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Kummer 168
Die Lage in Albanien.
Die Vertreter der sechs Großmächte teilten den
Aufständischen mit, daß die diplomatischen Bräuche
es ihnen nicht gestatlen, sich zu den Anfstäudischen
nach Schiak zu begeben; doch seien sie
gerne bereit, die Wünsche der Aufstänvischen
anzuhören, weshalb sie co für praltisch hielten,
wenn die Aufständischen ihre Wüniche scheiftlich
milleilten.
Englischer Armee-Ersatz.
Die letzten guten Wirtschaftsjahre sim, der
Nekrutierung der britischen Armee sebr v#-nängnisvoll
gewesen. Im Aurü 130r wurde
ne Zahl der Rekruten, die jahrüch eingestellt
Herden müssen, auf 37710 Mam, wonon? 60#
nir die Linien ZJufanterie, angegeben; türzlich
Teduzierte der Vertreter der Kriegemimn er#tO
zae# die Zahlen auf 34500 und 19 600, obgleich
ole Friedenspräsenzilärte im Lause dichzer
Jahrr nur um 873 Mann herabgese it wurde.
Aber auch gemellen an k##n kleineren Zahlen
war die Neuntierung während der letzten lünf
Jahre ganz ungenügend und blieb hinter dem
Soll zurück um 863, 6260, 5346. 4664 und
6000, also zusammen um 295. 0600 Mann, jfur
die Infanterie allein um 19 000 Mann. Der
Ausfall ist gededt worden durch Heranziehung
von Reservisten, bezw. durch besondere Prämien,
die ausgediente Soldaten bestimmen, länger
bei der Fahne zu bleiben.
Die Ulsterkonferenz.
Nach Schluß der Mittwoch- Konferem: jand den
sehr lebhafte Verhandlungen zwischen den Parleiführern
stat.. Auch das Kabie hieit eine
Sitzung ab. Die Führer der Oppodittn 1###eu
am Abend zu einer ntsch eidenden Ver mung zu
sammen. Ueber die Vorgänge in der Konserenn
ist nichts an die Oeffennichteit gelang: Aber
im Vorsaale des Unterhauses ist man der Mei.
nung, daß bestinimte Ergebnisse erzielt worden
seien und daß die Vormittags-Sigung enscheidend
sein werde.
Ein Nachspiel zum Balkanrrieg.
Konstantinopel, 22. Juli.
Das Buleau der Kammer, das mit den Voruntersuchungen
gegen die Mitglieder der beiden
vorigen Kabineite beiraut ist, lud die in Konstantinopel
anwesenden ehemaligen Miaiiler
dieser Kabinette vor. Es wurden der frühere
Grohwesier Mulhtar Pascha, der chemialige
Ministet des Aeußern Noradunghian, der Minister
für öffentliche Arbeiten ia und der
Finanzminister Abdurrahman sowie der Lulafminisler
Fev#zi Pascha vernommen.
Wie rerlautet, vrotestierte der chemalige
Großwesier Ghasi Mulhtar asch gegen die
von einem Deputierten gegen ihn gebrauchten
Worte „verbrecherischer Mörder“. Muthtar
Pascha legie dar, daß die Entiassung der Trup-=ren
vor dem Ballanlrieg unter dem jungiürlischen
Kabinett Said Pascha begonnen habe.
Sein Kabinelt habe vielmehr die Reserdisten
zu den Manbövern einberufen wollen, was die
Ballanstaaten als Kriegovorbereitung gedeulet
hälten, worauf sie die Mobilisierung angeordnet
hällen. Mukhtar Pascha erilärte
schlietzuck, er werde weitere Erklärungen vor
dem Staategerichtshof abgeben. Die meisten
übrigen ehemaligen Minister soilen erllärt haben,
sie könnten über die militärischen Angelegenheiten
leine Auftlärungen geben, da diesausschiiehlich
von dem verflorbenen Kriegsminister
Nasim Pascha geleitet wurden.
Eindrud machte die Aussage Feo#i Paschas,
daß das Kabinelt Mukhtar Pascha ver dem
Krieg den Kriegsrat einberufen habe, woran
auch Mahmud Scheflet Pascha teilgenommen
habe. Veneral ### uliah Pascha hätte erküärt.
dab 60% Panonen und Granaten defelr oder
Llet ĩeien. Ein Krieg wäre ungünstig. Nasim
Pascha sei derselben Meinung gewetien, doch
habe Malmud Scheflet Pascha erllät. der
(Heisi und die Disziplin der Truppen seien ausgezeichne#.
