Full text : Das Lehrlingswesen und die Berufserziehung des gewerblichen Nachwuchses.

168  Erster  Teil:  Das  Lehrlingswesen  im  Handwerk.

aeis  Jahren  als  Vollhandwerker  angesehen  werden  (TCoelsch,
Besonders  gut  durchgebildete  Leebewerktte  finden  sich  in  der
Schweiz.  Dort  wurden  sie  zuerst  auf  Anr  egung  des  Berner
Architekten  Ti  che  in  Bern  seit  dem  Jahre  1  egründet.  Im
Jahre  1899  hatten  die  Berner  Lehrwerkstätten  vier  ##btellungen.
eine  für  Schuhmacher,  eine  für  Schlosser,  eine  für  Schreiner  und.
eine  für  Spengler.  (Siehe  hierüber  Kerschensteiner,  Beobachtungen
  und  Vergleiche,  S.  113  ff.)  Die  Lehrlinge,  insgesamt  101,
waren  auf  einen  Schuhmacher.,  drei  Schlosser-,  drei  Schreiner-  und.
drei  Spenglerkurse  verteilt,  so  daß  also  a  keinem  Kursus  mehr  als
zehn  Lehrlinge  teilnahmen.  An  der  Spitze  jeder  Abteilung  steht  ein
technischer  Leiter,  der  neben  der  ermbchen  des  Werkstattbetriebes.
die  Verwaltung,  den  Ankauf  der  Rohstoffe  und  den  Verkauf  der
Werkstatterzeugnisse  zu  besorgen  sowie  den  Feichenunterricht  zu  erteilen
  hat.  An  der  Spitze  der  Schreinerabteilung  steht  ein  gelernter
Schreiner,  an  der  Spitze  der  Schlosserabteilung  ein  gelernter  Schlosser.
Beide  haben  sich  an  Kunstgewerbeschulen  noch  längere  Zeit  weiter
ausgebildet.  Der  Unterricht  umfaßt  57  Wochenstunden.  Von  dieser
Seie  entfallen  47  Stunden  auf  den  Wrrescbochenstun  7  Stunden  auf
Jeichnen  und  3  Stunden  auf  Rechnen  und  gewerbliche  Buchführung.
In  den  theoretischen  Fächern  sind  die  Lehrlinge  nach  Jahrgängen  ein-Frteilt,
  während  sie  im  Werkstattunterrichte  meist  beisammen  sind.
Der  Werkstattunterricht  ist  der  Weisterlehre  möglichst  nachgebildet.
Nach  dreijähriger  Lehrzeit  legt  der  Schüler  eine  Prüfung  ab  und
erhält  ein  Zeugnis.  Der  Unterricht  im  Rechnen  umfaßt  im  ersten
Jahre  in  der  Hauptsache  einfache  gewerbliche  Huchführung  nebst
zweckmäßigen  Rechnungsübungen,  im  zweiten  Jahre  bilden  Kalkulationen
  die  Hauptaufgabe,  im  dritten  Jahre  wird  eingehend  in  gewerblicher
  Buchführung  unterrichtet.  Außerdem  werden  Flächen.,
Kreis-  und  Körperberechnungen  geübt,  immer  mit  Beispielen  aus.
der  gewerblichen  Praxis.  Der  Zeichenunterricht  befaßte  sich  bei  den
Schreinern  im  ersten  Jahre  mit  der  Projektion  von  geometrischen
Figuren,  Werkstattprofilen  und  dergleichen,  im  zweiten  Jahre  mit
der  Aufnahme  der  Übungsarbeiten  der  Werkst  atts  im  dritten  Jahre
mit  der  Skizzierung  von  Möbeln.  Was  die  praktischen  Arbeiten  anbetrifft,
  so  bestanden  sie  ebenfalls  bei  den  Schreinern  im  ersten
Jahre  aus  Übungen  im  Sägen,  Stemmen,  Verzinken  und  Hobeln,
außerdem  in  der  Herstellung  einfacherer  Gegenstände.  Am  Schlusse
des  ersten  Jahres  sollte  der  Lehrling  ein  Nachttischchen  in  Fichtenholz.
selbständig  anfertigen  können,  später  kamen  dann  Bettstellen  aus
Eichenholz,  ganze  Zimmereinrichtungen,  dekorative  Teile,  Holzbrandarbeiten
  und  Intarsien.  Ahnliche  oder  verwandte  Einrichtungen  gibt
es  in  der  Schweiz  noch  mehrere,  so  die  Schlosserschule  in  Winterthur
und  die  Wehrwertstätte  der  Städtischen  Schreinerichule  in  Zürich.
Einsn.  eutschland  wurden  wohl  die  ersten  Versuche  mit  der
Einrichtung  von  #khrwerkstarten  in  Baden  gemacht.  (Siehe
Bobdische  Denkschrift  über  Lehrlingswerkstätten.)  Im  Jahre  1880
wurde  der  Betrag  von  800  A  für  die  Errichtung  derartiger  Werk-