194 Buch III. Kap. 5.
Vergnügungen lustig in den Tag hineinlebten, je mehr
es mit den Verhältnissen der Einzelnen wie der Stadtgemeinden
rückwärts ging. Dasselbe sagen andere Augenzeugen
von Frankfurt und Hamburg aus und ein Zeitgenosse
klagte mit Recht, daß die leidige modische Sucht,
mehr zu scheinen, als man sei, die Hauptschuld dieser
ökonomischen und sittlichen Verkommenheit getragen
habe 148). Andere sittenverwildernde Einflüsse lagen in
dem Anblick einer brutalen Strafjustiz, deren Akte nicht
selten recht eigentlich berechnet schienen, alles menschliche
Gefühl aus den Gemüthern wegzutilgen; sowie auch in den
Berührungen mit der Soldatenwelt, deren unglückliche
Angehörige, wenigstens die Gemeinen, systematisch in
der Verthierung erhalten wurden, welche damals allerwärts
das Soldatenhandwerk kennzeichnete, und zwar
häufig bis zu den höchsten Sprossen der Gradeleiter
hinauf, von wo herab die „Kerle“", d. i. die gemeinen
Soldaten, wie Viehstücke behandelt wurden 149).
148) Pöllnitz, Memoiren, 1, 227. Keyßler, Reisen, 1, 70.
Maria Belli, Leben in Frankfurt a. M. I, 22. Beneke, Hamburg.
Geschichten und Sagen. S. 354. Vgl. auch bei Biedermann a. a. O.
II, 525 die aus einer Zeitschrift von damals gezogene Jahresrechnung
eines hamburger Kaufmanns, welcher jährlich 25,759 Mark
auf seinen Haushalt und seine Vergnügungen verwandte und sich
dadurch ruinirte. Der Posten „galante Depensen“ des Hausherrn
betrug 1120 M., das „Spiel-Geld“ der Hausfrau 350 M.
149) Auch in dienstlichen Erlassen. So verbot das bekannte
„Reglement für die preußische Infanterie“ v. J. 1750 das „übermäßige
Vollsaufen, absonderlich in Branntwein, damit nicht ein
Kerl vor der Zeit ungesund werde oder gar krepire.“