Die Türlei würde siegreich aus
einem Kriege berrorgehen.
Nach einer weileren Meldung sprach sich die
Abteilung der Kammer, welche mit der Unlersuchung
der UAngelegenheit betrant ist, fast eintimmig
für die Versehung der früheren Minisier
in den Anklagezu stand aus und unterbreilete
in diesem Sinne der Kammer einen Bericht. Die
Abteilung fügie neue Anllagepunkie hinzu, daruntker
namentlich die Anklage, daß das ftöhere
Kabinett bei dem Abschluß des eristen Wasseuflillstandes
sich zur Nichtrerproviantierung Acrianopels
verpflichtete. Ein hervorragendes Milglied
der Abteilung äußerte sich gegenüber den
Berichterstattern, er hofse, daß mehrere der
Angeilagten und ehemaligen Minister in der
Lage seien, sich zu rechtsertigen. Man erwarte
dies besonders von Noradunghian, der sich der
Kriegserklärung unter dem Hinweis, daß die
Aimee nicht bereit sei, widersehle.
Der Prozeß Calllaux.
Haris, 22. Juli.
Das sogen. grüne Dokument, welches angeblich
auf die Rolle Caillaur's in d stocutsch
französischen Marokto--Verhandlungen vom Jahre
1911 ein so bedenkliches Licht werfen soll,
“* infolge des heftigen Zwischensalles, den
im Schluß der Dienstag-Schwurgerichts-
Rolenhelmer Anzelgen
JZur Reise des Prästdenten Poinrare nach Peteroburg.
Der Präsident der französiseh’n Republik
Poeincare ist auf seiner Reise nach Rußland mit
Proßen Ehren empfangen worden. Unier benliges
Vild zeigt Foincare und den Zaren im
Hasen von Peterhof,
Verlassen der Bacht „Alerandra“.
Poincare (70.
unmittelbar nach dem
Der Zar (7)
sitzung verursachte, den Gegenstand eifriger Er-Kterungen
in der Presse. Die nattonalistischen
Blätter benußen den Aulaß zu neuen scharsen
Angiissen auf Caillaur
Die „Libre Parole“ screiot: „Seit zwei Jah-=ren
bhaben alle diejenigen, weiche die Waührheit
iennen, sich geweigert, sie vollfiändig zu en#len.
Jehzt werden sie belannt gegeben werden mussen
Der Adrvolat Fakori verlangte dies unter der
Drohung, sein Verteidige: amt niederzulegen.
Caillaux, weld er im Schwurgersch: verblüffen
Wollte, wie er c. dewöhnlich im Parlamenie tut,
bat sich mit seiner eigenen Hand eine Schlinge
gelcht «
Die radilale „Lanterne“, weiche zu den eifrigtten
Anhängern Cailiaua's gehört. saat:
iesmal wird man auf die Frage, antworten
en. Das wird durch leine Staatsraison
nerbindert werden lönnen, leine Erwägung wird
gellend gemacht werden lömen, um dieres geheimnisrolie
vergiftende Schriftftück noch weiter
im Dunseln zu belassen. Es hat vielleicht beleits
einem Menschen das Liben gelomet. Das
ist genug. Man möge uns das Paxpier zeigen
und man wird sehen, ob es einen Beweis jfür
einen Verrat Cailiaur's bildet oder ob
erjunden ist, um die Machenschaften einer Bauditenpolitil
zu unterstützen.“
Dem „Echo de Paris“ zusoige hat der Zwischenfall
auch bei den in Parie weilenden Milgliedern
der Regierung lebhafte Erreau: ig herrorgerusen.
Ulrsprünglich sollte ein Ktat
zur Prüfung der Angelegenheit stattf
doch soll hiervon Abstand genommen werden,
da der Ministervräsident und der Minister des
Aeußern in Erwartung des Hwischeifalle
durch seine Abreise nach Rußland Weisungen
uüdgcla2sen haben. Es leißt, dan cer Zu
stizminister, der interimisiissch auch das Mib#isterium
des Aeußern leitet, den General#taa#s--anwalt
zu sich berusen werde, um ihm eine
Instrultion zur Vervollitändigung seiner Er.
llärung. zu geben. In Regierungelreisen häit
man dafür, daß ciiese Erllärung geeignet sein
werde, jeder Untlarheit und Zweidentigkeit
ein Ende zu machen; aber das „grüne Schriftstück“
selbst werde nicht mitgeleilt werden, da
es unmöglich sei.
