Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1847. (13)

dieser  Richtung  datierte  von  der  souveränen  Machtstellung,
die  der  Große  Kurfürst  von  Brandenburg  inmitten  der  norddeutschen
  Ebene  begründet  hatte,  die  es  seinem  Sohne  ermöglichte,
  sich  die  preußische  Königskrone  aufs  Haupt  zu  setzen.
Indem  die  Preußen  v.  Ketteler  und  Mallinckrodt  gegen  diese
preußisch-deutsche  Politik  Bismarcks  Front  machten,  wollten
sie  nichts  geringeres,  als  die  Geschichte  bis  hinter  die  Tage  des
Großen  Kurfürsten  zurückschrauben,  stellten  sie  tatsächlich  die
Existenz  Preußens  in  Frage.  Wenn  sie  dabei  sich  für  ein  ‚‚Deutsches‘‘
  Reich  begeisterten,  wie  es  tausend  Jahre  hindurch,  seit
den  Tagen  Karls  des  Großen  bis  1806  bestanden  hatte,  so  hüteten
sie  sich,  dieses  bei  seinem  wahren  Namen  zu  nennen.  Als  sei
das  Heilige  Römische  Reich  deutscher  Nation  ein  ‚deutsches‘
Reich  gewesen!  In  Wahrheit  war  schon  das  fränkische  Reich,
wie  eingangs  klargelegt  worden  ist,  seit  den  Tagen  Chlodwigs
von  Papstes  Gnaden,  nur  mit  Hilfe  der  römischen  Hierarchie
zusammengeschweißt  worden.  Wenn  der  Papst  Karl  den  Großen
zum  Imperator  ausgerufen  hatte,  so  nur,  um  ihn  und  seine
Nachfolger  zu  seinem  Werkzeug  zu  machen.  Otto  der  Große
holte  sich  seinerseits  die  Krone  aus  Rom.  Seither  waren  die
deutschen  Könige  allesamt  nur  die  Träger  der  römischen  Kaiserkrone
  und  als  solche  Lehensmänner  des  Papstes.  Wo  blieb  da
die  nationale  Unabhängigkeit  ?

Wenn  Bismarck  selbst  trotzdem  die  Zeit  der  fränkischen,
sächsischen  und  schwäbischen  Kaiser  als  eine  große  Zeit  für
das  deutsche  Volkstum  gelten  ließ,  so  nur  insoweit  dieses  zur
Kraft  gekommen  war  und  das  deutsche  Schwert  auch  den  Dreifachgekrönten
  im  Vatikan  unter  seine  Botmäßigkeit  gezwungen
oder  wenigstens  in  Schranken  gehalten  hatte.  Mit  dem  Untergange
  der  Hohenstaufen  war  diese  ‚große  Zeit‘‘  unwiederbringlich
  dahin.  Kaiser  Rotbart  schlummerte  im  Kyffhäuser,  des
Recken  gewärtig,  der  ihn  und  sein  Kaisertum  zu  neuem  Leben
erwecken  werde.  Rudolf  von  Habsburg,  der  Burgherr  am  Oberrhein
  ohne  eigentliche  Hausmacht,  war  ein  rechter  und  echter
Piaffenkönig  von  Papstes  Gnaden  gewesen.  Dadurch,  daß  er
die  habsburgische  Hausmacht  an  der  Donau  begründete,  indem
er  Tschechen  und  Magyaren  seinem  Zepter  unterwarf  und  die
außerdeutschen  Habsburger  bei  der  deutschen  Krone  blieben,
verlor  der  deutsche  Nationalstaat  seine  Basis.  Kein  Habsburger
ist  im  deutschen  Nationalstaat  aufgegangen.  Keiner  bis  auf