— 233 —
wie sich der 2c. K. vom 12ten Regiment befindet, um Seiner
Exzellenz, dem Ober-Hofmarschall Sr. Majestät des Königs,
Grafen Pückler, telegraphisch Auskunft geben zu können.
gez. Friedrich Karl.
Korpsbefehl zur Berichterstattung an die S„te Division
und weiter an das 12te Regiment u. s. w.“
Natürlich war die wichtige Berichterstattung eben so eilig
ihren Weg zurückgegangen, und der Graf hatte dann sofort an
meinen Bruder die beruhigende Nachricht weiter telegraphiert.
Es war mir ein sehr süßes Gefühl, nun die Angst der
meinigen beseitigt zu wissen, wie ich aber nachher erfuhr, waren
schon vor Eintreffen der Depesche alle meine Briefe, ein ganzes
Paket auf einmal, an ihren Bestimmungsorten angelangt.
Fast täglich trafen nun Tagesbesehle vom Oberkommando
ein, welche die Erfolge auf den anderen Teilen des Kriegs—
schauplatzes verkündeten. So brachte einer dieser Befehle uns
zugleich die Nachricht von dem Siege bei St. Ouentin und
dem Zurückschlagen eines Ausfalls aus Paris, den größten
Jubel aber erregte der Armeebefehl Sr. Majestät vom 18. Januar
1871, der die Annahme der Kaiserkrone aussprach. Helle
Begeisterung lohte auf in jedem Grenadier bei dem Gedanken,
daß es auch ihm vergönnt gewesen, mitzuschaffen an diesem
größten Werke nationaler Einigung, dem Sehnen jedes Deutschen
seit den Zeiten der Ohnmacht, bei dem Gedanken an unsern
hehren Kaiser, wie er in dem Königsschlosse von Verseilles,
im Angesicht der von dem eisernen Ninge des Heeres umspannten
feindlichen Hauptstadt, die Kaiserkrone auf sein ehrwürdiges
Haupt setzte.
Wenn schon es sicher schien, daß auch die Entscheidung
bei Paris nicht lange mehr ausbleiben könne, so wurden uns
doch die in fieberhafter Erwartung zugebrachten Tage lang,
sehr lang.
Endlich am 27. nachmittags wurde uns von der Division
eine Depesche vom Oberkommando mitgeteilt, nach der vor
Paris Unterhandlungen angeknüpft seien, und dieser Botschaft
folgte am Nachmittage des 29. folgende Depesche unseres Divisionskommandeurs: