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durch die Willkür einzelner Menschen erzeugt werden; sie sind eben Bruchstücke
eines breiten historischen Stromes, der sich durch unser ganzes Volksleben
durch Jahrtausende hindurchzieht, und dessen Wellenschlag ab und zu
auftaucht, je nachdem einzelne Persönlichkeiten oder Angriffe dazu Gelegenheit
geben.‘
Am schärfsten und schroffsten kollidierte er wieder mit
den Linksliberalen und Demokraten. Eugen Richter beanstandete,
daß überhaupt ein Einspruchsrecht des Staates bei
Besetzung der Pfarreien aufrecht erhalten werden solle. Damit
sei nur der Vergewaltigung durch den Landrat Tür und Tor geöffnet,
ein Mittel mehr gegeben, um den Absolutismus des Kanzlers,
eines Bismarck zu sichern! Damit wiederholte Richter
nur, was in der Zentrumspresse zu lesen stand, wie dies Bismarck
ihm durch Verlesung entsprechender Auslassungen in der ‚„Kölnischen
Volkszeitung‘‘ und des ‚Westfälischen Merkur‘ quittierte;
nicht ohne in Erinnerung zu bringen, daß Eugen Richter seine
Wahl zum Abgeordneten wesentlich Zentrumsstimmen verdankte.
Nach Richter wäre der ganze ‚„‚Kulturkampf‘, wie ihn Bismarck
geführt hatte, nur ein persönliches Duell zwischen ihm und
Windthorst gewesen. Bismarck hätte es nur auf die Sprengung
des Zentrums abgesehen gehabt. Hierin hatte Richter so Unrecht
nicht, er hätte nur hinzufügen müssen: und die Bekämpfung der
Polonisierung preußischer Provinzen. Den empfindlichsten
Punkt traf er, indem er es für einen Verstoß gegen die „nationale
Würde‘ brandmarken wollte, daß Bismarck zur Durchbringung
der Militärvorlage die Unterstützung des Papstes nachgesucht
hatte. Er berief sich dabei auf einen Artikel der ‚Times‘,
wo mit dem Hinweis hierauf zu lesen stand: ‚‚Wer in einer innern
englischen Frage die Intervention eines Ausländers anrufen oder
bejubeln wollte, würde schon darum sich jeder Einwirkung auf
die öffentliche Gestaltung der Gesetzgebung Englands in Zukunft
begeben.‘‘ Wenn es nur nicht die „Times‘‘ gewesen wäre, welche
von langer Hand her immer dabei war, wenn es dem Baumeister
des deutschen Nationalreiches ein Bein zu stellen, eine Falle zu
legen galt! Als ob es nicht die Abhängigkeit des Zentrums vom
Vatikan gewesen wäre, welche Bismarck auf diesen in der Tat
mißlichen Weg gedrängt hatte! Wenn Eugen Richter behauptete,
daß Bismarcks Appell an Seine Heiligkeit ohne jeden Einfluß
auf das Zentrum geblieben sei, so war das eine offenbare Unwahrheit:
nur infolge der päpstlichen Anweisung hat sich das Zentrum,
wie wir sahen, bei der Militärvorlage der Abstimmung ent-