32S Geschichte der Akademie nnter Frienrich dem Grossen (1746-1756).
schmiegte sich dem Geist des 18. Jahrlıunderts besonders an: alle
waren sie kosmopolitisch gesinut, alle zweisprachig; sie brachten
aus Zürich und Basel eine tüchtige Bildung mit und die Traditionen
des fleissigen und bücherschreibenden Gelehrten. Dazu zeiclınete
sie eine leichte. populäre Formgebung aus. Speciell aber für die
deutsche Litteratur war Zürich durch Bopnmer und BREITINGER ein
Mittelpunkt geworden und hatte Leipzig besiegt. Wie hätte ein König,
der eine französische Akademie in und für Preussen aufrichtete, an
den Schweizeru vorübergelien können, und wie begreiflich ist es,
dass Maurertuiss nach ihnen Umschau hielt!
In Passavant hatte er sich freilich getäuscht. Die kleine tragikomische
Episode ist erst jüngst bekannt geworden‘. Im April 1750
schrieb MAurertuiss dem Könige einen höchst erregten Brief, Herr
Passavant aus Basel habe in den zwei Jahren. seitdem er Mitglied der
Akademie sei, die stärksten Proben der Sorglosigkeit und Faulheit
gegeben, nun aber habe er gar eine Hauslehrerstelle bei Mad. von
FULMAIER angenommen: »Conime cette place non-seulement le met
encore plus hors d’etat de travailler pour l’Academie, mais degrade
et avilit lacademicien, je crois qu'il conviendrait d’en faire un exemple
et de priver de sa pension le Sieur Passavant; J’attends Fordre de
Votre Majeste sur cela«.
PASSAYANT mag ganz untauglich gewesen sein, aber der Zorn
MauPpERTUIS entsprang seiner Eitelkeit: mit einem Hauslchrer wollte
er nicht. zusammensitzen. Der König verstand ihn vollkommen; er
liess ilın gewähren und opferte ilım den armen PassavanTt, aber in
folgenden ironischen Worten:
»Cela depend du bon plaisir et des lumieres superieures de M. le President.
Quant a moi son fidele academicien, je l’assure que je n’ai jamais oui nommer mon
confrere Passavant et que dans mon petit partieulier je suis tres-humilie de Yaffront
qui a fait a votre Academie. Pour ne point meriter pareil traiteınent de votre
part, je vous promets de travailler ponr votre scance du mois de mai et de ne
jamais me faire precepteur de quelque jeune homme que ce puisse etre.
FREDERIC.«
Maurertus verstand in seineın blinden Eifer diese Zurechtweisung
nicht, sondern schrieb umgehend an die Akademie, der
König erkläre Passavant's Stelle für vacant, da er ein Amt übernommen
habe, das mit der Stellung eines Akademikers unverträglich
regne de Frep&rıec 11 (1788) p. 239. Als 1752 eine Stelle für deutsche Beredtsaimkeit
und Poesie am Joachimstlialschen Gymnasium begründet werden sollte, schien es
StLZER selbstverständlich, dass ein Schweizer berufen werde (s. L. HırzeL. WIELAND
nnd Küxzuı, 1891 S. 53).
I Siehe Urkundenband Nr. 169. 6. 7.