88 Die Zurückgabe Belfort's.
seits war nicht zu leugnen, daß die Bedeutung dieser Festung sehr
nachstehe hinter der der Festung Metz, und daß einer Bedrohung von
Belfort aus durch Errichtung eines befestigten Lagers bei Mühlhausen
oder Altkirch leicht vorgebeugt, ein überraschender Offensivstoß
dadurch unmöglich gemacht werden könne. Solche Erwägungen
mögen es gewesen sein, welche die Staatsmänner und Strategen
des Versailler Hauptquartiers zu dem Entschlusse brachten, Metz
unter allen Umständen zu behalten, dagegen den französischen Unterhändlern
die Zurückgabe von Belfort anzubieten. Dieses Recept
wirkte; die Stockung ließ nach; alles kam wieder in Fluß. Thiers
konnte nun sagen, daß er dem deutschen Hauptquartier den Besitz
einer wichtigen Festung abgerungen habe, und willigte in die Abtretung
von Metz. Die Kriegsentschädizung, wofür anfangs 6 Milliarden
Francs gefordert wurden, wurde nach längeren Verhandlungen
und unter den Betheuerungen Thiers, daß Frankreich außer Stande
sei, so viel Geld zu bezahlen, auf 5 Milliarden herabgesetzt. Gegen
den Einmarsch der siegreichen Truppen in Paris konnte kein stichhaltiger
Einwand erhoben werden; daher versuchten Thiers und
Favre durch Aufzählung der ungeheuren Gefahren, welche den einziehenden
Truppen von Seiten der erbitterten Bevölkerung bevorstehen,
die Grafen Bismarck und Moltke von dieser Forderung abzubringen.
Umsonst! Die deutschen Generale glaubten, diese Gefahren
schon bemeistern zu können. Den Truppen, welche seit dem
19. September vor Paris lagen, war man den Einmarsch schuldig,
und wenn ihr Anblick den Parisern das Gefühl ihrer Niederlage
noch verstärkte, so war dies eher zu wünschen als zu beklagen. Zugleich
wurde durch eine die Dauer dieser Besetzung von Paris betreffende
Bestimmung ein Druck auf die Dauer der Berathungen
der Nationalversammlung in Bordeaur ausgeübt. Es wurde nämlich
bestimmt, daß unmittelbar nach der Ratifikation der Präliminarien
das Innere der Stadt Paris und die südlichen Forts geräumt
werden sollten. Die Nationalversammlung hatte es also in
der Hand, durch eine langsamere oder raschere Berathung und Entscheidung
die „Leiden“ der „heiligen“ Stadt Paris zu verlängern
oder zu verkürzen. Nur dann, erklärte Graf Bismarck, könnte das
deutsche Hauptquartier auf den Einzug der Truppen in Paris verzichten,
wenn die französische Regierung auf die Zurückgabe von Belfort
verzichtete. Thiers wies dies mit den Worten zurück, daß, wenn