845 Fackeldistel — Faden.
liober bezeichnen, als eine verloschenc, umgesturzie
fackel? 220; der stille gott tancht meine fackel nieder
Schiller 4, 27; in Bildern der Erleuchtung, aber auch
der Zerstörung: fackel der wahrheit, fackel der rache,
brand-, mordfackel; die fackel des burgerkrieges in
das reich zu schleudern Schilller M. Stuart 1, 1.
lackel auch Name einer Kieferart.— Zusammensetzungen:
Fackeldistel, k. Name einer Cactusart. — Fackellicht, n.
Foclelschein, m. Acht, Schin ven Forulr. — Falt
tanz, m. Tanz bei dem die Tänzer Fackeln tragen: wenn
sich im fackeltanz die paare schwangen Geidel 1, lo.
— Fackelträger, m. Träger einer Fackel. — Fackelzug, m.
Zug zu Ehren jemandes, wobei breunende Fackeln getragen
werden.
ackeln, brennen wie eine Fackel, mhd. vackelen;
namentlich von der unruhigen Flamme, die eine Fackel
gibt: das licht fackelt gar zu sehr Adelung; auch:
mit dem lichte herumfackeln, unnötig hin und wider
laufen ebd.; übertragen in derber Rede auf unentschlossenes
Zandern, Schwanken: er fackelt nicht lange,
braucht bald Ernst ebd.; die kammerjungser fackelte
nicht lange. dort, dort länft der dieb! schrie sie den
leuten zu Eichendorff Taugen. 116; wenn ihr noch
lange fackelt Heyse 20, 162; lange lackeln mit der
hochzeit, das ist nicht unser fall Wildenbruch Opfer
63; auf unbestimmtes Reden: spruchwoörter. die doch
statt des vielen hin- und herfackelns gleich den nagel
auf den kopf trecten Goethe DuW. 8; daher auch
flunkern: die mutter hat gefackelt ders., die wandelnde
Glocke.
Fade, abgeschmackt, ohne Sast und Kraft; im 17. Ih.
aus dem franz. fade übernommen: sie thut ich weisz
nicht wie? der Franzmann nennt es tade Günther
157; gewendet auf Betragen und Worte: im tone der
fadsten galanterie Wieland Amad. 2, 7; dicse faden
possen Heyse 1, 15; seine faden licbesabenteuer
Treitschke 1, 191; auch: ein suszes fades berrchen;
ibres falen Kormorans, der so schöne epigramme macht
Wieland gold. Sp. 1, 1; auf Geschmack: eine fade
suszigkeit, die speisc schmeckt fade. — Fadheit, f. fades
Wesen und Art.
Fädeln, mit Faden versehen, die nadel Adelung;
in Faden auseinauder gehen: das zeug füdelt sich ebd.;
vgl. einfüdeln; Ableitung zu taden, früher fadem, auf
lädemlen zurückgehend, bei Stieler füdemen, einlüchemen.
— Faden, m. gedrehte Faser zum Nähen oder
Weben; altes gemeingerm. (nur gothisch nicht bezengtes)
Wort aeenalich anderen Sinnes, altnord. fahmr, altengl.
fähm. Klafter und Umarmung, altfrief. fethm,
Klafter, altsächs. kathmös beide ausgestreckte Arme, auf
Grund der allgemeinsten Bed. des sich Ausbreitenden,
im Ablaut zu koder (s. d.), urverwandt mit griech. petinnymi
breite aus, petalos ausgebreitet, breit; der
besondere Sinn, der im ahd. fadam, kadum, mhd. vadem,
vaden, und unserm taden entwickelt ist, vermittelt sich
durch die Bed. des besin nten Maßes, die dem gemeingerm.
Worte innewohnt und die auch abd. sich einmal
findet; solches Maß ward vielfach (beim Bangewerke, in
der Schiffahrt) durch Schnur oder Sehne gewonnen, und
so konnte zunächst diese Vorstellung sich allgemein mit
dem Worte verbinden, und daraus endlich die heutige
hervorgehen. Die Form sadem noch im 17. Ih. (tadem
und faden Stieler); in älterer oberdeutscher Spr. auch
Kürzung bis zu fade (fälum kadem, faden, lad Dief.),
an welche letztere sich die Verkleinerung fackchen anschließt;
Plur. neben altberechtigtem taden in der Bed. 1 2 auch
suden, schon im 14. Ih. 67 er.fädem spinnet Megenberg
291, 26), in neuerer Spr. vorwiegend. 1 als
Mittel zum Binden, Nähen, Weben: band einen roten
faden darumb 1. Mos. 28, 28; zureisz sie (die Stricke)
. vie einen faden Richt. 16, 12; nadel und faden,
kleinen, groben füden spinnen Stieler; bindfaden,
Faden. 846
nähfaden, zwirnsfaden u. ähnl.; aus Metall gearbeitet:
schlug das gold und schnecits zu taden 2. Mos. 39, 3;
gulden - oder silberfaden, aurum, angertum duetum
Stieler; von Spinnen hervorgebracht: die spinnen
habend in in ain wollentragend kraft, dar auz si die
füdemen spinnent Megenberg 291, 30; (Kreuzspinne,
bie) recht dunne fäden zieht, aber desto zöbere Goethe
Egm. 1; Längsfaser des Fleisches; auch die des Holzes;
auch fadensörmige Pflanze, algen oder wasserfiden.
