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„Leben“, „Du“, „Wir drei“, „Er“, „Ich“, das
simnd die Abschnitte, welche nicht annähernd die poetischen
Gaben zu umfassen vermögen und als goldene
Früchte in silbernen Schalen dargeboten werden.
In dem Teile „Leben“ ist es dem Dichter gelungen,
die Keime christlicher Humanität zu wecken,
indem er auf die Lebenskämpfe hinweist, denen wir
alle ausgesetzt sind, um sie zu einem persönlichen
Erlebnis werden zu lassen, das nicht wirkungslos
verhallt.
Aus dem 2. Abschnitt wäre ein Gedicht hervorzuheben,
das schon wegen seiner geschlossenen
Knappheit der poetischen Handlung ergreift, das
aber besonders trotz des wehmütigen Ernstes doch
ein Friedensglück schildert, das kaum poetischer verklärt
werden könnte. Es ist betitelt:
„Noch einmal“
Sieh mich noch einmal lächelnd anl
Mein Abend will sich neigen.
Der eine Blick soll leuchtend dann
ins Dunkel den Weg mir zeigen.
Gib mir noch einmal fest die Handl
Ich will sie immer spüren —
Sie soll mich in ein stilles Land
sicher hinüberführen.
Reich mir noch einmal deinen Mund
zu seligem Verklären!
Sieh! Unser lebenskurzer Bund
muß Ewigkeiten währen.
Ohne Phantasie keine Dichtung!
welchem die Gabe verliehen ist, die Vorstellungsund
Gemütswerte gegenständlich so umguformen,
daß sie Anziehungskraft gewinnen. Wir ziehen zum
Beleg heran das Gedicht:
„Luftschösser“
In hohen Lüften baut mein Sinn
aus Wolken sich Paläste,
und meine Wünsche sind darin
die Gäste.
Und Mundschenk Sonne und Truchseß Mond,
die Kämmerer all, die Sterne
üben den Dienst, den Liebe lohnt,
so gerne.
Und jedem Gast, der droben wohnt,
wird Hunger und Durst gestillt;
geben doch Sterne und Mond
dein Bild.
Geradezu gewaltig und tiefgründig behandelt
Richter hier den Stoff und die Ideen, welche an
Jugendglück und Kinderzeit gebunden sind. Auf der
Höhe des Lebens stehend, wirft er den Blick so oft
voraus in die Zulunft wie auch zurück auf die ersten
unvergeßlichen Lebensjahre und heiligt die
Erinnerungen und Vorsätze, die ihm für sein Schafsen.
Richtungspunkte gaben und geben
Ohne innere Bewegung wird niemand das Gedicht
in sich verklingen lassen, das derartige Gedau-Wohl
dem,
Unser Dommerland
ken behandelt. Es ist tief, gehaltvoll und verdient
als ein klassisches Kunstwerk bezeichnet zu werden,
welches in der modernen Literatur kaum seines
gleichen findet. Es ist:
„Kinderland.“
Jch führte dich, mein Sohn, zu meinem Kinderland
— —
Wir schritten schnell durchs Tor — und gingen
Hand in Hand
auf Wegen zwischen Hecken, über Wiesenfluren —:
Allüberall von Kinderfüßen lebten Spuren.
Von Füßen, deinen gleich — Du schautest lächelnd
auf
und setztest deine Schuh' in meiner Kindheit Lauf.
Daneben grub ich meiner Mannheit neue Schritte —
So kamen schweigend wir zu unsers Gartens Mitte:
Ein Tempelhäuschen! Tief an seiner Pforte stand
ein Satz, verblaßt, doch lesbar noch, von Kinderhand
—
Ich las ihn deinem Lauscherohr: „Ach, wär'’ ich
Mann!“
Dann fügt' ich heimlich — über ihm — die
Worte an:
„O wär' ich Kind!“ Dann gingen sinnend wir hin—
ort. — —
Vielleicht — dereinst! — suchst wieder du den
Märchenort.
Dann schreitest aufrecht du in meiner Mannheit Spur,
und neben dir — da lacht und springt es durch die
Flur
und strebt voll Spiels in meiner Kindertritte Zeichen
—
— Die Spuren wohl sind
die gleichen —
die Wandrer!? — Dort ist schon
Tempelhaus!
Es blickt so wunderruhevoll — wie damals — aus.
Doch wo der Spruch „Ach, wär' ich Mann!“? —
Er wurde blind,
leuchtet nur: „O wär'
ich Kind!“
Fassen wir unser Urteil auf Grund der Sammlungen
„Meine Wege“ und „Stille Wasser“ zusammen,
so gipfelt es darin: Richter ist eine hervorragende
Persönlichkeit, die dem Pommerlande zur
Ehre gereicht. Es steht zu erwarten, daß dieses
Dichtertalent weithin bekannt wird, denn seine Lyrit
umschließt ein ganzes Menschenleben. Bedeuten daher
seine Werke nicht jedem etwas?
Triebe und Wünsche, Freude und Leid, Kämpfe
und Siege aus dem eigenen Leben, Kinderzeit,
Jünglingsjahre und Mannesalter, das alles umrahmt
der Reichtum seiner Gedanken, mit denen er
uns wahre Freude und sittlichen Gewinn bereitet
hat. Ja, Richters Dichtungen zu lesen bedemel
Feierstunden für unsere Seelel
Du lächelst weh — noch
Doch ach, das
er schaut nicht mehr. Hell