9. November Elftes Kapitel 371
einen recht hübschen Artikel: „Der letzte Ritter des Eisernen Kreuzes,“
womit unser Koburger gemeint war, gefunden und dem Minister
hinunter gesandt. Als ich heute abend zu ihm gerufen wurde,
fragte ich, bevor ich wieder ging, ob er ihn gelesen habe. „Ja — antwortete
er —, und ich habe ihn dem Könige gegeben. Der Verfasser
kennt aber nur einen von den Briefen des Herzogs. Es
existieren drei oder vier, alle voll von Kugeln und Granaten, die
um ihn gepfiffen haben sollen."
Beim Thee wurde u. a. des Gerüchts gedacht, daß bei der
Verzögerung des Bombardements auch der Einfluß von Damen
mitspiele, und zwar wurden die Königin und die Kronprinzessin
dabei genannt.
Nach halb elf Uhr trat der Chef aus dem Salon zu uns, wo
er mit dem bayrischen General von Bothmer verhandelt und, wie
es schien, militärische Fragen in betreff der in Angriff genommnen
größern Einigung Deutschlands besprochen hatte, und blieb wohl
noch eine Stunde mit uns zusammen. Als er sich gesetzt hatte,
ließ er sich eine Flasche Bier geben. Dann seufzte er ein wenig
und sagte: „Ach, ich dachte eben wieder einmal, was ich oft schon
gedacht habe, wenn ich doch nur einmal auf fünf Minuten die
Gewalt hätte, zu sagen: So wird es, und so nicht. — Daß man
sich nicht mit Warum und Darum abzuquälen, zu beweisen und zu
betteln hätte bei den einfachsten Dingen. — Das ging doch viel
rascher bei Leuten wie Friedrich dem Großen, die selber Militärs
waren und zugleich was vom Gange der Verwaltung verstanden
und ihre eignen Minister waren. Auch mit Napoleon. Aber hier,
dieses ewige Reden- und Bettelnmüssen.“"
Nach einer Weile äußerte er lächelnd: „Ich habe mich heute
viel mit Fürstenerziehung abgegeben."
„Wieso, Exzellenz?“ fragte Hatzfeldt.
„Nun, ich habe die Begriffe von mehreren der Herren aus
dem Reservoir über das, was sich gehört und nicht gehört, aufgeklärt.
Ich habe dem . . . durch ... . sagen lassen, daß die
Benutzung des Feldtelegraphen für seinen Küchengarten und sein
Theater nicht statthaft ist. Er nimmt ihn fast allein in Anspruch
mit Baumschulen, Choristinnen, Ankauf von Pferden u. dgl. — Und
der . . . macht es noch schlimmer. — Na, der Reichstag wird da
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