Faller: Stellungskrieg und Nahkampfmittel
der Reibedraht Ferausgerisen und die Zündung dadurch
betätigt. Bei anderen Konstruktionen wird der
Reiber unmittelbar vom Schützen selbst mit dem durch
die Reiberschlaufe gesteckten Finger durch einen kräftigen
Ruck entfernt. — Von den Stielgranaten ist die
englische Marten-Hale-Granate mit usschlagzinder
(Fig. 2—4) bemerkenswert: ein Messingzylinder von
4,5 cm Durchmesser enthätt 140 g Sprengstoff bei
einem Gesamtgewicht von 600 g; ein 45 cm langer,
in einem Holzpfropfen befestigter Strick dient zum
Werfen und dann als Steuerschwanz, damit die Gra-277
richtungen vom Schützen mit sich getragen werden
(Fig. 5). Die in Gestelle eingeschraubten Gewehrgranaten
werden vielfach gleichsam als kleine Batterien
in den Schützengräben zusammengestellt und
auf ein gemeinsames bestimmtes Ziel gerichtet, z. B.
auf die feindlichen Sappen, um dort Truppenansammlungen,
Arbeitertrupps, Sturmabteilungen, bereitgelegtes
Sturmgerät u. a. m.
zu beschießen. Es ist indessen
noch zu bemerken, daß bei
rEFarungsscab
nate lotrecht auf die auf das vordere Ende des Zylinders
aufgeschobene und eine Zündschraube mit Zünd- ###
ladung und Zündhütchen enthaltende Zündhaube ab- ·
fällt; letztere schiebt sich durch den Aufschlag über eine
Feder, die die Haube im Ruhestand so festhält, daß zwischen
Zündschraube und Zündhütchen ein Zwischenraum
besteht, weiter in den W54 so daß die
Zündnadel auf das Zündhütchen stößt. Dieses bringt
durch seine Detonation die Zündladung und diese die
Sprengladung zur Explosion; der eiserne Kranz (Fig.
3) ist mit Einkerbungen versehen, so daß er bei der
Sprengung in 24 Stücke auseinandergerissen wird.
Die Wurfweite der Handgranaten beträgt 25—
40 m, je nach der Wucht, die der Werfende dem
Wurf verleiht. Die Zändvorrichtungen müssen natürlich
bis zum Gebrauch so gesichert sein, daß eine
Uunbeabsichtigte Explosion nicht stattfinden kann; erst
unmittelbar vor dem Wurf darf die Entsicherung
bzw. das Einsetzen der Zündvorrichtung erfolgen. Fig. 3. Die Marten-- Fig. 4. Gewehrgranate von
Der Gebrauch der Handgranaten ist für den Wer- Hale-Granate. Marten Hale.
fenden und seine Nachbarn durchaus nicht ungefährlich,
da die Wirkung der modernen Sprengstoffe sumpfigem, nassem oder überhaupt weichem Boden
eine ungemein starke ist, auch in moralischer Be- häufig Blindgänger vorkommen, d. h. der Auffallziehung
durch das Getöse der Detonation. Es ist zünder versagt. Sonst ist aber die Wirkung derjenidaher
die größte Vorsicht dahin zu beobachten, daß gen Gewehrgranaten, die eigens hierfür konstruiert
die Reibevorrichtungen nicht zu früh abgerissen, die und daher schwerer und mit wesentlich größerer La-Granaten
nicht zu lange in der Hand behalten, nicht dung versehen sind als
fallen gelassen oder zu kurz (d. h. zu schwach) gewor= die ondgranalen. befen
werden, da sonst in die eigenen Reihen Tod und sonders heftig und ge-Verderben
geschleudert wird. fährlich.
Um nun auch auf gröftere Entfernungen wirken zu Die zweite Hauptkönnen,
werden einzelne Arten von Handgranaten zu gruppe der Nahkampf=Gewehrgranaten
(Fig. 4) umgewandelt, indem 7 mittel bilden die Mimit
einem Stahl= oder Messingstab versehen werden, nenwerfer (Schützender
durch die Mündung in einen Gewehrlauf gesteckt grabengeschütze, Bomwird,
so daß die Granate oben auf demselben sitzt; benmöchfer). Während
mittels einer kugellosen, besonderen Patrone wird sie die Hand- und Gewehrdann
abgeschossen, und zwar indem der Schütze das granaten in der Haupt-Gewehr
einsetzt wie gewöhnlich, oder indem es in aache nur gegen lebende
eine besondere Vorrichtung (Schießgestell) eingespannt hile wirkungsfähig
wird. Mit diesen Gewehrgranaten vermag man, ins= find, sollen diese größebesondere
auf die letztere Art, wesentlich weiter und ren Wurfgeschofse gegen
sicherer zu schießen, je nach Patronenladung und die Gräben selbst, ferner
Höhenrichtung. An dem hinteren Teil des Füh- gegen Wälle, Drahtverrungsstabes
ist eine Sicherung angebracht, die sich Schteu dal. wirken. Ihre
beim Abschuß in die Züge des Laufes preßt, so daß Konstruktion ist natürdas
Geschoß Drall und somit eine sicherere Flugbahn lich auch wieder verschiebzw.
größere Trefssicherheit erhält. Auch die Hand- dener Art (Fig. 6 u. 7).
granate von Marten Hale findet als Gewehrgranate In der Hauptsache be-Verwendung
(Fig. 3). Beim Fall ist die Lage der stehen sie aus dem Schießgestell mit Bettung, dem
Granate senkrecht, da diese schwerer ist als der Füh-- Rohr, der Treibladung und dem Geschoß mit der
rungsstockj sie fällt daher mit der Spitze auf, wodurch Zündung, die sowohl Feit= wie Aufschlagzündung
der Auffallzünder betätigt wird, indem eine Nadel oder sein kann. Das eiserne Rohr ist etwa 1 m und darein
Bolzen in eine Sprengkapsel oder in ein Zünd- über lang, dünnwandig und gezogen oder glatt. Die
hütchen dringt und dieses dadurch detoniert. — Hand= gezogenen Minenwerfer erfordern eine besonders vorwie
Gewehrgranaten können durch Anbringung von schnee und sachkundige Handhabung, weshalb sie
Haken usw. am Säbelkoppel oder mittels anderer Vor- meist nur von Pionieren bedient werden, die zu eigens
—4 Xu#r Für die Laufl.
Muündung
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Ziludiehroubere
mit Gewehrgranaten ausgerüstet.