44 Versammlungsbericht.
ihres Nachwuchses. Aber sie lassen es nicht damit genug sein, sie
sorgen auch für die weitere Ausbildung einmal derjenigen, die nicht
so glücklich waren, in ihrer Jugend schon eine solche Schule besuchen
zu können, und derjenigen, die sich fortbilden wollen, denn fie veranstalten
Kurse und Vorträge in großer Zahl und Fülle über die
verschiedensten Gebiete, in denen die Handlungsgehilfen Gelegenheit
haben, auf dem, was sie in der Lehre gelernt haben, weiterzubauen
und sich weiterzubilden. Ich muß nur konstatieren, daß diese Vorträge
vielerorts und leider auch hier oft auf eine große Interesselosigkeit
der Kreise stoßen, für die sie bestimmt sind.
Eine weitere Fürsorge, die von den Handelskammern für das
Lehrlingswesen getroffen worden ist, ist die gewesen, Musterlehrverträge
auszuarbeiten und sie den Eltern und den Prinzipalen zu
empfehlen. Man sollte das nicht unterschätzen, denn diese Musterlebrooertriine
enthalten natürlich auch die Belehrung über die Rechte
und Pflichten, die aus solchen Lehrverträgen erwachsen, und der
Hinweis der Eltern auf die Rechte, die sie gegen den Lehrherrn haben,
ist in solchen Lehrverträgen nicht ganz ohne Bedeutung.
Dann hat weiter ein Verein — ich weiß nicht welcher von beiden
Vereinen, es ist entweder der Verband für das kaufmännische Unterrichtswesen
oder der Rheinisch--Westfälische Verein zur Förderung des
kaufmännischen Fortbildungsschulwesens — eine Ausschreibung erlassen,
um Musterlehrgänge zu erhalten und sie den Prinzipalen in
die Hand zu geben als Anleitung, wie sie zweckmäßig in den verschiedenen
Geschäftszweigen den Ausbildungsgang ihrer Lebrlinz
gestalten können. Diese Verbände setzen sich ja auch zum großen
aus Handelskammern zusammen, so daß auch dies den Kammern
gutzuschreiben ist.
Ein weiteres Gebiet der Tätigkeit ist das, daß man immer un
immer wieder belehrend wirkt über die Möglichkeit der bhn
die es bereits heute gegen einen Prinzipal gibt, der seinen Verpflichtungen
nicht nachkommt. Man kann das durch regelmäßige
Hinweise in der Presse tun, ebenso auch durch Belehrungen der einzelnen
Beschwerdeführer, die in das Bureau der Handelskammer
kommen. Als einzig gesetzgeberische Maßnahme würde ich empfehlen,
den Mißbräuchen gegenüber die Bestimmungen der Gewerbeordnung
anzuwenden, wonach jemandem, der sich Mißbräuche in der Lehrlingsbaltung.
zuschulden kommen läßt, die Lehlingshaltung untersagt
werden kann. Ich meine, diese Waffe muß gegeben werden, weil sonst
die Selbsthilfe auch der Eltern ja vielfach versagen würde und die
Eltern immer wieder an solche ungeeigneten Lehrherren kommen
würden.
« ch möchte Sie also bitten, unterschätzen Sie die Arbeit, die die
Handelskammern geleistet haben, nicht, muten Sie den Handelskammern
aber auch nicht Leistungen zu, die fie nach ihrer ganzen Art
und Organisation gar nicht vollbringen können, daß sie sich nämlich
im einzelnen um jede einzelne Lehre, jeden einzelnen Mißstand
kümmern; das muß Sache der Selbsthilfe der Eltern sein und wird
es bleiben müssen.