Auf Grund früherer Erfahrungen hatten die Heeresleitungen der Mittelmächte
angenommen, Rußlands Modilmachung werde etwa seche Wochen in
Anspruch nehmen. Das war ein noch viel gründlicherer Irrtum, als auf seiten
unserer Felnde die Annahme, wir würden nicht imstande seln, vor dem Ablouse
von vlerzehn Tagen selt der Krlegeeröffnung dereits entscheidende Schläge zu
fübren. In Wlrklichkeit trat Rußland schon am 21. August in voller Kriegsrüstung
auf den Plan.
2.
Wo würde slch der russische Aufmarsch vollzlehen? Welche Richtung würde
der erste Ansturm der östlichen Milllonenheere nehmen? Nur die Karte konnte
bierauf etwas wle eine Antwort geben. Denn so völlig war Rußland gerüstet,
daß es ihm dereite vom ersten Tage des Krlegedeglnns an gelang, dle Bereltstellung
selner Massen durch einen dichten Schleier von Deckungstruppen zu
verhüllen. Auf der anderen Selte hatte der unterirdische Zusammenhang,
der schon lange vor dem Krlege zwolschen der Bormacht dee Slawentume und
den flawischen Völkerschaften der Donaumonarchie bestand, Rußland in die
Lage gesetzt, ganz Osterrelch und insbesondere dle Grenzlande mit elnem weitgedehnten
Retz von Splonage zu überzlehen, deren Einwlrkung sich in den
Schlachten dee Kriegsbeginne aufe drückendste demerkbar machen sollte.
Ein Bllck auf die Karte lehrt, daß Rußland sich gegenüder den Mittelmächten
in elner höchst elgenortigen strateglschen Lage befand.
Der russische Antell on der Beute der polnlschen Tellung in Verbindung
mit seinen Erwerbungen während der napoleonischen Zelt kam der Heeresleltung
dee Zaren setzt zugute. In weltem Bogen rogte Russlsch-Polen tlef in das
Seblet der Mlttelmächte hlnein. Ost- und Westpreußen waren auf zwel Seiten
elnes Blerecks von russischem Gebiet umklammert, die österrelchlschen Kronländer
Salizlen und Bukowina gar auf zwel Seiten eineo Dreiecks.
Allerdinge war von vornherein anzunehmen, daß der Russe seine Armeen
nlcht Innerhalb dieses vorspringenden Telles seines Gebletes versammeln
würde. ODarauf wles schon die Anlage der russischen Festungen hin. Diese defanden
sich nicht alle an der Grenze, welche Rußland mit Heutschland und ÖOsterrelch
gemeinsam hatte, sondern zum Tell bedeutend weiter rückrärte, so daß
gerabe jenes vorspringende Geblet außerhalb der Festungellnle lag. Im Osten
von Ostpreußen slcherten Kowno und Erodno den Ajemenlauf, Ossowiec,
Lomscha, Pultusk die Narewlinle, Warschau und Iwangorod dle Weichsellinle,
während gegennber der vorspringenden Ecke, mit der sich Gallzlen lne russische
Geblet binelnschiebt, das wolhpnlsche Festungedreleck Luczt, Dubno, Rowno
llch entgegenstemmte. Im Schutze dleser durch Flußläufe und gewaltige Festungen
gesicherten Linle, so war mlt Bestlmmtpelt anzunehmen, wücde sich der
russische Aufmarsch vollzlehen. Die Deeresleltungen der Mittelmächte aber
batten Grund zu elner noch etwas genauer bestimmten Annahme. Sie vermuteten
die Versammlung der russischen Stceltkräfte im Raume zwischen dem
Oberlauf der Weichsel von Warschau aufwärts und des Bug. Olese Vermutung
bat sich destätigt.
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