Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

192  (iesehichte  der  Soeietät  von  1711-1716,

alle  Suppligguen  annimmt.  Der  Hr.  v.  Krevz  ist  wirklicher  Staatsminister  und  Direeteur
  general  des  finances  geworden.

Die  Gelehrten  möchten  sich  wohl  wenig  zu  erfreuen  haben.  Von  denen  Condolenz-
  und  Gratulations-Complimenten.  so  ein  und  andere  dem  König  überreichen
wollen,  hat  er  keine  angenommen.  Es  haben  auch  keine  in  der  Sellossdruckerei
angenommen  werden  dürfen...  So  ist  mir  auch  gesaget  worden,  der  König  habe
dem  Pagenhofmeister  ausdrücklich  verboten.  Jdie  Pagen  im  Latein  unterweisen  zu
lassen.  «

Jetzt  wäre  es  an  der  Zeit  gewesen,  dass  sich  die  Societät  zusammenraffte
  und  dem  Könige  zeigte,  dass  sie  etwas  Nützliches  zu
leisten  im  Stande  sei  er  liess  sie  ja  zunächst  ruhig  gewähren!.
Leissiz  trieb  auch  unahlässig  dazu.  »Miscellanea  esse  edenda«,  war
sein  Ceterum  censeo.  Er  schlug  vor,  sich  in  die  Zeitrerhältnisse  zu
schicken  und  kriegswissenschaftliche  und  technische  Abhandlungen
aufzunehmen:  er  zeigte  in  einem  Schreiben  an  den  Secretar,  dass
er  den  König  zu  würdigen  verstand,  und  war  bereit,  auf  seine  Liebhabereien
  einzugehen  und  selbst  ein  Problema  tacticum  zu  inseriren,
sowie  eine  ballistische  Abhandlung”.  Aber  die  Societät  blieb  völlig
thatenlos.  Sie  hatte  bisher  überhaupt  noch  nicht  gelernt,  auf  eigenen
  Füssen  zu  stehen:  sie  liess  Leienız  arbeiten  und  hoffte,  statt

I  Siehe  Seer.-Lrıgx.  Nr.  152  vom  12.  August  1713:  »Der  Zustand  der  Societät
bleibst  bei  dem  Vorigen.  und  weil  der  König  fast  aller  Affairen,  ausser  die  das
Soldatenwesen  betreffen.  sieh  entschlägt,  so  wird  zwar  eine  der  Soecietät  nachtheilige
Veränderung  nicht  leicht  zu  besorgen,  hingegen  auch  vor  dieselbe  wenig  Vortheile
und  Wohlthaten  zu  hoffen  sein«.

Sein  Brief  Nr.  154  vom  6.  December  1713  an  den  Sceretar  ist  für  seinen
frischen  Blick  und  für  die  Elastieität.  mit  der  er  sich  in  neue  Verhältnisse  iımmer
wieder  zu  schicken  wusste.  charakteristisch.  »Es  hat  des  neuen  Königs  Maj.  der
Welt  gezeiget,  dass  Sie  nicht  nur  vor  die  Waffen  sorgen,  sondern  auch  guten  Rath
zu  ergreifen  wissen.  Sie  haben  durch  Erlangung  des  Besitzes  von  Stettin  erhalten,
wornach  ihr  Hr.  Vater  glorwürdigsten  Andenkens  (des  Hın.  Grossvaters  zn  geschweigen)
  vergebens  getrachtet.  S.  Maj.  haben  noch  dazu  Tonningen  erhalten  und
den  Grund  zu  der  nordischen  Ruhe  wenigstens  in  den  Reichslanden  geleget.  und
da  anderswo  nur  zugesehen  worden.  die  Hand  an  das  Werk  mit  Nachdruck  gelexet.
  Ist  also  auch  billig,  dass  Sie  dessen  geniessen.  Es  heisset  »jura  vigilantibus
seripta  sunt«e.  Ich  schliesse  aus  diesen  allem,  dass  S.  Maj.  den  Studien  nicht  abgeneigt
  sein.  sondern  wohl  wissen  werden.  was  im  Reginiente  daran  gelegen.  Daher
ich  auch  der  Hoffnung  lebe.  Sie  werden  die  von  ihrem  Hrn.  Vater  fundirte  Societät
der  Wissenschaften  allergnädigst  protegiren.  Es  ist  nöthig.  dass  ınan  dahin  bedacht
sei.  wie  künftiges  Jahr  ein  neues  Volumen  Miscell.  Berolinensiun  zu  Stande  komme,
darin  nicht  nur  speculativa  et  cenriosa.  sondern  auch  practica  et  utilia  zu  bringen,
wie  nıan  zwar  auch  beim  ersten  Volumine  darauf  gesehen.  Ich  will  unter  andern
ein  Problema  taetieum  inseriren:  wie  aus  einer  gegebenen  Zahl  ein  Bataillon  carre
vide  also  zu  formiren.  dass  am  wenigsten  Personen  übrig  bleiben,  iteın  etwas
ad  rem  ballisticam.  Und  weil  der  König  auch  die  Manufacturen  gern  befördert,  so
stelle  dahin.  ob  einige  merkwürdige  Vortheile  oder  Observationen  u.dergl.  zu  haben
und  beizufügen.  Ich  sollte  vermeinen,  in  Berlin  würde  sich  dazu  Gelegenheit  finden.«