Full text : Eperimentelle und kritische Beiträge zur Neubearbeitung der Vereinbarungen. I. Band. (1)

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Bei  niederen  Temperaturen  ist  die  Hydroperoxydempfindlichkeit  der  Peroxydase
so  gering,  daß  die  Milch  große  Mengen  von  Hydroperoxyd  zu  zersetzen  vermag,  ohne
daß  die  Peroxydase  zerstört  wird.

Diese  Tatsachen  sind  geeignet,  die  Auffassung  zu  bekräftigeu,  daß  die  Peroxydasefunktion
  der  Milch  einem  besonderen  Träger  mit  ganz  spezifischen  Eigenschaften
  zukommt,  und  daß  die  für  das  Verhalten  des  Hydroperoxyds  bei  den  Peroxydasereaktionen
  erforderliche  Annahme  einer  Nebenreaktion  vollste  Berechtigung  hat.

ll.  Methodisches.

Die  für  die  Versuche  erforderliche  Milch  war  eine  Abend-Mischmilch  und  wurde
allmorgendlich  von  derselben  Bezugsquelle  beschafft  und  stets  vor  ihrer  Verwendung
auf  ihre  äußere  Beschaffenheit  geprüft.  Nie  kam,  wenn  nicht  ausdrücklich  angegeben,
Milch  zur  Verwendung,  die  länger  als  etwa  4  Stunden  nach  dem  Ankauf  im  Eisschrank
  gestanden  hatte.  War  es  nötig,  zu  einer  Versuchsreihe  Milch  längere  Zeit
im  Zimmer  aufzubewahren,  so  geschah  es  in  einem  in  Eis  verpackten,  verschlossenen,
ausgedämpften  Glasgefäß.  Überhaupt  wurden  sämtliche  Gefäße,  die  zu  Versuchen  von
einiger  Dauer  Verwendung  fanden,  kurz  vor  dem  Gebrauch  einer  längeren  Behandlung
mit  dem  Dampf  kochenden  Wassers  unterzogen.  Es  versteht  sich  von  selbst,  daß  zu
einer  Versuchsreihe  die  gut  durchmischte  Milch  derselben  Ankaufsprobe  benutzt
wurde.  Eine  erforderliche  Erwärmung  der  Milch  geschah  je  nach  der  Menge  in  dünnwandigen
  Reagenzgläsern  oder  Erlenmeyerkölbchen  in  Wasserthermostaten.  Als  solche
dienten  große  Wasserbäder,  die  durch  eine  kleine  vor  Windzug  geschützte  Flamme
bis  zu  Temperaturen  von  70°  bequem  auf  einer  etwa  innerhalb  eines  Grades  konstanten
  Temperatur  während  der  Versuchsdauer  gehalten  werden  konnten.  Überstieg
die  Versuchsdauer  6  Stunden,  so  wurde  die  Erwärmung  der  Milch,  wie  z.  B.  bei  den
Versuchen  betr.  die  Hydroperoxyd-Zersetzung  bei  erhöhter  Temperatur  in  mit  Thermoregulator
  beschickten  Thermostaten  vorgenommen.  Die  Temperaturmessung  erfolgte  durch
ein  in  der  Milch  befindliches  Thermometer,  das  Anwärmen  im  siedenden  Wasserbad
unter  kräftigem  Rühren,  bis  die  Milch  gerade  die  gewünschte  Temperatur  angenommen
hatte,  und  schnelles  Überführen  in  den  Thermostaten,  die  Abkühlung  endlich  durch
Einführung  des  Kölbehens  in  Eiswasser  und  kräftiges  Rühren.  Die  Erhitzungsdauer
wurde  gerechnet  von  dem  Zeitpunkt,  in  dem  gerade  die  gewünschte  Temperatur
erreicht  war,  bis  zu  dem,  in  welchem  die  Milch  in  das  Eiswasser  überführt  wurde.
Sollten  aus  einer  auf  konstante  Temperatur  erhitzten  Milchprobe  von  Zeit  zu  Zeit
Proben  entnommen  werden,  so  geschah  dies  mit  einer  sorgfältig  gereinigten  und  mit
Wasserdampf  behandelten  Pipette  und  Einfließenlassen  des  Inhalts  in  ein  mit  Eiswasser
  vorgekühltes  Reagenzrohr.

Die  Prüfung  mit  den  Reagenzien  erfolgte  immer  bei  20°  (mit  den  Schardingerschen
  Reagenzien  bei  45%).  War  die  Milch  kälter,  so  wurde  sie  rasch  bis  zu  dieser
Temperatur  angewärmt,  aber  immer  nur  in  solcher  Menge,  als  zu  der  sofort  anzustellenden
  Prüfung  erforderlich  war.  Zu  jedem  Versuch  wurde  5  oder  10  ccm
Milch  bezw.  Fermentlösung  angewandt.  Der  Zusatz  der  Reagenzien  erfolgte  aus  Tropf-