530 Geschichte der Akademie unter Frirprien Wirures 111. (1797-1812).
der Regierung genoss, bedeutete eine empfindliche Controle. Doch
muss anerkannt werden, dass er taktvoll und mit wirklichem Interesse
für die Akademie sein schwieriges Amt versehen hat. Die
Aufhebung der Oekonomischen Commission, die unter HERTZBERG
und WoELLNErRr das wissenschaftliche Directorium ganz verdrängt
hatte, war nur ein Vortheil': die wissensehaftliche und die finanzielle
Administration der Akademie können nur in denselben Händen
liegen, mindestens dürfen die Directoren nicht vom Finanzausschuss
ausgeschlossen sein. Die Bestimmung, die Zahl der Akademiker
allmählich auf 28 zu redueiren, war unter den damaligen Verhältnissen
richtig, die Erhaltung bez. Rückgabe des Walılrechts sehr
dankenswerth, und der Anschluss der Königlichen Bibliothek, des
Naturalien-Kabinets und der Kunstkammer an die.Akademie brachte
ihr grosse neue Aufgaben, ohne ihr fremde Geschäfte zuzumuthen’.
Die Kabinetsordre war nur eine vorläufige Verfügung; auf Grund
von Vorlagen der Akademie sollte ein detaillirtes neues Statut gegeben
werden. Ein solches ist auch als Revision des Statuts von
1746 entworfen und dem Könige eingereicht worden’. Es erfolgte
aber keine Antwort. Auch der Marquis Luccnesinı reichte 1799
auf Verlangen des Königs einen neuen, vollständig ausgearbeiteten
Statutenentwurf ein, aber er blieb ebenfalls im Kabinet liegen‘. Das
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' An die Spitze der Akademie traten jetzt Borssreor, Achard, BERNOUVLLI.
SrrLr und Merıan (statt WOorLLNER, D’ANIERES, MFRIAN und MouLinrs).
2 Die Aufnahme Bırster's, den WorLLNER entfernt gehalten hatte, war notlıwendig:
auch konnte er sich neben TrrLer, ZoFLıXER u. s.w. wohl sehen lassen.
Die Königliche Bibliothek ist bis zum Februar 1810 mit der Akademie verbunden
weblieben, ihr Directorium besorgte alle Geschäfte eines Curators. Bereits im
Jahre 1798 trat die Akademie ihre Büchersammlung an die Königliche Bibliothek
ab; sie behielt nur die Denkschriften der gelehrten Gesellschaften, Wörterbücher,
Encyklopädieen und Zeitschriften. Dadurch kamen die im Jahre 1735 der Societät
übergebenen Bücher (s. oben S.234f.) wieder in die Königliche Bibliothek zurück;
s. Wirken, Geschichte der Königlichen Bibliothek (1828) S.ı28f. 152.
® Ein Brouillon findet sich im Akademischen Archiv, dazu ein besonderes
Statut für die philosophische Klasse und ein Aufsatz Merıan’s über die nothwendige
llerrschaft der französischen Sprache in der Akademie. Die Stücke sind aber olıne
hervorragendes Interesse. Das revidirte Statut begnügt sich damit, das Statut von
1746 nach der Kabinetsordre vom 9. April 1798 zu ändern und einige Missbräuche
abzustellen.
* Geheimes Staatsarchiv; Luccnesinı, der selbst gern Präsident geworden
wäre, verurtheilt HerrzBErG auf’s Schärfste.e Auch im Publieum beschäftigte man
sich damals mit der Akademie und mit ihrer nothwendigen Reorganisation. So
reichte der in Berlin lebende Schriftsteller F. Buc#aorz dem Kabinet einen ausführlichen
Plan zu ihrer Umgestaltung ein (19. Juli 1802. Geheimes Staatsarchiv).
In dem Begleitschreiben spricht er von der »gegenwärtigen Nullität der Akademie«;
in der historischen Einleitung. die übrigens von Kannegiessereien angefüllt ist, setzt