thumbs : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Die  Deutlichkeit.  17

es  giebt  aber  noch  andere  Bedingungen  der  Deutlichkeit,  weshalb
einmal  von  dieser  die  Rede  sein  muß.  Zur  Deutlichkeit
gehört  zunächst  das  richtige  Zeitmaß  der  Rede,  des  Vortrags.

Das  richtige  Zeitmaß  (Tempo)  der  Rede  wird  teils  durch
innere,  teils  durch  äußere  Gründe  bestimmt.

Die  inneren  Gründe  liegen  im  Inhalt  der  Rede.  Jenachdem
  dieser  Inhalt  feierlich,  ernst,  traurig  oder  leidenschaftlich,
lebhaft,  leicht,  lustig  ist,  wird  das  Zeitmaß  langsamer,  oder
rascher  genommen  werden  müssen.  Ein  ernster  Inhalt  in  zu
raschem  Zeitmaß  gesprochen  wird  eben  so  einen  ungünstigen
Eindruck  machen,  wie  ein  leidenschaftlicher  Inhalt  in  langsamem
Zeitmaß  vorgetragen.  Von  dem  Zeitmaß  wird  im  weiteren
Verlaufe  noch  öfters  die  Rede  sein.  .»

Das  Zeitmaß  einer  längern  Rede  soll  aber  nicht  immer
dasselbe  bleiben.  Jenachdem  der  Inhalt  der  Rede  wechselt
soll  man  das  Zeitmaß  beschleunigen  oder  zurückhalten.  In  der
verwandten  Kunst  des  Gesanges  ist  das  immer  von  der  größten
Wirkung.

Die  äußeren  Gründe,  welche  das  Zeitmaß  bestimmen,  liegen
in  dem  Raume,  in  welchem  gesprochen  wird.  die  ist  die  Grundregel:
  je  größer  der  Raum,  in  dem  gesprochen  wird,
desto  langsamer,  gemessener  muß  das  Zeitmaß
genommen  werden.  Der  Schall  pflanzt  sich  nicht  mit  der
überraschenden  Schnelligkeit  fort,  wie  etwa  das  Licht.  In  großen
Räumen  muß  man  ihm  etwas  Zeit  lassen  sich  auszubreiten.
Dabei  ist  zu  beachten  daß  große  Räume,  z.  B.  Kirchen,  meistens
etwas  Widerhall  haben,  dessen  Wirkung  berücksichtigt  werden
muß.  In  großen  Räumen  wird  man  nur  durch  langsames
Zeitmaß  verständlich.  Ist  man  gar  genötigt  im  Freien,  vor
einer  großen  Menge  zu  reden  und  also  weithin  verständlich  zu
werden,  so  muß  man  sehr  langsam  sprechen  und  Wort  für
Wort  zu  seiner  Geltung  gelangen  lassen.  In  ganz  großen
Räumen  und  im  Freien  tritt  die  Notwendigkeit  der  inneren
Gründe  für  das  Zeitmaß  zurück  gegen  die  Notwendigkeit  deutlich
  zu  sein,  verstanden  zu  werden.  Und  diese  Deutlichkeit  ist
eben  nur  durch  ganz  langsames  Zeitmaß  zu  erreichen.

§  14.  Die  zweite  Bedingung  der  Deutlichkeit  ist  die  richtige
Tonstärke.  Die  inneren  Bedingungen  der  richtigen  Tonstärk,
die  im  Inhalt  der  Rede  ihren  Grund  haben,  werden  bei  den
Tonfarben  mit  erläutert  werden.  Die  äußeren  Bedingungen  liegen
wieder  in  dem  auszufüllenden  Raume.  Die  einfache  Regel  hierfür
heißt:  man  muß  laut  genug  sprechen  um  den  gegebenen  Raum

Benedix,  Die  Schönheit  des  Vortrags.  4.  Aufl.  2