Full text : Bismarck und das päpstliche Rom.

Neubesetzung  der  Erzbischof  -
stühle  zu  Köln  und  Posen

Daß  Bismarck  ohne  namhafte  Gegenkonzessionen  nicht
weiter  entgegenkommen  werde,  davon  hatte  man  sichfim  Vatikan
nachgerade  überzeugen  müssen.  Auf  nichts  hielt  man  daselbst
mehr  als  darauf,  keinen  Bischof  durch’die  Staatsgewalt  entsetzen
zu  lassen.  Die  vom  staatlichen:  Gerichtshof  verurteilten  und  aus
ihren  Diözesen  entfernten  Bischöfe  hatten  zwar,  um  dem  Gefängnis
  zu  entgehen,  sich  jenseit  der  Reichsgrenzen  in  Sicherheit
  gebracht.  Sie  wurden  aber  deswegen  vom  päpstlichen  Stuhle
nach  wie  vor  als  die  rechtmäßigen  Inhaber  ihrer  Bischofstühle
angesehen  und  gebärdeten  sich  auch  als  solche.  Schon  daß  diejenigen,
  die  zurückkehren  durften,  dies  nur  im  Gefolge  eines
königlichen  Gnadenaktes  durften,  ward  als  eine  Vergewaltigung
empfunden.  Daß  sowohl  Melchers  von  Köln,  als  Ledochowski
von  Posen  unter  keinen  Umständen  wieder  zugelassen  werden
sollten,  galt  als  eine  unannehmbare  Bedingung.  Bismarck  blieb
indes  unerbittlich.  Und  so  bequemte  sich  der  Vatikan  schließlich
doch  dazu,  —  Melchers  und  Ledochowski  fallen  zu  lassen.

Nachdem  Bismarck  diese  Genugtuung  erlangt  hatte,  einigte
man  sich  alsbald  über  die  Neubesetzung  der  beiden  erzbischöflichen
  Stühle.  Am  30.  Juli  1885  wurde  Krementz,  der  bisherige
Bischof  von  Ermland,  zum  Erzbischof  von  Köln,  am  20.  Juli  1886
Propst  Dinder  von  Königsberg  zum  Erzbischof  von  Posen  ernannt.
  Daß  in  letzterem  Fall  nicht  nur  von  Ledochowski,  sondern
überhaupt  von  einem  Polen  abgesehen  wurde,  wog  besonders
schwer,  da  die  römische  Kurie  damit  die  Polen  vor  den  Kopf
stieß.  ‚Die  Kirche,‘  bemerkt  hierzu  im  Hinblick  auf  die  Konzession
  Roms  Maj  unke,  ‚muß  solchen  Vorurteilen  zuweilen  Rechnung
  tragen,  um  größere  Übel  zu  verhüten;  sie  hört  deshalb  nicht
auf,  allen  Völkern  und  allen  Zeiten  anzugehören.‘“  Im  römischen
Lager  tröstete  man  sich  damit,  daß  wenn  Dinder  auch  nicht  von