Metadata : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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Glaubhaftigkeit  beim  deutschen  Volke  erfreuen,  als  Herr  Liebknecht,
als  Gewährsmänner  für  die  von  Herrn  Liebknecht  selbst  erfundene
Legende  anführte.  So  geschah  es  ihm  1876  seitens  des  Leipziger
Gerichtsamtes  und  Bezirksgerichtes,  als  er  den  Verfasser  dieser
Zeilen  in  verschiedenen  Blättern  und  in  einer  öffentlichen  Rede  in
Stollberg  (Sachsen)  dadurch  verleumdete,  daß  er  behauptete,  „ich
hätte  in  den  damals  von  mir  redigirten  „Grenzboten“  geschrieben:
„Fürst  Bismarck  habe  die  Emser  Depesche  gefälscht.“  Herr  Liebknecht
  wurde  damals  in  zwei  Instanzen  zu  300  Mk.  Geldstrafe
und  zur  Veröffentlichung  des  Strafurtheils  in  zwei  Zeitungen
rechtskräftig  verurtheilt  und  durch  die  Urtheile  beider  Instanzen
festgestellt,  daß  ich  eine  Aeußerung  der  Art,  daß  Fürst  Bismarck
die  Emser  Depesche  „gefälscht"  habe,  in  dem  von  Herrn  Liebknecht
bätgelachten  Artikel  der  „Grenzboten“  (von  1871)  nicht  gethan
ätte.)

Trotz  dieser  von  der  Berufungsinstanz,  welche  von  Herrn
Liebknecht  allein  angegangen  wurde,  als  sehr  milde  bezeichneten
Bestrafung  für  eine  .  schwere  Verleumdung,  besitzt  nun  Herr
Liebknecht  die  eigenartige  Standhaftigkeit,  im  heutigen  amtlichen
„Centralorgan  der  sozialdemokratischen  Partei  Dentschlands“",  dem
„Vorwärts“  vom  5.  Mai  d.  J.,  diese  Verläumdung  ungehenerlich
noch  dahin  zu  verstärken:

Und  nach  dem  Krieg  ..  schrieb  der  bekannte  Hans  Blum,  Fürst
Bismarck  habe  ihm  anvertraut,  daß  er  selbst  Fürst  Bismarck)  die  Emser
Depesche  gefälscht  habe,  um  die  Franzosen  zur  Kriegserklärung  zu  zwingen.
Der  Redaktcur  des  „Volksstaat“,  Liebknecht,  veröffentlichte  dies.  Wegen
dieses  Artikels  wurde  er  von  Hans  Blum  —  nicht  von  dem  Fürsten
Bismarck  —  verklagt  und  Liebknecht  zu  einer  Geldstrafe  von  360  Mark  (in
Wahrheit  nur  300  Mark  und  zu  67  Mark  Kosten)  verurtheilt.

Welche  Folgen  diese  ungeheuerliche  Verleumdung  für  Herrn
Liebknecht  haben  wird,  kann  hier  ganz  unerörtert  bleiben.  Aber
der  Vorgang  zeigt,  wie  die  vis  calumniatoria  —  der  Hang  zur
Lüge  —  in  dem  Herrn  im  Laufe  der  Jahre  gewachsen  ist.  Im
Jahre  1876  ließ  er  drucken,  ich  hätte  in  einem  Grenzbotenartikel,
der  übrigens  gar  nicht  von  mir  herrührte,  sondern,  wie  das  Urtheil
rechtskräftig  feststellte,  von  unserem  Berliner  Korrespondenten,  behauptet,
  Bismarck  habe  die  Emser  Depesche  gefälscht.  Damals
wurde  Herr  Liebknecht  bestraft,  weil  diese  von  ihm  gegen  mich  erhobene
  Anschuldigung  als  unwahr  erwiesen  wurde.  Heute  wagt  er
zu  behaupten,  in  demselbem  Artikel  der  „Grenzboten“  (welcher  gar
nicht  von  mir  herrührt,  wie  Herr  Liebknecht  aus  jenen  Akten  nun

*)  Akten  des  vormaligen  königlichen  Gerichtsamts  im  Bezirksgericht
Leipzig.  II.  C.  7678/76.