Inhaltsverzeichnis : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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will.  Das  Geschaffensein  in  diesem  Sinne  heißt  auch,  geschaffen  aus
nichts.  Das  letztere  geht  auch  daraus  hervor,  daß  dem  Wesen,  das  geschaffen
  wird,  früher  ein  Nichtsein  zukommt.  Das  Sein  ist  aber  durch
eine  erste  Ursache  hervorgerufen,  der  nichts  Körperliches  zugrunde  liegt,
wie  bei  den  uns  bekannten  Kausalverhältnissen,  infolgedessen  kann  die
Wirkung  der  ersten  Ursache  nur  eine  Schöpfung  sein.  D.  h.  die  Wirksamkeit
  der  ersten  Ursache  muß  entsprechend  ihrem  Sein  von  der  Art
sein,  daß  sie  nicht  bloß  durch  Bewegung  eine  Form  in  die  Materie
einführt,  sondern  daß  sie  das  Sein  selbst  gibt,  also  das  ganze  Wesen
nach  Materie  und  Form  ins  Dasein  setzt.  —  Je  allgemeiner  ferner  eine
Wirkung  ist,  desto  höher  muß  die  Ursache  stehen.  Da  es  auch  an  sich
unbewegliche  Dinge  gibt,  so  ist  das  Sein  allgemeiner  als  das  Bewegtwerden,
  infolgedessen  muß  die  Ursache  des  Seins  noch  über  derjenigen
des  Bewegens  stehen  und  diese  kann  nur  ein  schaffender  Gott  sein.
Wäre  eine  ewige  Materie,  d.  h.  eine  solche,  die  in  Ewigkeit  den  ganzen
Weltenraum  ausfüllt,  dann  könnte  Gott  nicht  außerhalb  dieser  gedacht
werden.  Ferner  bestimmt  sich  die  Ordnung  der  Tätigkeiten  nach  der
Ordnung  der  Ursachen.  Die  erste  höchste  Tätigkeit  muß  also  der  ersten
höchsten  Ursache  entsprechen;  erstere  ist  aber  die  Schöpfung,  da  sie  der
Ausgang  aller  Tätigkeit  ist,  diese  kann  daher  nur  Gott  zukommen.
Es  liegt  auch  den  allgemeinen  Wirkungen  eine  allgemeine  und  erste
Ursache  zugrunde.  Die  allgemeine  Wirkung  der  ersten  Ursache  ist  das
Dasein,  das  also  den  Dingen  nur  von  Gott  gegeben  sein  kann,  d.  h
Schöpfungsmacht  hat  nur  Gott.  .

Wenn  Thomas  auch  durch  die  Vernunft  zu  beweisen  versucht,
daß  die  Welt  aus  nichts  geschaffen  ist,  so  hält  er  anderseits  einen  Vernunftbeweis
  dafür  unmöglich,  daß  sie  auch  nach  nichts  geschaffen  sei;
er  nimmt  letzteres  aber  als  einen  Glaubensartikel  an,  gegen  den  die
Vernunft  nichts  Gegenteiliges  vorbringen  kann.  In  der  Schöpfung,
die  mit  der  ersten  Bewegung  verbunden  ist,  liegt  auch  die  dauernde  Erhaltung
  der  Welt,  die  sich  in  einem  stetigen  Wechsel  von  Sein  und
Anderssein  äußert.  Gerade  aus  der  letzten  idealistisch  sehr  richtigen
Auffassung  folgert  Thomas,  daß  die  Welt  ein  wirkliches  unabhängiges
Sein  nicht  hat,  sondern  die  Existenz  nur  durch  ein  höheres  Sein,  durch
Gott  hat.

Gott  hat  aber  nicht  nur  die  Materie  und  die  Formen,  d.  h.  Körperliches
  und  Geistiges,  geschaffen,  sondern  er  hat  dieses  auch  in  einer
reichhaltigen  Verschiedenheit  geschaffen  und  zwar  in  Stufen  von  reinen
Formen  bis  zur  reinen  Materie;  diese  Verschiedenheiten  an  Arten  und
Gattungen  sind  unmittelbar  als  dauernde  unveränderliche  Typen  geschaffen,
  wobei  der  höchste  Grund  der  Berschiedenheiten  Gott  selbst  ist.
Nach  Thomas  soll  diese  Vielheit  und  Verschiedenheit  dem  Fortschritt