Karl3 Stellung al3 oberjter Schirmherr der Kirche. 107
fie und ftüßte fich auf fie, ohne jedoch fein eigenes Urteil über
firchlihe Dinge gefangen zu geben. In dem fogenannten Bilderftreit,
dem Streit um Berechtigung und Bedeutung Heiliger Bilder,
der im öftlihen Neih fo große Kämpfe erregte und Seitdem,
um 726, die Gemüter auch im Abendlande Tebhaft beichäftigte,
huldigte er einer Anficht, Die dem Bedürfnid und dem Aberglauben
der Menge weniger entgegenfam al3 die des Bapftes und
vieler der Eirchlichen Häupter. Er verdammte die Bilderverehrung
als Abgtterei, er wahrte in Diejer srage Die Selbitändigfeit der
fränkischen Kirche gegenüber der griechiichen, wo jebt ein Umjchwung
zugunften der Bilder eingetreten war, und dem ihr werbiindeten
Papft Hadrian. Als oberfter Schirmherr der Kirche griff er unbedenklich
auch in innere Angelegenheiten ein. Er nahm Stellung
in einem dogmatischen Streite, der Durd) einen Spanier Felir von
Ürgelli hervorgerufen war: auf Synoden, von 752 bis 799, wurde
die Auffaflung des Telir, daß Chriftus nach feiner menschlichen
Natur nicht al3 wirklicher, fondern nur als vom Vater adoptierter
Sohn Gotte8 zu betrachen fer, der Wdoptianismus, verhandelt
und jchließlich verurteilt. Aber dabei ftand er in gutem Einvernehmen
mit dem Epijfopat: er erkannte jeine Bedeutung für Die
Einheit und den Fortichritt des Reiches und den geordneten Gang
der Geichäftee Wichtige Fragen der Gejeggebung und Bolitif
wurden in Reichöverfammlungen beraten, die zugleich) Synovden,
geiftliche Berfammlungen waren und wo die Bilchöfe, die des
Zateiniichen völlig mächtig, in ihren bejonderen VBerfammlungen auch
das Neden und das Schreiben geübt hatten, ihren Einfluß geltend
machten. Und noch war fein Gegenjag ziwiichen geiltlichem und
weltlichen Regiment und die Anficht überwog, daß man als Late
jo gut wie al8 Geiftlicher dein Reich Gottes dienen fünne, und
die Biichöfe, vom Kaijer unmittelbar ernannt, auch wo nach. altem
Grundjag eine Wahl durch Klerus und Bolf vorausgegangen war,
waren und fühlten fich al3 Beamte und Diener ihres Herrn, des
Königs oder Jmperators: aucd) ihr oberjter, der von Rom, war
nur der erfte diefer Diener.