Der „Figaro“ weist in einem „Die Verieumdungen
nach dem Morde“ betitelten Arkitel mit
aller Enlschiedenbeit die von Caillaux vorgebrachten
Behauptungen zurüd, daß Caimelte
und der „Figaro“ im Solde ausländiicher Vaulen
und Regierungen gestanden hättlen. Der
„Figaro“ zitiert zu diesem Behufe ein Telegramm
der Dresdener Bam aus dem Jahre
1902, in dem diese erllärt, daß sie niemals irgendwelche
Interessen an dem „Figaro“ Heu abt
hbabe. Weiter stelli der „Figaro“ jeil, daß
er niemals auch nur einen Centimes von der
ungarischen Regierung, sei es direlt odec indirekt,
erhalten habe
Weiter veröffentlicht der „Figaro“ haßerfüllte
Angrisse auf sämtliche Geguer insolge der ofsenbar
verlorenen gestrigen Schlacht. Erd dementiert
alle Auesführungen Caillaur und liagt den Gerichtspräsidenten
Albanel der parteilichen Vethandlungsführung
an. Die übrige Morgenpresse
aber siellt fest, daß der gesteige Tag
sehr günstig für die Angellagte verlaufen sei.
Man gibt dem ersten Verhandlungstag sogar
anoschlaggebende Bedeutung; denn aus der Gegenuberstellung
des „Figaro“-Redalteurs Laßa.
rus mit Caillaux geht hervor, daß der „Figoro“
die abermals an das Licht der Oessentlichkeit
gekommenen „grünen Dokumente“ als
Waffe gegen Caillaur ausspielte. Weiter wird
behauptet, daß Calmelte nicht im guten Glauben
handelte, sondern seine vergiftelen Pfeile
deshalb gegen Caillanz richtete, weil er seine
Steuerpläne im Keime ersticken wollte.
Auf die Anklage Caillan, daß Calmette
scin Vermögen auf nicht einwandfreie Weise erworben
habe, erllärt die Zeitung „Gil Blas“,
im Besitze von Dokumenten zu sein, die beweisen,
daf, der im Jahre 1868 noch ganilich rermögenslose
Calmette nicht weniger al: 13 Mill.
Franken hinterlassen hat. Das Blatt kündigt
an, daß es diese Dolumente in den nächsten
Tagen Leröffeutlichen werde.
c2
*
Die Miiitwoch-Sitzung brachle Leine besondere
Kleperraschung. Als Labori den Gerichtosaal
betrat, wurde ihm offenbar wegen seiner geilrigen
energischen Hallung von den jungen Acvzlaten
eine lebhafte Sympatbie Kundgebung bereitet.
Nach Eroffnung der Sihung erob sich
der Ceneta#staatranwalt und saate: Er sei zu
der Erllärung ermächligt, daß das „Ngrüne
Schlifttück" nich 1 existiert und nicht exifliert hat
und daß demzufolge die Chrenhaftigleit und der
Patrioliomuo Cail aua's in leiner Weise ange
lastet erscheint. (Lebhafte 2 VBewegang. Der Präa
sident erllärte, daß der Zwischenfall damit als
erledigt anzusehen sei. Der Prösident des Verwaltungsrates
des „Figaro“ verlas eine Erllärung,
welche im wesentlichen die heute im
„Figaro“ erschienene Zurückmeisung der von
Cailiaur erhobenen Beschuldigungen enthält.
Caillaux hielt seine Anllage aufrecht und ver—
las zur Erhärtung seiner Behauptungen mehrere
Schiststück
Dannu wurde die Vernelmung der Zeugen sortgesetzt.
Die Zeugenvernehmungen betref jend die
(6 erüchte über die bevorstehende Veröffjerllichung
intimer Briese vor der Ermordung Calmet"3
nahmen den ganzen Nachmittag in Anspruck. Bemerkenswert
war die Ausage des Deputierten
P. of. Painleve, welcher erklärte, daß ihm der
Vanlier Gasion Drenfus, einer der Hauplaltionäre
des .„Figaro“, einige Tage vor cem Attentat
erllärt habe, daß, Calmetle in keiner Kampagne
gegen Caillaur aufsehenerregende Dinge
veröfsentlichen werde. Auf die Anfrage, ob es
sich um die Nochettenassäre handle, antwortele
Drenifus, um das Dolument Fabre, aber auch
noch um elwas andere?. Painleve erllärte, er
habe den Eindrud gehabt., als ob es sich um
in2ime Briese handle.
