Heinrich in England. 459
erhalte, was er verloren. Der neue Herzog von Bayern, Otto von Wittelsbach,
starb nämlich jetzt, wenige Jahre nach Erlangung seiner neuen Würde'). Sofort
begann der für das Wohl seines Schwiegersohnes mitten unter eigenem
großen Kummer rühmlich besorgte Heinrich II. neue Unterhandlungen mit
dem Kaiser, um von ihm zu erlangen, daß er doch Bayern seinem früheren
Besitzer zurückgeben möge. Der Kaiser schien nicht ungeneigt, auf diese Bitten
einzugehen""). Die neuen Zerwürfnisse, die Friedrich soeben mit dem Papst
hatte, mochten es ihm rätlich erscheinen lassen, sich den englischen König zu
verbinden. Aber bald besann er sich darauf, daß der Grund seiner Macht seine
unbestrittene Herrschaft in Deutschland sei; daß gerade, wenn die Zwistigkeiten
mit dem Papste entscheidender Natur werden würden, er keinen lauen Freund,
um wieviel weniger einen mißtrauischen und rachsüchtigen Feind, wie ihm
Heinrich der Löwe von nun an sein mußte, im Rücken haben dürfe. Die
freudige Aussicht des letzteren, das Land seiner Väter wieder zu erlangen, ver- 1184
schwand bald. Als er sich während des glänzenden Reichs= und Freudentages
zu Mainz wirklich an den Staufer mit der Bitte wandte, den Wunsch des eng-Mitte Mai
lischen Königs zu erfüllen, erhielt er nur eine unverhüllte Abweisung““"). In
allen wesentlichen Dingen hatte Heinrich der Löwe von den Staufern keine
Begünstigung zu erwarten.
So blieb er mit seiner treuen Gattin und seinen Kindern noch ferner im
Exil. Als der König nach einem mehr als zweijährigen Aufenthalte in seinen
festländischen Besitzungen wieder nach England übersetzte, begleiteten ihn zunächst
Mathilde und ihre Kinder. Die wackere Frau, die sich gerade im Zustande
der höchsten Schwangerschaft befand, hatte unterwegs einen starken
Sturm zu bestehen. In England wurde sie von ihrer Mutter, der Königin
Eleanor, empfangen und nach Winchester bei Southampton geführt. Bald 25. Juli
folgte ihnen Heinrich der Löwe selber und landete zu Doverf). Das
Mitleid, das man mit dem unglücklichen Fürsten empfand, die nahen Beziehungen,
in denen er zu dem eigenen Herrscherhause stand, sicherten ihm
von seiten der Engländer freundlichen Empfang, der ihm von der kentischen
Bevölkerung in reichem Maße zuteil wurde ft). Übrigens konnte sich Heinrich
auch über die Art, wie sein Schwiegervater ihm entgegenkam, nicht im mindesten
beschweren. Eine wie große Summe der König für seinen täglichen
Unterhalt ausgesetzt, ist schon erwähnt; reiche Gastmähler wurden ihm ver-½%
Chron. S. Petri Erford. Mod., p. 191. — Annales Mellicenses M. G. Ss. IX,
P. 505 (um ein Jahr überhaupt im voraus). — Continuatio Zwetlensis II. ibid.,
PF. 542. — Cont. Cremifanensis ibid., p. 546.
Bened. Petrob., p. 458: Eo anno (MCLXXXIII) obüt dux Saxoniae lmuß
heißen Bavariael, cui imperator ducatum illum, expulso duce nepote suo, con-Cesserat:
dquo defuncto, ad instantiam precum domni regis Angliae, promisit se
redditurum praedicto nepoti suo ducatum suum cum universis, quae eum con-4ingebant.
RKrit. Erört. zum fünften Buche, La.
1) Bened. Petr., p. 459. — Vgl. Annales Waverleienses, M. G. Ss. XXVIII, p. 468.
+. Gervasius Cantuarensis, M. G. Ss. XXVII, 303.