Das Heerwesen. 457
schlossen sich die angesehensten Reichsstände dicsem Bündnisse an,
unter ihnen auch der Erzbischof von Mainz und der Bischof von
Osnabrück, und wenn auch die Folgezeit demselben nicht die Bedeutung
gegeben hat, die es hätte gewinnen können, so war doch für den
Augenblick seine Wichtigkeit eine nicht geringe. Friedrich hatte durch
dies letzte Werk seiner politischen Thätigkeit das Uebergewicht Oesterreichs
in Deutschland gebrochen, sich selber zum Schutzherrn von
Deutschland gemacht, und so einen außerordentlichen moralischen Sieg
für Preußen gewonnen.
Während es Friedrich gelang, in verhältnißmäßig kurzer Zeit
Preußen aus dem bisherigen Zwitter-Zustande zwischen Kurfürstenthum
und Königreich zu einer europäischen Großmacht zu erheben, löste er
auf ebenso geniale Weise die schwierige Aufgabe, dem Staate die
festen Grundlagen zu sichern, vermöge deren allein er sich dauernd
auf dieser Höhe erhalten konnte. Die Einrichtungen seines Vaters
kamen ihm hierbei trefflich zu Statten; an ihnen änderte er deshalb
auch nur da, wo das unabweisliche Bedürfniß es erheischte.
Friedrich klagte oft, daß er ebenso viele Feinde wie Nachbarn
habe, und es ist oben erwähnt, wie besorgt er wiederholentlich um
sich geblickt hat, wo er festen Halt finden könne. Den sichersten freilich
fand er in seinem Geiste und in seinem Volke, das durch ihn
so merkwürdig gehoben wurde. Demnächst war es natürlich das Heerwesen,
dessen Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit dem Staate das rühmlich
erworbene Ansehen sichern mußte; ihm widmete deshalb der
König seine größte Sorge, wie er auch gleichzeitig durch Ausbau
älterer Festungen und Anlegung neuer das Land vor etwanigen Anfällen
zu schützen suchte. Hatte er schon gleich zu Anfang seiner Regierung
sein Heer vergrößert, so that er es noch mehr nach der Eroberung
von Schlesien und nach der Erwerbung von Westpreußen,
sobald ihm nur reichere Mittel zu Gebote standen. Bei seinem Tode
belief sich die preußische Armee auf fast 200,000 Mann, worunter
etwa 40,000 Mann Reiterei und gegen 12,000 Mann Artillerie;
ihre Erhaltung nahm von den 20 Millionen Thalern Einkünfte allein
12— 13 Millionen weg. Zur Aufbringung eines so starken Heeres
behielt er das von seinem Vater durchgeführte Werbe= und Cantonsystem
bei. Die eine Hälfte des Heeres nämlich bestand aus geworbenen
Ausländern, die andere aus den schon bei ihrer Geburt enrollirten
Cantonisten; doch zählte in den letzten Jahren des siebenjährigen
Krieges das Heer überwiegend Inländer, da die Anwerbung
von Ausländern zum Theil unmöglich wurde. Die von seinem Vater
1721 gebildete Recrutenkasse behielt er, jedoch mit wesentlichen Veränderungen,
unter dem Namen der Chargenkasse bei, und an
dieselbe hatten namentlich diejenigen bei Antritt ihres Amtes Zahlung