232 Drittes Buch. Der Staat des alten Fritz.
Folge war die zunehmende Ueberschätzung der kleinen Dinge
des Dienstes, der an Strenge nichts verlor. Schon der bay—
rische Erbfolgekrieg hatte einen Rückgang in der Leistungsfähigkeit
der Armee erkennen lassen: schmerzlich vermißte der König
bei den Generalen die Selbständigkeit des Handelns. Damit
wurde es in den letzten Jahren seiner Regierung natürlich nicht
besser. Was mußte dann vollends der Hingang des königlichen
Feldherrn bedeuten, der allein schon als Verkörperung von
Preußens größter Zeit eine Macht war, für die es keinen Ersatz
gab, am wenigsten in der Stärke des Heeres, so hoch er
sie gesteigert haben mochte. Von rund 83.000 Mann, die er
von dem Vater überkommen, hatte er sie schließlich auf etwa
200 000 gebracht. Davon waren etwas über 67000 Mann
den größten Teil des Jahres beurlaubt. Abzuziehen sind ferner
die sogenannten Freiwächter, das heißt die von den Hauptleuten
zum Betrieb eines Handwerks oder eines kleinen Handels innerhalb
der Garnison Beurlaubten, deren Zahl, freilich ohne
sicheren Anhalt, auf 45 000 veranschlagt worden ist, so daß
etwa 133.000 Mann dauernd Dienst thaten. Demnach betrug
die preußische Armee damals in Kriegsstärke 31½ Prozent der
Bevölkerung, auf dem Friedensfuße 214 Prozent, das heißt
mehr als das Doppelte der verfassungsmäßigen Friedensstärke
des deutschen Reichsheeres unserer Tage. —