Full text : Blätter für Rechtsanwendung. Alphabetisches und systematisches Register über die Bände XLI bisXL. (51a)

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Kompanie,  gegen  den  ich  spät  am  Abend  von  seiner  Ouartierwirtin,
  einer  Witwe,  die  mit  ihrer  Tochter  zusammenlebte,  zu
Hilfe  gerufen  wurde.  Der  Mann,  eins  der  schlechtesten  Subjekte
  der  Kompanie,  war,  zum  Danke  für  allzuvielen  ihm  vorgesetzten
  guten  Wein,  übertrieben  liebenswürdig  gegen  die  Tochter
geworden,  und  war  nun  die  Mutter  in  ihrer  Angst  zu  mir
gelaufen.  Mein  Erscheinen  ernüchterte  den  Liebebedürftigen
schnell,  noch  schneller  praktizierte  ich  ihn  die  Treppe  hinunter
und  gab  ihm  für  die  Nacht  ein  für  seine  Glut  sehr  wohlthätiges,
  kühles  Ouartier  in  einem  Stalle  beim  Ouartier  des
Feldwebels.

Der  zweite  Fall  war  ernsterer  Natur.  In  einem  etwas
abliegenden  Gehöfte  lag  ein  Beritt  Ulanen,  die  sich  mit  ihrem
Wirte  bis  dahin  recht  gut  vertragen  hatten.  Da  erhielt  ich
an  einem  Nachmittage  die  Meldung,  der  Bauer  sei  auf  einen
Ulanen,  noch  dazu  einen  Avantageur,  mit  der  Heugabel  losgegangen,
  so  daß  sich  dieser,  da  er  unbewaffnet  war,  nur  mit  Mühe
hatte  retten  können.  So  lautete  die  Meldung  und  das  war,  wenn
es  sich  so  verhielt,  ein  schweres  Verbrechen,  das  sofort  geahndet
werden  mußte.  Ich  sandte  daher  sogleich  eine  Patrouille  ab,
ließ  den  Missethäter  verhaften  und  beschied  den  Ulanen  zu  mir
zur  Vernehmung.  Hierbei  stellte  es  sich  nun  heraus,  daß  der
Angriff  des  Bauern  nur  eine  Abwehr  einer  Attacke  des  allzuschneidigen
  Reiters  auf  die  Schwester  des  Wirtes,  die  um  Hilfe
gerufen  hatte,  gewesen  war  und  daher  wohl  eine  mildere  Beurteilung
  verdiente.  4

Ich  beschloß  in  Erwägung  dieses  Umstandes  die  Sache
nicht  an  die  große  Glocke  zu  hängen,  sondern  sie  selbständig
zu  schlichten.  Strafe  mußte  natürlich  sein,  schon  des  Beispiels
wegen.  Ich  ließ  den  Verbrecher  auf  die  Wache  bringen,  stellte
ihm  sehr  eindringlich  die  Schwere  seiner  Missethat  vor  und
eröffnete  ihm  für  den  nächsten  Morgen  die  angenehme  Aussicht,
  vor  ein  Kriegsgericht  gestellt  und  erschossen  zu  werden.
Mit  dieser  Todesangst  im  Herzen  ließ  ich  ihn  die  Nacht  auf
der  Wache  zubringen.  Natürlich  kamen  nun  seine  Mutter  und
Schwester,  ein  allerliebstes,  hübsches  Mädchen,  das  dem  flotten
Lanzenreiter  wohl  allerdings  sehr  in  die  Augen  gestochen  haben
mochte,  und  baten  flehentlich  um  Gnade,  indessen  ich  blieb