Kammergericht Berlin. 545
Kammergericht Berlin.
Herausgabepflicht des Grundbuchamts in Ansehung eines ihm zwecks Vornahme
einer Eintragung eingereichten Hypothekenbriefs.
Auf dem Grundstücke des S. ist eine von der früheren Eigentümerin Frau D.
beslellte Hypothek von 10 000 Mk. für R. eingetragen. Im Dezember 1 wurde
der Brief über diese Post mit anderen Hypothekenbriefen zusammen von dem Notar F.
wecks. Vornahme verschiedener Eintragungen namens aller Beteiligten dem Grundbuchamt,
Amtsgericht in B., eingereicht. Am 11. Januar 1910, als sich der Brief über
die 10 000 Mk. och bei der Gerichtskasse befand, wurde dieser und dem Grundbuchamte
von dem Eigentümer S. ein Pfändungs= und llberweisungsbeschluß zugestellt,
durch den für S. die angebliche Forderung gepfändet wurde, die Frau D. „gegen den
R. dahin, als auch gegen die Kgl. Gerichtskasse B. und das Kgl. Amtsgericht B., Grundbuch
von T. Bd. 6 Blatt 195 auf Aushändigung des Dokuments hat, daß er wegen
nicht valutierter 7867 Mk. der für ihn eingetragenen Hypothek T. Bd. 6 Blatt 195
Abteilung III Nr. 10 von 10 000 Mk. unter Vorbehalt des Rechts für die ihm verbleibenden
allein valutierten 2133 Mk. darin willige, daß diese Teilpost als Grundschuld
unter Bildung eines Teilbriefes in Grundbuch umgeschrieben werde und daß R. seinen
Hypothekenbrief zum Zwecke dieser Teilbriefbildung, Abschreibung und Umsschreibung
dem Grundbuchamt überreiche resp. zur Einreichung beim Grundbuchamt an einen Gerichtsvollzieher
herauszugeben.“
In dem Beschluß ist, „soweit gepfändet“, „dem Drittschuldner“ die Zahlung an
die Schuldnerin und dieser jede Verfügung über die Forderung, insbesondere die Einbiehung,
untersagt. Zugleich ist dem Gläubiger „die bezeichnete Forderung auf Höhe
es erwähnten Beungch zur Einziehung überwiesen“ worden.
.Das Grundbuchamt nahm demnächst den opothetenbrie den es von der Gerichtskasse
zurückerhalten hatte, in Bureauverwahrung und lehnte einen Antrag des
R. auf Herausgabe des Briefes an ihn unter Hinweis auf die Pfändung und Ueberweilung
öb. Die Beschwerde des R. blieb erfolglos, seiner weiteren Beschwerde wurde
attgegeben.
Gründe: Die Einreichung eines Hypothekenbriefs an das Grundbuchamt beründet
ein privatrechtliches, bel Verwahrung (§ 688 BGB.) Sniches Vertragsverhärems
zwischen dem Justizfiskus und demjenigen, der den Brief im eigenen Namen
oder erkennbar durch einen Vertreter (§ 164 BG.) einreicht. Kraft ieses Rech tsKä
verhältnisses ist der Fiäkus zur Aufbewahrung und zur Nicgabe an den Einreichenden
verpflichtet. Neben der privatrechtlichen Pflicht des Fielus esteht auch eine öffentlichrechtliche
Rückgabepflicht. Denn da das Grundbuchamt Eintragungen, die bei der
Hypothek erfolgen, auf dem Hypothekenbriefe zu vermerken (5 62 GBO.) und darüber
Bestimmung zu treffen hat ob eine eingereichte Urkunde gemäß §3 9 GBO. von ihm
aufzubewahren ist, so fällt auch die Entscheidung über die Rückgabe eingereichter Hypothekenbriefe
in den Bereich seiner öffentlichrechtlichen Obliegenheiten. Wird die Rück-*
des Briefes von dem Grundbuchamt verweigert, so kann die Geltendmachung
es privatrechtlichen Herausgabeanspruchs lediglich im Prozeßwege gegenüber derjenigen
Behörde erfolgen, die zur Vertretung des Justizfiskus in blaggerlichen Rechtsstreitigkeiten
berufen ist (§ 2 des Preuß. Gesetzes vom 14. März 1885, Gesetzsammll.
S. 65 und Preuß. Allgem. J.M.-Verf. vom 23. März 1885, J„MBl. S. 119). Soweit
bin egen der öffentlichrechtliche Herausgabeanspruch in Frage steht, ist die Grundbucheschsherde
nach Maßgabe der §§ 71 ¾ GBDO. gegeben. Diese Grundsätze hat der
Senat bereits in einer früheren Entscheidung (KGJ. 31 S. A 20 fk aufgestellt und
in dem Beschlusse vom 2. Mai 1910 (1 X 143, 10), welcher in dem Jahrbuch des Kammergerichts
zum Abdruck gelangen wird, wiederholt.
« Gegt man von diesen Erwägungen aus, so ergibt sich, daß für die grundbuchrechtliche
Sachbeschwerde insoweit kein Raum wäre, als mit ihr der privatrechtliche Anspruch
des eschwerdesühpers geltend gemacht wäre. Da aber anzunehmen ist, daß die Beschwerde
den öffentlichrechtlichen Herausgabeanspruch zum Gegenstande hat, ist sie als
zulässig zu erachten.
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