hat aber von Cl&menceau, dem Todfeinde Deutschlands, gehört, Kaiser
Wilhelm habe sich dem Abrüstungs-Vorschlage des englischen Königs
gegenüber schroff ablehnend verhalten!).
Die Zusammenkunft König Eduards mit Kaiser Franz Joseph in
Ischl hatte keine bemerkenswerten Erfolge. Wohl aber glaubte man in
Berlin, die Abberufung des deutschfreundlichen englischen Botschafters
Sir Frank Lascelles ungünstig deuten zu müssen. „Der Eifer, den er entwickelf
hat, um Mißverständnisse zu beseitigen, die er für töricht und
für beiden Ländern in hohem Maße nachteilig hält, entspricht nicht den
politischen Ansichten seines Herrschers,‘‘ meint Greindl am 18. Juli
1908?).
Konfliktstoff lagerte also überall und war durch die zahlreichen Besuche
der Staatsoberhäupter eher vermehrt als beseitigt, als am 5. Oktober
1908 die staatsrechtliche Eingliederung BosniensundderHerzegowinaindieDonaumonarchie
erfolgte. Deutschland war nach belgischer Berichterstattung nicht vorher
verständigt worden, wohl aber sollte es Graf Aehrenthal gelungen sein,
Rußland durch Eröffnung von Aussichten auf ein Entgegenkommen in
der Dardanellenfrage für die folgenschwere Absicht des österreichischen
Staatsmannes günstig zu stimmen?). Jedenfalls hatte Aehrenthal den
Zeitpunkt für die Ausführung seines Vorhabens günstig gewählt; er hatte
„den Berliner Vertrag durch sein Vorgehen zerrissen‘).
Die Veröffentlichung des ‚Daily Telegraph‘‘ vom 28. Oktober 1908
und die den deutschen Kaiser schwer bloßstellenden Vorgänge im Reichstage
dienen der belgischen Berichterstattung nur dazu, mit Bedauern die
Verminderung des Ansehens festzustellen, die Deutschland dadurch erleide.
„Deutschlands Bedeutung in den internationalen Angelegenheiten
wird dadurch vermindert. Das ist ein europäisches Unglück. Unbestreitbar
verdanken wir Deutschland und den im tiefsten Grunde friedlichen
Absichten des Kaisers die 37 Jahre der Ruhe, deren wir uns erfreut
haben‘). Auch in Japan herrschte Verstimmung wegen der Worte des
Kaisers über die Zukunftsaussichten der deutschen Flotte in einem neuen
ostasiatischen Kriege; der Kaiser brachte dadurch seine Japan letzthin
erwiesenen Aufmerksamkeiten um einen Teil ihrer Wirkung®).
Die Selbständigkeitserklärung Bulgariens, eine
Folge der Einverleibung Bosniens und der Herzegowina, steigert die Erregung
der Serben um so mehr, als Rußland sie nun zu stützen scheint.
Serbische Staatsmänner bereisen die europäischen Höfe: drohend wächst
die Gefahr eines serbisch-österreichischen Konflikts empor. Rußland,
als Vormacht des Panslawismus, leiht dem kleinen Volke seine heimliche
Unterstützung, wenn die Regierung auch gelegentlich zur Besonnenheit
!) Wien, 30. August und 3. September 1908, Bd. III, S. 92/93.
?) Belgische Aktenstücke, Nr. 50.
®) Bd. III, S. 6ff.
*) Paris, 5. April 1909, Bd. III, S. 145/146.
5) Berlin, 14. November 1908, Bd. III, S. 98/99.
°%) Tokio, 10. November 1908, Bd. III, S. 102/103.
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