2) in einer Reihe von Bildern oder Redensarten; für
eine Kleinigkeit, ein Nichts: das ich von allem das dein
ist, nicht einen faden noch einen schuchriemen nemen
wil 1. Mos. 14, 23; er hat nicht einen faden zn mir
bracht Stieler; er läszt keinen gnten faden an ihm;
kein faden war an allen tünzern trocken Wieland
Ob. 5, 52; bei Webern heißt ein gewede zu taden
schlagen, bie Kette einrichten, bei Schneidern zeug, auf
anderes mit weiten Stichen vorläufig heften; übertragen
etwas zu faden schlagen, die esse vorläufige Arbeit
daran thun; auch: die meinste (meisten) bulschalten
wurden in Italia an solchen heiligen örtern (Kirchen)
gestiltet und zu faden geschlagen Simpl. 3, 97; das
Wort auf Pläne, Verhältnisse, Verbindungen bezogen:
kein faden ist so fein gesponnen unter der sonnc, der
so schnell risse als die bande des bubenstucks Schiller
Näub. Trauersp. 4, 8; der augenblick zerreiszt auch
den faden zwischen mir und der schöpfung Kab. 2, 5;
den faden unserer etwanigen correspondenz wieder anzuknupfen
Lessing Brief 1776; kunpfte ich wirklich
eine menge füdchen wieder an, die ich zerrissen fand
Goethe Götz 2; möchte ich gerne einen faden, der
sich wieder anknupfen läszt, nicht abschneiden Bis
marck Reden 7, 73; einen am faden halten, gebunden,
in Abhängigkeit; an goldnen fäden zog sie mich an sich
Grillparzer 3, 201; wie ein vogel, der den faden
bricht Goethe 1, 107; der rote faden: wir bören von
einer besondern einrichtung bei der englischen marinc.
sämmtliche tauwerke der königlichen fiotte sind dergestalt
gesponnen, dasz ein rotber faden durch das ganze
durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne
alles aulzulösen Wahlverw. 2, 2; daher: dieser gedanke
zicht sich wie ein roler faden durch das buch; suchten
den rothen faden, der durch all dergleichen hindurch
gehe Keller Seldw. 2, 91; faden des gespröchs, der
geduld, des schicksals, lebens u. a.: die hand des todes
zertrennte den faden seiner rede Schiller 1, 213;
wie man erst den rechten faden findcet, wirddie
halbe nacht mit suszem plaudern bingebracht Wieland
Klelia 1, 350; so reiszt dem jungen herru der
faden der geduld 7, 30; den lebensfaden fortzuspinnen
Ob. 7, 55; dem goldnen faden der poesie nachspuren
JMosen Brief 1837; verworrener empfindung leise
füden verfolgen und entwirren Grillparzer 3, 166;
in der geschichte verschwinden dir oft die fäden des
schicksals Geibel 5, 37; als die füden dieser bestrebungen
nicht in Wien, sondern in Dresden zn suchen
sind Preußen i. B. 1, 33; leitfaden, auch als Tilel eines
einführenden Buches; faden der Ariadne; haben wir
zugleich den faden gefunden, der uns durch das ganze
labrrinth der acsthetik fuhrt Schiller 10, 335; froh
vertrauend seines (des Flusses) kaden d. Pilgrim; dunner,
murder faden: scin schicksal hüngt an einem dunnen
faden; unser leben hieng vorjetzo an einem seidenen
facken Plesse 2, 274; sprichwörtlich: da beiszt keine maus
einen faden ab, das ist unverbrüchlich; vom Regen, vgl.
bindfaden; in zahllosen grauen faden riesclte es vom
dache Rofegger Waldschulm. 51. 3) kaden, als bestimmtes
Maß, im Mhd. nicht, wohl aber im Niederdeutschen
für Holz, Leinen und Seetiese nachmweisen,
und namentlich im letzteren Sinne auch hochdentsch geworden
(mit dem Plur. faden): das schiff geht sechs
faden unter dem wasser Stieler; mecrestiole von