Full text : Das deutsche Ordensland Preußen.

Nun  erst  entschloß  sich  Plauen,  kraft  eigenen  Willens,  ohne
Rat  der  Gebietiger  wie  des  Landes,  den  friedlosen  Frieden  zu
brechen  (Herbst  1413).  Doch  wenn  der  Plauen  wagte,  das  Ungeheure
  zu  tun,  im  Orden  war  einer,  der  Marschall  Küchmeister
von  Sternberg,  der  wußte  noch  sicherer,  dies  Geschlecht  werde
das  Ungeheure  nicht  ertragen.  Der  starke  behäbige  Mann,  ein
feiner  Diplomat  des  gemeinen  Schlages,  berechnete  in  diesem
welthistorischen  Kampfe  nur  die  niedere  Leidenschaft  des  kleinen
Menschen.  Die  Rechnung  trog  ihn  nicht.  Schon  waren  die
Polen  ins  Land  gefallen  und  der  Kampf  begonnen  um  die  durch
Plauens  Eifer  wohlgerüsteten  Grenzburgen;  da  verbot  der
Marschall  dem  Bruder  des  Meisters  vorzurücken,  die  Mannschaft
  folgte  dem  Rebellen,  und  der  Kriegszug  ward  abgebrochen.
Nun  berief  Plauen  auf  St.  Burkhardstag  (14.  Oktober  1413)
das  Kapitel,  den  menterischen  Marschall  zu  bestrafen.  Dort
tagten  zusammen  alle  die  Reidischen,  über  deren  Schultern  der
junge  Held  zum  Meistersitze  sich  emporgeschwungen,  die  geängsteten
  Friedensseligen  und  die  Tiefgekränkten,  die  seine  zornige
Herrscherhand  gefühlt,  und  Sternbergs  überlegene  Rüchternheit
  wußte  sie  also  zu  leiten,  daß  von  unreinsten  Händen  die
Strenge  des  Gesetzes  geübt  und  Heinrich  Plauen  des  Meisteramtes
  entsetzt  ward,  weil  er  den  Orden  gerettet  hatte,  um  —
seine  Satzung  mit  Füßen  zu  treten.  Aber  —  zu  so  flauem  Entschluß
  gelangten  in  dem  kläglichen  Kapitel  der  grimme  Haß  der
Jungen  und  der  Alten  kurzsichtiges  Mitleid  —  dem  unerhört
beleidigten  gefährlichen  Manne  gab  man  die  bescheidene  Komturei
  von  Engelsburg.  Dort  saß  der  Entthronte,  in  der  Kraft
seiner  Jahre,  im  öden  Einerlei  eines  subalternen  Amtes.  Er
sah  das  Meisteramt  in  Sternbergs  Händen;  die  Mörder,  die
einst  sich  gegen  ihn  verschworen,  waren  begnadigt,  das  Land,
geleitet  von  dem  Stumpfsinn  der  Feigheit,  eilte  haltlos  dem
Verderben  entgegen.  Aus  dem  Reiche  herüber  klangen  die  wütenden
  Klagen  seiner  Freunde  wider  die  „meyneyden  verretters

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