Full text : Der König Friedrich II. von Preussen und die deutsche Nation.

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in  alle  Gemüther  den  Samen  des  Mistrauens  und  des  Schreckens,
und  selbst  die  Offiziere  des  Heeres  wurden  davon  angesteckt.  Der
König  arbeitete  entgegen  durch  eine  Rede.  Der  einzige  Sporn,
den  er  darin  kennt  und  anwendet,  ist  der  Ruhm.

Andere  murrende  Stimmen  wurden  leichter  zur  Ruhe  gebracht.
Die  freie  Presse  starb  nach  einem  kurzen  Scheinleben  eines  jähen
Todes.  Sie  misbrauchte  ihre  Freiheit,  sagt  der  König.  Es  ist
merkwürdig,  wie  er  dennoch  an  einer  anderen  Stelle  dem  scharfen
Worte  der  Wahrheit  nicht  entging.  Er  trat  in  die  Werderkirche,
wo  sein  ehemaliger  Freund  Achard  predigte.  Es  geschah  zur  guten
Stunde,  wenn  nämlich  das  möglich  war.  Achard  zeichnete  in
kräftigen  Zügen  das  Bild  des  Eroberers,  der  über  Millionen  Elend
und  Jammer  bringt  um  seines  Ruhmes  willen.  )  Er  fügte  die
Worte  ein,  welche  die  Schthen  bei  Curtius  zu  Alexander  sprachen.
„Du  der  du  dich  rühmst  die  Räuber  auszurotten,  bist  selber  der
größte  Räuber  der  Erde;  denn  du  beraubst  und  plünderst  alle
Nationen,  welche  du  unterjochst.  Wenn  du  ein  Gott  bist:  so  mußt
du  auf  das  Wohl  der  Sterblichen  sinnen,  und  nicht  ihnen  rauben
was  sie  haben.  Wenn  du  ein  Mensch  bist:  so  denke  immer  an
das  was  du  bist.“  Der  König  wurde  über  diesen  Ausfall  sehr
betroffen  und  erzürnt.  Im  Weggehen  änußerte  er  sich:  „Wohinein
mischt  sich  Achard?  Steht  es  ihm  zu  von  diesen  Dingen  zu  reden?“

Auch  nachher,  als  der  Krieg  schon  begonnen,  kannte  der  König
sehr  wohl  die  Stimmung  der  Berliner,  über  welche  Jordan  ihm
berichten  mußte.  Dieser  wagte  sogar  dem  Könige  zu  schreiben,  daß
es  Leute  gäbe,  welche  den  Antimachiavelli  und  den  Angriff  auf
Schlesien  nicht  zu  reimen  wüßten.  Aber  was  vermochte  die  Meinung
  der  Schwachen  über  den  Willen  des  Gewaltigen,  der  allein
einen  Willen  haben  durfte?  „Laß  die  Neider  und  Ignoranten
reden,“  erwiederte  er;  „sie  sollen  niemals  Einfluß  auf  meine  Plane

1)  Oenv.  XVI.  p.  XVII.