Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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tung  gekommen  und  zwar  hier  weniger  auf  dem  Gebiet  der  Intelligenz
als  dem  der  Willenskraft,  Zähigkeit  und  Ausdauer,  welche  Eigenschaften
aber  nur  ein  gesunder  Körper  zur  Außerung  bringen  kann,  und  welche
Eigenschaften,  wenn  sie  dauernd  zur  Geltung  kommen  und  sich  bewähren
sollen,  im  ganzen  ein  politisch  und  wirtschaftlich  gesundes  Staatswesen
zur  Voraussetzung  haben.

Jedenfalls  ist  nicht  nur  die  Ursache  des  Krieges  in  der  philosophischen
Ungleichheit  der  Nationen  zu  suchen,  sondern  auch  der  Ausgang  desselben.
  Und  für  einen  dauernden,  wenn  auch  nicht  ewigen  Frieden  muß
entweder  die  Ungleichheit  durch  Erziehung  und  Entwicklung  beseitigt
werden,  oder  es  muß  eine  sittliche  hochstehende  Macht  vorhanden  sein,
die  so  bedeutend  ist,  daß  der  Frieden  von  ihr  garantiert  und  gewährleistet
  werden  kann.  Alle  Friedensbestrebungen  auf  anderer  Grundlage,
  sei  es  aus  christlicher  oder  sozialdemokratischer  Solidarität  werden
dagegen  noch  dauernd  unfruchtbar  bleiben,  und  dieses  ist  gar  nicht  einmal
  zu  beklagen,  da  ein  solcher  Frieden  im  Zeitalter  des  Kapitalismus
stagnierend  wirkt  und  leicht  zu  einer  Verweichlichung  und  schließlich
Degeneration  führen  kann,  so  daß  die  betreffende  Nation  schließlich
nicht  Zweck,  sondern  nur  Mittel  der  menschlichen  Entwicklung  ist.
Der  Ausgang  des  letzten  Krieges,  in  dem  Deutschland  sich  gegenüber
  dem  Vernichtungswillen  der  ganzen  Welt  zu  verteidigen  hatte,
hat  gezeigt,  daß  Deutschland  trotz  Christentum  und  Sozialdemokratie
innerlich  noch  gesund  ist.  Zum  Glück  hat  der  Deutsche  zu  seiner  internationalen
  Anbiederung  und  weltbürgerlichen  Verbrüderungssucht
selbst  kein  rechtes  Vertrauen  gehabt,  so  daß  er  sich  am  Ende  doch  mehr
auf  seinen  Verstand  und  seine  Faust  verlassen  hat,  als  auf  seine  Gemütsergüsse.
  Anderseits  ist  vielleicht  die  übertriebene  Höflichkeit  im
internationalen  geschäftlichen  Verkehr  auch  kein  Fehler,  wenn  daneben
nur  das  Pulver  trocken  gehalten  wird.  Immerhin,  seit  der  deutsche
Michel  angefangen  hat,  das  Grübeln  und  Dichten,  das  überdies  den
Dingen  nicht  auf  den  philosophischen  Grund  geht,  auf  seine  Mußestunden
  zu  beschränken  und  an  den  Werktagen  mit  der  nüchternen  Wirklichkeit
  zu  rechnen,  seitdem  kann  die  deutsche  Art  zum  Wohle  der  ganzen
Menschheit  weder  am  Christentum,  noch  an  der  Sozialdemokratie  und
am  allerwenigsten  an  der  weltbürgerlichen  jüdischen  Aufweichung  und
Beeinflussung  zugrunde  gehen.

Schließlich  ist  die  Stellung  der  christlichen  Kirche  noch  eigenartiger
dadurch  geworden,  daß  auf  beiden  Seiten  der  Kriegführenden  auch
Nichtchristen  mit  in  den  Kampf  gezogen  sind.  Wenn  dieses  von  Deutschland
  und  Österreich  auch  nicht  mit  Zwang  verursacht  ist,  da  sich  die
Türken  als  Verbündete  angeschlossen  haben,  so  ändert  es  nichts
daran,  daß  der  christliche  Gott,  von  dem  doch  alle  den  Sieg  erfleht