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entstanden. Die zum großen Teil aufrührerisch gestunte Nationalgarde war also die Herrin der von Linientruppen
ganz entblößten Stadt.
Am 3. September, nachmittags 4 Uhr, erhlelt die Kalserin Eugenie, nachdem schon trübe Nachrichten eingelaufen
waren, die Depesche: „Die Armee ist geschlagen und kriegsgefangen, ich selbst bin Gefangener. Napoleon.“ Alsbald
verbreitete sich die Nachricht in der Stadt, wie ein Donnerschlag die einen betäubend, wie ein Blitstrahl die anderen
entflammend. Am Abend siegte die Leidenschaft; das Geschrei „Absetzung“ durchhallte die Boulevards. Um den
großen Umsturz durchzusetzen, verabredete man für den folgenden Tag einen Gewaltdruck auf den Gesetzgebenden Körper.
Die Kaiserin erkannte noch nicht die Stärke der Bewegung, auch die Minister wollten erst am nächsten Tage
Beschlüsse fassen. Eine Anzahl Abgeordneter bewog jedoch den Präsidenten, eiligst schon um 1 Uhr nachts eine
Sitzung zu halten. Es wurde kein Beschluß gefaßt, nur Jules Favre stellte den Antrag: Napoleon und seine
Dynastie der ihr übertragenen Gewalt zu entkleiden, durch den Gesetzgebenden Körper eine bevollmächtigte Regierung
zur Verjagung des Feindes wählen zu lassen und den General Trochu zum Gouverneur der Stadt Paris zu ernennen.
Da auch die Freunde des Kaisertums bezweifelten, daß es den Schlag von Sedan überstehen könne, ließ
die Kaiserin, um völliger Abdankung zu entgehen, den Vorschlag machen, die absolute Mehrheit des Gesetzgebenden
Körpers möchte eine nationale Verteidigung unter dem General Palikao einsetzen. Thiers suchte einen Mittelweg
zwischen den Anträgen Favres und des Kabinetts; ohne die Absetzung der Dynastie auszusprechen, begehrte er
einen von der Kammer zu ernennenden Regierungs= und Verteidigungsausschuß und zugleich die Einberufung
einer Versammlung, welche über Verfassungsänderungen beschließen wollte. So lagen in der am 4. September 1 Uhr
nachmittags eröffneten Sitzung diese drei Anträge vor; während sich eine Kommission zu ihrer Prüfung zurückzog,
verließen die meisten Abgeordneten den Sihzungssaal.
Inzwischen sammelte sich, wie verabredet war, in der Umgebung des Hauses eine ungeheure Menschenmenge,
fortwährend durch die Spaziergänger vermehrt, welche der Sonntag und das schöne Wetter ins Freie
gelockt hatten. In den donnernden Ruf: „Absetzung!“ mischt sich schon der andere: „Republik!“ Vielen gelingt
es, durch die aufgestellten Truppen und Polizeimannschaften hindurchzukommen; bald dringt, von der Schutzwache,
die ohne Befehl ist, nicht gehindert, der Strom in das Gebäude und füllt die Tribünen. Der Präsident
eröffnet die Sitzung mit einer kleinen Zahl Abgeordneter; vergeblich verlangen sie Ruhe von den Lärmenden,
die auch in den Saal hinabsteigen und die Plätze einnehmen, ihr tobendes Geschrei wiederholend. Jede Verhandlung
wird unmöglich; der Präfident, beleidigt und gestoßen, bedeckt sich und verläßt seinen Platz. Da beantragt
Gambetta von der Rednerbühne aus die Absetzung des Kaiserhauses. Der Menge genügt das nicht, sie will auch
die Erklärung der Republik. Favre und Gambetta fordern zum Abmarsch nach dem Stadthause auf, um dort,
wo die Pariser schon so oft die Monarchie gestürzt hatten, die Verkündigung zu vollziehen, und schreiten dem Zuge
voran. Dort traf auch bald eine Anzahl von Mitgliedern der Linken ein.
Die Revolution hatte gesiegt ohne einen Schuß. Die Kaiserin verließ die bereits bedrohten Tuilerien, begleitet
von dem österreichischen und dem italienischen Gesandten; mit einer einzigen Ehrendame bestieg sie eine
Droschke und gelangte in die Wohnung ihres amerikanischen Zahnarztes, der sie am folgenden Tage nach England
geleitete. Dorthin kam auch Prinz Louis. Die Minister und hervorragenden Personen des Kaiserreichs flohen
gleichfalls über die Grenze.
Die im Stadthaus versammelten Deputierten wollten verhüten, daß die öffentliche Gewalt in die Hände der
Massenführer fiel, die schon im Begriff waren, sich ihrer zu bemächtigen. Deshalb beschlossen sie, nur die von
der Stadt in den Gesetzgebenden Körper gewählten Abgeordneten in die Regierung aufzunehmen. Zu ihnen gesellte
sich der Gouverneur Trochu, zu allem bereit, nachdem ihm die Erhaltung der sozialen Ordnung: Gott, Familie,
Eigentum verbürgt war. Er ging sofort gemütlich zu Palikao und ließ sich von ihm das Kriegsministerium
übergeben; zurückgekehrt verlangte er, um die Verteidigung des Vaterlandes nachdrücklich führen zu können, unverfroren
die Präfidentschaft der Republik, welche ihm Jules Favre, der sie schon angenommen hatte, abtrat,
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