Rechtsprechung. Reichsgericht (Strafsachen). 487
Entweder der Kauf wird definitiv, oder es wird endgültig enischieden, daß
er nie in Wirksamkeit tritt.
Demnach verfolgt das Gesetz mit diesen Bestimmungen den Zweck,
eine Klärung in schwebende oder unsichere Rechtszustände zu bringen.
Diesen erstrebten Zweck würde es aber gewiß nicht erreichen, wenn es mit
einer so vagen Fristbestimmung wie „augemessene Frist“ oder „bald“ sich
begnügen wollte. Es würde dann sicherlich nicht die von ihm erstrebte
Klärung der Verhältnisse erreicht, vielmehr würde eine neue Verwickelung,
eine andere Unklarheit noch zur alten hinzutreten. Jeder der Betheiligten
würde natürlich diese vage Fristbestimmung möglichst zu seinen Gunsten
auslegen, es würde in der Regel Streit entstehen, welche Frist denn
eigentlich unter dem vagen Ausdrucke zu verstehen sei. Wenn z. B. in
solchem Falle der Verkäufer, der dem Käufer die Waaren zum Besicht
übergeben hatte, auf Zahlung des Kaufpreises klagte, so würde der Letztere
sagen: „Ich stelle die Waaren Dir zur Versfügung; sie gefallen mir nicht;
die angemessene Frist, die Du mir gesetzt, ist noch nicht verstrichen.“
Also ein neuer Streit wäre heraufbeschworen! Und welche schwierige
Aufgabe wäre es für den Richter, im einzelnen Falle herauszufinden, ob
die „angemessene Frist“ schon vorüber ist!
III. Rechtsprechung.
A. Relchsgericht (Slrassachen).
Strafrecht; Strasprozeß.
Auslieferung. Grundsatz der Spezialität? Der Angeklagte
bringt zur Begründung des Rechtemittels vor, nach dem Auslieferungsvertrage
zwischen dem Deutschen Reiche und Luxemburg sei die Auslieferung
wegen Freiheitsberaubung nicht zulässig und. da er lediglich wegen Diebstahls
ausgeliefert worden, könne eine weitere Strafverfolgung nicht eintreten.
Diese Meinung ist unzutreffend. Denn in Art. 1 des genannten
Vertrags vom 9. März 1876 ist unter Nr. 6 von deu vortragenden
Theilen einander zugesichert, die Auslieferung derjenigen Personen, welche
wegen im Gebiete des ersuchenden Staates begangener vorsätzlicher und
rechtswidriger Beraubung der persönlichen Freiheit eines Menschen zur
gerichtlichen Untersuchung gezogen worden sind.
Auch der Grundsatz der sogenannten Spezialität der Auslieferung
stand der Aburtheilung wegen Freiheitsberaubung nicht entgegen, d. h. das
Recht zur Strafverfolgung des Angeklagten in Deutschland war nicht auf
den Diebstahl beschränkt, wegen dessen die Auslieferung begehrt und
bewilligt worden war. Dieses Recht hat die Strafkammer zutreffend den