Die Deutlichkeit. 17
es giebt aber noch andere Bedingungen der Deutlichkeit, weshalb
einmal von dieser die Rede sein muß. Zur Deutlichkeit
gehört zunächst das richtige Zeitmaß der Rede, des Vortrags.
Das richtige Zeitmaß (Tempo) der Rede wird teils durch
innere, teils durch äußere Gründe bestimmt.
Die inneren Gründe liegen im Inhalt der Rede. Jenachdem
dieser Inhalt feierlich, ernst, traurig oder leidenschaftlich,
lebhaft, leicht, lustig ist, wird das Zeitmaß langsamer, oder
rascher genommen werden müssen. Ein ernster Inhalt in zu
raschem Zeitmaß gesprochen wird eben so einen ungünstigen
Eindruck machen, wie ein leidenschaftlicher Inhalt in langsamem
Zeitmaß vorgetragen. Von dem Zeitmaß wird im weiteren
Verlaufe noch öfters die Rede sein. .»
Das Zeitmaß einer längern Rede soll aber nicht immer
dasselbe bleiben. Jenachdem der Inhalt der Rede wechselt
soll man das Zeitmaß beschleunigen oder zurückhalten. In der
verwandten Kunst des Gesanges ist das immer von der größten
Wirkung.
Die äußeren Gründe, welche das Zeitmaß bestimmen, liegen
in dem Raume, in welchem gesprochen wird. die ist die Grundregel:
je größer der Raum, in dem gesprochen wird,
desto langsamer, gemessener muß das Zeitmaß
genommen werden. Der Schall pflanzt sich nicht mit der
überraschenden Schnelligkeit fort, wie etwa das Licht. In großen
Räumen muß man ihm etwas Zeit lassen sich auszubreiten.
Dabei ist zu beachten daß große Räume, z. B. Kirchen, meistens
etwas Widerhall haben, dessen Wirkung berücksichtigt werden
muß. In großen Räumen wird man nur durch langsames
Zeitmaß verständlich. Ist man gar genötigt im Freien, vor
einer großen Menge zu reden und also weithin verständlich zu
werden, so muß man sehr langsam sprechen und Wort für
Wort zu seiner Geltung gelangen lassen. In ganz großen
Räumen und im Freien tritt die Notwendigkeit der inneren
Gründe für das Zeitmaß zurück gegen die Notwendigkeit deutlich
zu sein, verstanden zu werden. Und diese Deutlichkeit ist
eben nur durch ganz langsames Zeitmaß zu erreichen.
§ 14. Die zweite Bedingung der Deutlichkeit ist die richtige
Tonstärke. Die inneren Bedingungen der richtigen Tonstärk,
die im Inhalt der Rede ihren Grund haben, werden bei den
Tonfarben mit erläutert werden. Die äußeren Bedingungen liegen
wieder in dem auszufüllenden Raume. Die einfache Regel hierfür
heißt: man muß laut genug sprechen um den gegebenen Raum
Benedix, Die Schönheit des Vortrags. 4. Aufl. 2