
Am 4. November war der Reichstag vertagt worden.
Am Vormittag des 6. November schickte mir der Kanzler
ein Telegramm des Vertreters des Auswärtigen Amts im
Großen Hauptquartier, der General Ludendorff erkläre,
das Hilfsdienstgesetz dulde keinerlei Aufschub; er werde
diesen Standpunkt mit allem Nachdruck bei Seiner Majestät
vertreten. Schon am Nachmittag erhielt der Kanzler
ein Telegramm des Kaisers, in dem dieser in ungewöhnlich
schroffer Form die sofortige Erledigung des Hilfsdienstgesetzes
befahl. Auch in den folgenden Wochen, während
mit Hochdruck an dem Gesetz gearbeitet wurde — der
Entwurf wurde am Io. November nach der Beschlußfassung
des Preußischen Staatsministeriums dem Kaiser
zur Genehmigung vorgelegt und alsbald nach Eingang der
Kaiserlichen Order, am 14. November, bei dem inzwischen
bereits vertraulich orientierten Bundesrat eingebracht —
wiederholte sich dieses ungestüme Drängen aus dem Gro-Ben
Hauptquartier. Es ist mir heute noch unbegreiflich,
was für einen Sinn dieses Drängen haben sollte. Die Durchführung
des Gesetzes bedurfte in dem gerade erst neu errichteten
Kriegsamt umfassender Vorbereitungen, die unbeschadet
der verfassungsmäßigen Behandlung des Entwurfs
sofort in Angriff genommen werden konnten und in
Angriff genommen wurden. Auch bei der besten und gründlichsten
Vorbereitung konnten die Wirkungen des Gesetzes
sich nicht auf Tag und Stunde, sondern erst im Laufe längerer
Zeit fühlbar machen. Andererseits war das Gesetz
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