Rückblick. 433
bei mit die Vorteile in Rechnung ziehe, die wir etwa in Aussicht nehmen
könnten“.
Tatsache ist also, daß Frankreich bis zum August 1868 sich niemals in klarer
Weise darüber ausgesprochen hat, welche Forderungen es im Falle einer über
Schleswig-Holskein hinausgehenden Verschiebung der Machtverhältnisse zu
stellen beabsichtige; Tatsache ist aber auch, daß der Kaiser die eingehende Erörterung
solcher Möglichkeiten und die schriftliche Festlegung der gegenseitig
zu übernehmenden Verpflichtungen mehrmals in Anregung gebracht hat,
solange Preußen mit Öskerreich verbündet war und es diese Verbindung zu
lockern galt. Als sie sich im Sommer 1865 von selbst gelöst zu haben schien,
und nun Goltz — freilich seine Vollmacht überschreitend — einen Neutralikätsvertrag
anregte, wich er aus; denn jetzt schien es nicht mehr nötig und nicht
mehr klug, sich zu binden, bevor man nicht sehe, welchen Gang die Dinge nehmen
würden. Tatsache ist ferner, daß Bismarck volle Jurückhaltung bewahrte
und auf keine Anträge Frankreichs einging, solange er mit Hsterreich
zusammen gegen Dänemark kämpfte, und solange noch eine Aussicht auf
weitere Erhaltung dieses Bündnisses bestand. Sobald das Einvernehmen sich
lockerte, änderte er sein Verhalten gegenüber Frankreich. 2war wollte er auch
jetzt auf keine festen Abmachungen eingehen, solange nicht der Krieg ganz unvermeidlich
geworden sei, ließ aber hoffen, daß Napoleon aus seiner Begünstigung
der preußischen Absichten die ersehnten Vorteile werde ziehen können. Ob
seine Außerungen im Mai r868 noch einen weiteren Zweck verfolgten, werden
wir erst nach einer Betrachtung der Vorgänge, die im Herbst dieses Jahres
stattfanden, beurteilen können.
1 Drouyn an Lefebore, 15. Aug. Nr. 1493. Er vermutete damals schon auf Grund der Berichte
von Gramont, daß es nicht zum Kriege, sondern zu einem Abkommen über das Kondominium
kommen werde.
Brandenburg, Antersuchungen. 28