Zum Schlusse der Verhandlung wurde der
Direttor des Finanministeriums Derchanell neinommen,
der Zeuge war, als infolge der Ver
ständ'gung zwischen Caillaur und seiner ersten
Fran, sowie seiner jelzigen Frau, die voi dersellen
entwendeten intimen Vriese verbraunt
wurden. Frau Guendan antworteie dartals auf
die Frage, ob sie leine Abschristen oder Phoo#-graphien
dieser Briese zurüdbehallen habe,
scherlichst mit „nein“. Es zeigte sich aber, daß
sie damals nicht die Wahrheit gesagt bal. Er
tönne nur hinzusügen, daß er nach seiner eigenen
Aufregung über diese Sache sehr gut die unaushürliche
Angst begreisen lönnc, in der seit
her Frau Caillaur gelebt TLabe.
Für die morgige Verhaui ung ist das Verhör
der Frau Eueydan un es ehematigen Minisler
äsidenlten Baithon in Aussicht genom-Men,
welch letzterem dir intimen Briese von
Frau Guendan gezeigt worden waren.
Perschiedene Nachrichlen.
Halle a. S., 25. Juli. Ein fehr gewagtes
Scahhiel wurde am Weittwoch mit einem Flugapparat
in Halle vorgeführt. Der Flieger Trautwein
stieg auf dem Ererzierplatz in Beesen bei
Halle mit einen; Cindecler auf, unter dem ein
Trapez angelrach: war. ls er sich in einer
Höhe von ungesahr 150 Metern befand, gab
sein Passagier, der Trapezlünstler Jwanoff.
woahalsige Kunststücchen zum Beslen, indem
er erband Uebungen anm Trapez aussührte.
Er hing u. a. mehrere Minuten mit dem Kopf
naoch unten in der Luft, wobei er sich mit den
Fuiz spiten am Trapez sesthielt.
Bielefeld. 22. Juli. Bei der Dachreparatur
eines Einfamilienhauses am Hasenort stürzte
plötzlich eine Giebelwand ein und riß orei auf
einem Gerüst arbeilende Maurer in die Tiefe;
zwei davon, beide verheiratet, waren sofort tot.
Der drilte wurde schwer verletzt dem Krankenhause
zugeführt.
Hamburg, 22. Juli. Die Frau des Fuhrwerlsbesiczers
Soot in Bergstedt bei Hamburg,
die mit ihrem Fuhrwerk unterwegs war, wurde
bei Wohldorf von zwei jungen Burschen angeballen,
von dem Fuhrwerl gerissen und in ein
nabegelegenes Gehe #Went. Dor#s schlugen
ihr die Burschen chürze über den Kopf,
banden ihr die se an den Rücken und nahmen
ihr den Heldbetrag in Höhe pa##
Freitag, 24. uli 1014
100 Mk. ab. Damn ließen die Burschen, als
sie sich von einem Manne beobachtet lahen,
von ihrem Opfer ab und lichen die Ftau im
bewuhtlosen Zuslande liegen. Sie murde nach
Hause gebracht und hatte bisber nur wenige
lichte Augenblicke.
Hamburg, 22. Juli. Die Witwe des Kausmanns
Jacobsen seierte am Dienstag ihren
100. Geburtslag. Im Laufe des Vemittage
wurden ihr. zal lreiche Gralulationen dargebracht,
die sie anscheinend recht frisch entgegennahm.
Alo sie sich am Nachmillagf jüc kur geit
in den Rubhesessel begab, machte ein Hersschlag.
ilrem Leben Uin friedliches Ende.
Wien, 23. Juli. Der 3Z4jährio: Schneider
Kutschera in Wien, der durch monatelung:
Arbeitslosigleit in grotze Nollage geratlen war,
hat gestern insolge Trubsinns seine beiden Kinder
gelötet und sich selbst! lebensgefähruche Verletzungen
beigebracht. Der ältere fünfjährige
Solm, der große Verletzungen am KRehllaufs
autwier, ist der Verlelzung sofort, der dreijäbrige
Sohn, der zei Sliche in bie Lunge
erhallen hatie, nachmitlags- den Wunden erle
gen. Auch der Zustand des Vaterz scheint
hoffnungelos zu sein.
Sofia, 22. Juli. In den lezten Taue:
Aingen über verschiedene Gegenden Woklendrüche
nieder und verucsachten namentlich in Jamboi,
Lom, Nasgrad, Erli d zumasa große Ueber
schwemmungen. Visher wurden mehr als 100
Leichen aus den Flulen gezgen, doch soil die
JZabl der Opfer weit größer sein. Der Schaden
ist. beträchtlich und wird ausf eiwa 10 Millionen
deschätzt. Zur Untersuchung der pon der Katastrophe
Betrossenen isl eine Hilfoallion ein
geleitet.
