Metadata : Das öffentliche Recht der Gegenwart. Band XIV. Das Staatsrecht des Großherzogtums Oldenburg. (14)

206  Die  Organisation.  Die  Behörden.

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§17

 

 

Gemeindeverbandes  handelt,  haben  wir  jetzt  in  Oldenburg  eine  weitgehende  Zustänudigkeit
  der  Verwaltungsgerichte  1#)

1.  gegen  Entkscheidungen  über  den  Besitz  des  Gemeinde-  oder  Ortsbürgerrechts,  insbesondere
des  Rechts  zur  Teilnahme  an  den  Wahlen  zur  Gemeinde-  oder  Ortsvertretung  und  des  Rechts
zur  Bekleidung  ciner  den  Besitz  des  Gemeinde=  oder  Ortsbürgerrechts  voraussetzenden  Stelle
in  der  Gemeinde=  oder  Ortsverwaltung  oder  Vertretung  ist  Klage  bei  den  Verwaltungsgerichten
ohne  aufschicbende  Wirkung  gegeben;

2.  gegen  Entscheidungen  oder  Beschlüisse  über  die  Verechtigung  der  Ablehnung  oder  Niederlegung
  einer  Stelle  in  der  Gemeinde  oder  Ortsvertrelung  oder-Verwaltung,  sowie  über  die  Nachteilc,
  welche  gegen  Gemeinde=  oder  Ortsbürger  wegen  Nichterfsüllung  der  ihnen  nach  der  G.
obliegenden  Pflichten  verhängt  sind,  hat  der  betroffene  Bürger  wie  auch  der  Gemeinde=  oder  Ortsvorstand
  eine  Klage;

3.  gegen  Entscheidungen  über  das  Recht,  die  öffentlichen  Einrichtungen  und  Anstalten  der
Gemeinde  oder  Ortsgenossenschaft  mitzubenuten  und  am  Gemeinde=  oder  Ortsgut  und  dessen
Erträgnissen,  sowic  nach  Maßgabe  der  Stistungsurkunden  an  den  Vorteilen  der  Stiftung  teilzunehmen,
  ist  Klage  bei  den  Verwaltungsgerichten  ohne  ausschiebende  Wirkung  gegeben;

4.  auch  Stireitigkeiten  zwischen  den  Beleiligten  über  die  Grenzen  der  Gemeinden,  Ortsgenossenschaften
  und  Dorsschaften  unterlicgen  den  Verwaltungsgerichten;

5.  ebensalls  Streitigleiten  zwischen  den  beteiligten  Kommunalverbänden  über  dic  infolge
einer  Veränderung  der  Grenzen  der  Gemeinden,  Ortsgenossenschaften,  Dorsschaften,  Bürgermeistereien
  und  Amtsverbänden  notwendige  Auseinandersetzung.  Bei  dieser  verwaltungsgerichtlichen
  Auseinandersetzung  sollen  erforderlichenfalls  Bestimmungen  zur  Ausgleichung  der  öffentlichrechtlichen
  Interessen  der  Beteiligten  gelroffen  werden.  Insbesondere  können  einzelne  Beteiligte
  im  Verhälluis  zu  andern,  die  für  gewisse  kommunale  Zwecke  bereits  vor  ihrer  Vereinigung
für  sich  allein  Fürsorge  getroffen  haben  oder  solche  Beteiligte,  welche  vorwiegend  Lasten  in  die
neue  Gemeinschaft  bringen,  zu  Vorausleistungen  verurteilt  werden.  Auch  kann,  wenn  ein  Kommunalverband
  durch  die  Abtrennung  von  Grundstücken  eine  Erleichterung  in  öffentlichrechtlichen
Verpflichtungen  erfährt,  dieser  Kommunalverband  verurteilt  werden,  dem  Verbande,  welchem
jene  Grundstücke  einverleibt  werden  oder  dem  neuen  Verbande,  der  aus  letzteren  gebildet  wird,
eine  Beihilse  zu  den  ihm  durch  die  Bezirksveränderung  erwachsenden  Ausgaben  bis  zur  Höhe
des  dem  andern  Verbande  dadurch  entstehenden  Vorteils  zu  leisten.  Im  Falle  der  Vereinigung
von  Kommunalverbänden  ist  ihr  Vermögen  dem  neugebildeten  Verbande  zuzusprechen.

III.  Allgemeine  Rechtsstellung:).  Die  Gemeinden  sind  dem  Staate
untergeordnete  Verbände  des  öffentlichen  Rechts,  die  als  solche  gleichzeitig  die  Rechte
einer  juristischen  Person  auf  dem  Gebiete  des  Privatrechts  besitzen  9).  Sie  führen
die  Selbstverwaltung  ihrer  Angelegenheiten  nach  Maßgabe  des  Gesetzes.  Was  die
Polizei  anbetrifft,  so  erblickt  auch  der  oldenburgische  Staat  darin  eine  staatliche
Funktion,  delegiert  aber  die  Ortspolizei  in  gewissem  Umfang  auf  den  Gemeindevorstand
  )  und  verspricht  ihm  dafür  die  Hilfe  und  Mitwirkung  der  vom
Staate  zur  Haudbhabung  der  Landespolizei  eingestellten  Polizeiorgane.  Als
Körperschaften  des  öffentlichen  Rechts  besitzen  die  Gemeinden  ein  Recht  der  Autonomie.
  Freilich  ist  diese  Autonomie  wie  überall  im  modernen  Staate  an  gewisse
Schranken  gebunden.  Formell  dürfen  die  statutarischen  Anordnungen  der  Gemeinde

1)  Ges.  vom  9.  Mai  1906  5  16  im  GBl.  für  Old.  Bd.  35  S.  693  und  &  17.

2)  GO.  Art.  9.  Siche  dazu  Art.  66  5  1  des  St  G.:  „Die  politische  Gemeinde  als  solche  bildet
  eine  Unterabteilung  des  Staats  und  dient  insofern  seinen  Zwecken“.

3)  Art.  9  gewährt  ihnen  für  ihr  Vermögen  die  Rechte  der  Minderjährigen.  Die  bezüglichen
für  das  gemeine  Recht  nicht  unwichtigen  Privilegien  in  Hinsicht  auf  Ersitzung,  Verjährung,  restitutio
  in  integrum  usw.  sind  mit  dem  BGB.  in  Wegfall  gekommen.  In  Betracht  kommen
könnte  diese  Vorschrift  nur  noch,  soweit  es  sich  um  die  Hastung  der  Gemeindeorgane  für  Schädigungen
  des  Gemeindevermögens  handelt.  Darüber  siehe  weiter  unten  die  Besprechung  des
staatlichen  Aufüichtsrechtes.

4)  Vgl.  G.  Art.  33.  Durch  diese  Delegation  wird  aber  die  Zuständigleit  der  Slaatspolizeibehörden
  nicht  eingeschränkt,  siehe  Abs.  3  und  weiter  unten  die  Lehre  von  der  Polizei.