III. Brandenburg im Uebergang zur neueren Zeit. 193
Daß der preußische, daß die fränkischen Vettern ihr zufielen,
mochte er noch verschmerzen: aber in leidenschaftlichem Zorn
brauste er auf, als er erfuhr. daß seine dänische Gemahlin sich
dem Luthertum zugewandt und 1527 das Abendmahl in beiderlei
Gestalt genossen habe. Durch ihre Mutter eine Nichte Friedrichs
des Weisen und Johanns des Beständigen, eine Schwester
des entthronten Dänenkönigs Christian II., der sein politisches
Abentenrertum durch den Schein des Martyriume für die neue
Lehre zu decken liebte, war Elisabeth früh dem Evangelium
gewonnen worden. Daß ihr Gemahl, dem sie fünf Kinder geschenkt
hatte, zwei Söhne und zwischen ihnen drei Töchter, ihr
offenkundig die eheliche Treue brach und damit den sittlichen
Wert des von ihm so leidenschaftlich vertretenen Glaubens selbst
in das übelste Licht setzte, war wenig geeignet, diese Entwickelung
aufzuhalten. Um so schwerer dachte Joachim sie dafür büßen zu
lassen. Als sie die reuige Rückkehr zu der alten Kirche ablehnte,
wollte er sie, heißt es, wegen Ketzerei prozessieren lassen: Elisabeth
meinte ernstlich für ihr Leben fürchten zu müssen. Auch
ihre Verstoßung, ihre lebenslängliche Einschließung wurde erwogen.
Da floh sie im März 1528 nach Sachsen, wo Johann
der Beständige, ihr Oheim, sie erst in dem Nonnenkloster Prettin
bei Dommitzsch und dann in dem benachbarten Schlosse Lichtenburg
unterbrachte. Zoachim war außer sich: in der Flucht der
an Leib und Leben bedrohten Gemahlin sah er eine ihm persönlich
angethane Schmach, durch die seine kirchlichen und politischen
Widersacher ihn vor der Welt bloßstellen wollten, und
es fehlte nicht viel, so hätte er gegen die Mitschuldigen und
Beschützer Elisabeths die Waffen ergriffen. Und Elisabeth blieb
nicht die einzige Abtrünnige in seinem Hause. Seine jüngste
Tochter Margarete, die Witwe Georgs von Pommern, scheint
durch den Einfluß der Mutter ebenfalls schon für das Luthertum
gewonnen gewesen zu sein: sie veranlaßte bald danach den
llebertritt ihres zweiten Gemahls, des Fürsten Johann von
Anhalt. Daß der Gatte ihrer Schwester Elisabeth, Herzog
Erich von Braunschweig, den Lutheranern Duldung gewährte,
ließ auch seinen Abfall befürchten. Achnlich dachte, wie er
nachmals bekannt hat, Kurprinz Joachim, mochte er das auch
Prun, Preußische Geschichte. 1 13