fältig sein würde, unsere Verbündeten durch Angriff auf sie zu
absolut sicheren Kriegsgenossen für uns zu machen, wollte Holstein
nicht gelten lassen. Selbst die Möglichkeit des gesetzten Falles
zugegeben, wäre doch immer noch der Vorteil für uns geblieben,
daß England dann nicht wohl auf der Gegenseite sein konnte.
Näheres über die Auffassung Holsteins ist aus Bruchstücken
von Briefen zu ersehen, die am 13. Mai 1912 von dem Wiener
Vertreter des Londoner „Daily Telegraph“ veröffentlicht wurden.
Die Briefe stammen aus den ersten Monaten des Jahres 1901
und waren vermutlich an den Baron Eckardtstein in London gerichtet.
Die Bruchstücke lauten in Rückübersetzung aus dem Englischen:
„Ist der britische Minister des Äußeren oder der Kolonialminister
bekannt mit Bismarcks Privatbrief an Lord Salisbury
vom 22. November 18872 Lord Salisbury fragte den Grafen
Hatzfeldt, ob Prinz Wilhelm (der plötzlich in den Vordergrund kam
infolge der unglücklichen Thronfrage) russische Neigungen habe.
Darauf schrieb Bismarck — obgleich er keine Verpflichtung zur
Antwort hatte — einen persönlichen Brief an Lord Salisbury,
worin er erklärte, daß ein deutscher Kaiser als solcher weder eine
englische, noch eine russische, sondern nur eine deutsche Politik
treiben könne, und daß persönliche Neigungen durchaus abseits
lägen. Nun seien Deutschlands natürliche Verbündete OÖsterreich
und England, aber Deutschland würde gezwungen sein, sich Rußland
zu nähern, wenn es nicht auf die Unterstützung beider
Mächte rechnen könne.
Fürst Bismarcks ungewöhnlicher Schritt auf der Höhe seiner
Macht — ich erinnere mich nicht, daß er je, so wie hier, unvermittelt
an einen fremden Premierminister geschrieben hat — zeigt
die Wichtigkeit, die er Lord Salisburys Antwort beilegte.“
„Der jetzige Augenblick ist von entscheidender Wichtigkeit, weil
sowohl England als auch Deutschland gewisse Neigung zu günstigerer
Stimmung zeigen. Allerdings ist eine Verständigung zwischen
den beiden Ländern, so wie ich sie für erwünscht halte, wegen
gegenseitigen Mißtrauens erschwert.“
„Um den Gang der Politik zu erleichtern, unter Berücksichtigung
des jetzigen Standes der Stimmung, wäre der einzuschlagende
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