Haut. 23
wir trotz innerer glühender Hitze eine blasse, fröstelnde Haut sehen, so treten
bedeutende Allgemeinstörungen auf: Erregung, Benommenheit, Herzklopfen,
Angstgefühle und schließlich Besinnungslosigkeit. Die uns unentbehrliche
Wärmeregulierung durch die Haut hatte aufgehört.
Auf dieser für die Heilkunde so wertvollen Tatsache der Abkühlung des
Blutes durch die Haut beruht die Wirkung der Wasserbehandlung bei Fieber.
Durch gewisse Gifte können wir ferner so erregend auf die Gefäßnerven
wirken, daß wir sowohl Verengung wie Erweiterung der Gefäßröhren erzielen.
Dies geschieht vor allem durch den Alkohol, der dadurch ein falsches Wärme—
gefühl erzeugt, daß er durch lähmende Wirkung auf die Gefäßnerven eine
stärkere Durchblutung der Haut bewirkt.
Die blaurote Gesichtsfärbung der Trinker entsteht durch eine bleibende
Erweiterung der Gefäße in der Gesichtshaut. Wenn man diese Wirkung des
Alkohols kennt, wird man das mitunter angenehme Wärmegefühl nach Alkoholgenuß
mit anderen Augen betrachten.
Nicht nur Wärme des Blutes gibt aber die Haut ab, sondern auch
flüssige und gasige Stoffe aus dem Blut und zwar durch Vermittlung der
Hautdrüsen. Die menschliche Haut hat fettliefernde und schweißliefernde Drüsen;
erstere sind die Talgdrüsen, welche die Haut geschmeidig erhalten und in
grauen Vorzeiten für unsere stärker behaarten Vorfahren wohl von größerer
Bedeutung waren als für uns; letztere sind die Schweißdrüsen, deren
normale Tätigkeit für unsere Gesundheit von großer Bedeutung ist. Leider
hat der durch ungesunde Lebensweise entartete größere Teil der heutigen
Kulturmenschheit keine elastische, gesunde Hant mehr, daher auch keine natürliche
Tätigkeit der Schweißdrüsen.
Die Mündungen dieser Schweißdrüsen, welche kleinen Schläuchen vergleichbar
sind und in einem Knäuel enden, der von zahlreichen Gefäßen umsponnen
wird, bilden die Hautporen, von welchen man so oft sprechen hört,
obwohl die wenigsten wissen, was diese eigentlich sind. Der Volksglaube spricht
von einer Art Hautlöcher, wo allerlei „heraus"“ und „hinein“ kommt; von
einer Drüsentätigkeit mit spezifsischen Drüsenzellen usw. weiß er nichts.
Und doch handelt es sich hier um feine Vorgänge, die noch nicht einmal vollständig
erforscht sind. Man weiß nur beiläufig, daß die Körperoberfläche des
Menschen etwa 2½⅛ Millionen Schweißdrüsen besitzt, und hat durch verschiedene
Berechnungen und Beobachtungen herausgefunden, daß der gesunde Mensch
ohne Schweißbildung in 24 Stunden 500—800 Gramm Wasser abgibt, also
entschieden mehr als durch die Lungenatmung. Dagegen ist die Abgabe der
Haut an Kohlensäure bedeutend geringer als die der Lungen und beträgt
kaum 3 Gramm in 24 Stunden. Durch verschiedene Messungen will man
ferner nachgewiesen haben, daß die Haut auch kleine Mengen Sauerstoff aufnimmt,
so daß man also wirklich — bei Kohlensäure= und Wasserabgabe —
von einer Hautatmung sprechen darf. Selbstverständlich kann diese aber