Inhaltsverzeichnis : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

Bündnisvertrags  usw.)  ins  Gedächtnis  zurückruft,  wirklich  die
Meinung  hegen,  daß  der  Rückversicherungsvertrag  einen  günstigen
Einfluß  auf  die  gegenseitigen  Beziehungen  der  beiden  Großmächte
geübt  habe?  Es  läßt  sich  nur  erwidern,  daß  ohne  ihn  die  Lage
vielleicht  noch  gespannter  gewesen  wäre.“

In  meinen  Erinnerungen  hatte  ich  gesagt,  daß  sich  nur  ein
Staatsmann  von  der  Meisterschaft  und  den  unvergleichlich  reichen
Wirkungsmöglichkeiten  eines  Bismarck  zutrauen  durfte,  das  Spiel
mit  den  fünf  Kugeln  (Dreibund  und  Rückversicherungen  mit  Rußland
  und  Rumänien)  auszuführen,  ohne  daß  die  eine  mit  der
andern  karambolierte  und  zu  Boden  fiel.  Infolgedessen  sei  der
Verzicht  auf  das  russische  Geheimabkommen  eine  Notwendigkeit
gewesen,  wenn  Bismarck  ging.  Einige  Kritiker  wollten  darin  ein
höchst  blamables  Zeugnis  für  die  Unfähigkeit  der  deutschen  Diploniaten
  der  nachbismarckschen  Zeit  erblicken.  Eine  sonderbare  Auslegung
  Als  ob  Bismarck  nur  ein  Diplomat  von  gutem  Durchschnitt,
  nicht  aber  der  alles  überragende  Staatsmann  Europas  im
vorigen  Jahrhundert  gewesen  wäre!  Dagegen  heißt  es  in  dem
Raschdauschen  Aufsatz:  „Nicht  sowohl  von  der  Existenz  unseres
Vertrages  als  vielmehr  von  der  Staatskunst  des  Fürsten  Bismarck
hing  es  ab,  daß  die  fortdauernd  kühlen  Beziehungen  sich  nicht  weiter
verschlechterten.  Als  dann  mit  seinem  Ausscheiden  das  ungeheuere
Gewicht  seines  Namens  entfiel,  das  keinem  seiner  Nachfolger,  wer
es  auch  sei,  beiwohnen  konnte,  mußte  die  Frage  in  den  Vordergrund
  treten,  ob  dem  Vertrag  die  ursprünglich  zugedachte  Bedeutung
  noch  beizumessen  sei  und  ob  bei  einer  längeren  Fortdauer
nicht  unser  Verhältnis,  in  erster  Linie  zu  Osterreich-Ungarn,  dann
aber  auch  zu  anderen  Staaten,  denen  gegenüber  wir  in  unseren
Bewegungen  durch  das  Abkommen  eingeschränkt  waren,  darunter
leiden  müsse.“

Wie  oft  hat  Fürst  Bismarck  während  seiner  Auitszeit  über
die  brutale  panrussische  Erobererpolitik  gestbhnt  und  sich  dagegen
aufgebäumt,  der  „Vasall“  oder,  wie  sich  der  Abg.  Jörg  einmal  ausdrückte,
  der  „Kettenhund  des  Panslawismus“  zu  sein!  Noch  im
Jahre  1897  aber  hegte  er  Zweifel  an  einem  verbrieften  Bunde
zwischen  Rußland  und  Frankreich.  Nachdem  endlich  bei  dem  Besuche
  des  Präsidenten  Faure  in  Petersburg  vom  Zaren  Niko-34