471
auszeichnend im Kriege hervorthaten, war eine doppelte Ermunterung,
an dem eifersuͤchtigen Kampf zwischen Habsburg
und Bourbon Theil zu nehmen, und ehe dreißig Jahre verflossen
waren, hatte sich leider ohnedieß mehr als die Haͤlfte
derselben verloren, man mußte wieder beinahe an Erhaltung
des Stammes denken.
Ich weiß nicht, ob es ein Gluͤck fuͤr das Land war,
daß Wilhelm Ludwig, böllig frei von allen ehrgeizigen
Projekten, dem Betragen seines Vaters getreu, immer nur
für Neutralität zu negociiren suchte, mit keiner Parthie es
verderben wollte und so keine Parthie ganz für sein Interesse
gewann. Des armen Landes wurde deßwegen mit Einquartirungen
nicht geschont, innerhalb sechs Jahren seit 1672 soll
es nach der eigenen Schätzung des Herzogs bei eilfmal hunderktausend
*) Gulden Schaden erlitten haben, den beträchtlichen
Verlust nicht einmal gerechnett, welchen die Verheerungen
und kleinen Streifereien der Franzosen angerichtet
haben. Ein kleiner Fürst, der nicht wagen kann und nicht
Kraft zeigt, gewinnt nie, und für alle Gutwilligkeit, welche
Eberhard und Wilhelm Ludwig manchmal gegen den kaisetlichen
Hof bewiesen, sind ihnen nicht einmal Erspectanzen
auf vacant werdende Reichslehen zu Theil worden, noch weniger,
daß sie mit einem kleinen Stück Vorderösterreichischen
Landes belohnt worden wären, wie selbst Johann Georg
von Sachsen die Lausic erhielt. Eine genaue, recht thätig
werdende Verbindung mit dem kaiserlichen Hofe schien zwar
wegen Mömpelgard gefährlich, wo sich der stolze Ludwig
für jede Beleidigung immer rächen konnte, welche er erhalten
zu haben glaubte ; aber warum suchten nicht Eberhard
») Sattler, XI. Th. S. 280.