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ethische Willensrichtung gefaßt, schuldet, wie der einzelne
dem einzelnen, so ein Volk dem andern, weil die
Völker Kollektiveinheiten von Menschen sind. Wer
dafür nicht auf das Christentum zurückgehen will, mag
die Humanität anrufen. Auch sie gipfelt in der allgemeinen
Menschenliebe. Alle Glut des uns entgegenschlagenden
Hasses und alle Sünden an uns, die die
gegnerischen Nationen wie Bergeslasten auf sich geladen
haben, vermögen nicht von der Pflicht der Liebe
zu entbinden. Vielmehr gebiert für den sittlich rein
empfindenden Menschen gerade der Haß aus sich die
mitleidige Liebe.
Liebe und Achtung machen neben der Gerechtigkeit
die soziale Grundtugend aus, und es gibt auch
einen Sozialismus des Völkervereins. Der Katholik erblickt
die Zusammengehörigkeit der zivilisierten Nationen
nicht allein in der Einheit der alle umspannenden Kirche,
nein, er erblickt sie auch in der natürlichen Grundlage,
auf der sich die übernatürliche Gesellschaft der Religion
aufbaut, in der Kulturgemeinschaft der Völker,
das Wort Kultur im weitesten Umfange, die materielle
und geistige und sittliche Kultur in sich schließend,
verstanden. Eine solche zwischenstaatliche Kulturgemeinschaft
besteht; das ist eine von niemand bezweifelte
Tatsache. Und sie ist: ein Gut, ja ein hohes
Gut der Menschheit. Daraus ergibt sich, daß die Kriegsziele
der Aufrechterhaltung, Schonung und selbst Förderung
der gemeinsamen Zivilisation Rechnung tragen
müssen, und zwar aus Gründen der Sittlichkeit, die
Edles zu zerstören verbietet. Auch die freisinnigste
Ethik erkennt das an. Der schon oft zum Zeugen ge-Schrörs.
Kriegsrziele und Moral. 4*