Antwerpen, 22. Juli. In einem Lazer
hause des Hasenvierleld brach in der vergan.
genen Nach! Feuer aus. Dabei wurden elma
2500 Baumwollballen im Werte von ungefahr
400 000 Francs ein Naub der Flammen.
Perlobung im bayer. Königshause
München. 22. Juli.
Gäntlich unerwartet brachte der offisiöse
Draht heute dem Bayernvolle die freudige Kun
de von einer Verlobung im löniglichen Hause.
Angedeutet war die Talsache bereits durch die
Mitteilunn, daß der regierende Fürst von Hohenzotlern,
Fürst Wilhelm, am Mitlwoch#ac
mittag in Leutsietlen zum Besuche der löniglichen
Familie eingelrossen ist und einige Tage dort
verweilen werde. Der Fürst lam in der Ab
sichlt, beim König um die Hand seiner allesten
Tochler, der Prinzessin Adelgunde, anzunalten.
Der König gab diesem Wunsche stalt und ver
lündete nachmittags 4 Uhr im Kreise der Fa
milie und des Gefolges die Verlobung.
Die Moglichleit dieser Verlobung wurde in
verschiedenen Hofkreisen schon vor einiger deit
angedentet. Der Fürst weille im vergangene:
Winter in München und nahm verschiedentlich #o
den Hossestlichleiten teil. Vor einigen W)chen
besuchte die Prinzessin Adelgunde die Gloßher
zogin. Witwe von Baden auf der Inse! Mainan.
Mei dieser Gelegenheit sand die letzte Begeg
nung des Fürsten mit der Prinzessin satl. Nach
dei Verlündung der Verlobung machte der Kö
nig fosort dem Kaiser, als dem Oberhauple desn
Hohenzollernhauses, sowie den befreundeten
Fürstenhäusern von dem Ereignis Mitteilung.
Prinzessin Adelgunde ist die älleste Tochter
unseres Königspaares; sie ist am 17. Oltober
1870 geboren, sieht also im 44. Lebensjahre.
Der Bräutigam, Fürst Wilhelm, isl der Chef
der latlolischen (scwäbischen! Linie ces Hauses
Hol enzollern. Er ist am 7. März 1864 ge
boren, ist alj jetzt 50 Jahre alt. Der Fürst
ist seit dem März 1909 Witwer, nachdem
er in bchemh 180er Ehe mit der Prinzessin Maria
Therese ron Bourbon-Sizilien verheiratet
war. Aus dieser Ehe sind dra Kinder lervon
gegangen, der als Leutnant im 1. Garde -Regi.
ment zu Potodam stehende Erbprinz Frieduch
Viltor und sein Zwillingsbruder Prinz Franz
Joses, die am 30. Angust 1891 geboren murden,
serner die im Jahre 1890 geborene Prinzessin
Augusta Viktoria, die sich am 4. Sept.
1913 mit dem Erlönig Manuel von Portugal
vermählt hat. Die Fürstin starb am 1. Marz
1909 in Cannes. Sie war eine Tochter der in
München lebenden Gräfin Trani und eine Nichte
det Herzogin Karl Theodo
Die Braut, Prinzessin ide igunde, isl die drĩtte
Tochter des Königspaares, die sich vermähll.
Am 31. Mai 1897 vermählte sich ihre jüngere
Schwester, Prinzessin Maria, mit dem Prinzen
Ferdinand von Bourbon, Herzog von Kalabrien,
und im Jahre 1399 solgte die Vermätlung
der Prinzessin Mathidde mit dem Peinzen
Ludwig von Sachsen-Koburg, Prinzessin Ma
thilde ist indessen bereits im Jahre 1906 geslorben.
Unvermählt sind noch die Prinzessinnen
Hildegard, Wiltrud, Helmtrud und Gundelinde.
Durch die Verlobung ist ein neues Band zwischen
den Häusern Hohenzollern und Wiltelsbach
gelnüpft worden. Es sind gereiste Menschen,
die sich hier in gegenseitiger Neigung die
Hand zum Ehebunde bieten wollen. Ihr ge#
Harier Charatter läßt voraussetzen, daß sie in
harmonischem Zusammenleben (s. Glück finden
werden. Das bayerische Voll begleitet den neuen
#n mit den inigiten Glück- und Segenswünen.
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