Full text : Wörterbuch des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dritter Band. (3)

III  —  32  —

2.  Ganz  besonders  gute  Waldhüter  sind  aber  die  Schlupfwespen.  Sie
töten  eine  Unmenge  von  Raupen.  An  ihrem  Leibesende  haben  sie  einen  Legestachel.
  Mit  diesem  bohren  sie  Löcher  in  die  Raupe  und  legen  dann  in  jedes
Loch  ein  Ei  hinein.  Die  auskriechenden  Larven  nähren  sich  von  dem  Fette  und
Fleische  der  Raupen  und  fressen  diese  oft  bei  lebendigem  Leibe  auf.  Zuweilen
bleiben  sie  so  lange  in  der  Raupe,  bis  sich  diese  verpuppt.  Sie  gelangen  dann
nicht  selten  in  die  Raupenpuppe,  verpuppen  sich  darin  ebenfalls,  und  statt  des
Schmetterlings  kriecht  eine  Schlupfwespe  aus  der  Puppe  hervor.  Es  gibt  in
Deutschland  über  5000  Schlupfwespenarten.  Millionen  von  Raupen  und  Fliegen
finden  durch  sie  ihren  Tod.  (S.  40.)

36.  Schlußbetrachtung.

1.  Kiefer,  Eiche  u.  a.  Waldbäume  haben  unter  den  Insekten  zahlreiche  Feinde.
(Welche?)  In  dem  Kuckuck  aber  hat  der  Schöpfer  uns  einen  Waldwärter  gegeben,  der
dafür  sorgt,  daß  die  schädlichen  Insekten  im  Walde  nicht  überhand  nehmen.  Es  ist
geradezu  erstaunlich,  was  ein  Kuckuck  an  Insekten  hinunterzuschlingen  vermag.  In  dem
Magen  eines  Kuckucks  fand  man  allein  97  Prozessionsspinnerraupen.  Andere  solche  Waldpolizisten
  sind  noch  Specht,  Meise  und  Baumläufer.  Unter  den  Inselten  gehören  besonders
  die  Laufkäser  und  Schlupfwespen  hierher.

2.  Auch  in  der  Pflanzenwelt  findet  beständig  ein  Kampf  ums  Dasein  statt.  So
duldet  die  Buche  nicht,  daß  die  junge  Eiche  unter  ihren  Zweigen  gedeiht;  denn  sie  nimmt
ihr  mit  ihrem  schattenreichen  Blätterdache  allen  Sonnenschein.  Wegen  des  mangelnden
Sonnenlichts  treffen  wir  im  dichten  Buchenwalde  überhaupt  wenig  oder  gar  kein  Unterholz.
  Ebenso  unduldsam  ist  der  Nadelwald,  besonders  der  junge.  Am  großmütigsten  gegen
die  schwächeren  Pflanzen  ist  die  königliche  Eiche.  Sie  gestattet  nicht  nur  Sträuchern  und
Blumen,  unter  ihrem  Dache  zu  wachsen,  sondern  läßt  selbst  kleinere  Waldbäume,  wie
Ahorn  und  Hainbuche,  sich  in  ihrem  Bezirke  ansiedeln.  Die  Blätter  der  Eiche  sind  nämlich
tief  ausgebuchtet  und  nicht  so  schirmartig  gestellt  wie  die  der  Buche;  sie  lassen  daher  die
Sonnenstrahlen  leichter  durch.

Vflanzensamilien.  Birkengewächse.  (Zur  Vergleichung:  Birke  IS.  251,  Erle.)
Einhäusige  Gewächse.  Die  Blüten  stehen  in  Kätzchen.  Der  Same  ist  geflügelt.

V.  Das  Feld  im  Junl.

Welch  eine  Lust  für  den  Landmann,  im  Juni  durch  seine  Felder  zu  wandeln!
Frisches,  wogendes  Grün  deckt  die  Flächen  weit  und  breit.  Der  Winterroggen,  der  schon
im  Herbste  gesät  wurde,  treibt  bereits  Ahren,  und  der  Winterweizen  wird  bald  folgen.
Das  Sommergetreide,  das  erst  im  Frühjahr  gesät  wurde  (Sommerroggen,  Sommerweizen,
  Gerste  und  Hafer),  ist  zwar  noch  etwas  zurück,  doch  versprechen  die  dunkelgrünen
Blätter  einen  kräftigen  Halm.  Der  Raps  ist  bereits  gemäht,  und  die  Kartoffeln  bedecken
schon  mit  ihren  Blättern  den  Boden.  Da  steht  denn  der  Landmann  und  schaut  an  die
Güte  des  Herrn,  und  in  seinem  Herzen  erklingt's:  „Du  feuchtest  die  Berge  von  oben  her;
du  machest  das  Land  voll  Früchte,  die  du  schaffest.“  Und  hoch  oben  in  der  blauen  Luft
jauchzt  auch  die  Lerche  ihr  Loblied  und  dankt  dem  Schöpfer,  der  alles  schön  gemacht  hat.

237.  Der  Roggen.

1.  Kornseld.  So  ein  wogendes  Kornfeld  erinnert  lebhaft  an  das  tiesfe
Meer  und  übt  wie  dieses  einen  geheimnisvollen  Zauber  auf  uns  aus.  Wehe  dir,
wenn  du  deinen  Fuß  in  das  Kornfeld  setzen  wolltest,  vielleicht  eine  der  blauen
Kornblumen  zu  pflücken!  Denn  da  drinnen  sitzt  die  „Roggenmuhme“  und  „wird
die  Kinder  fangen,  die  nach  den  Blumen  langen“.  Wichteln  und  Elfen  begleiten
sie,  und  von  ihnen  rühren  die  kleinen  Steige  her,  die  man  oft  im  Kornfelde