Juli 20.
668 1611 288.
Der zweite Punkt des Ausschreibens wegen Vermehrung und
Stärkung der Union beruht auf den Berichten derer, denen Verbandlungen
mit den übrigen Ständen aufgetragen worden sind. Wegen der
Aufnahme der „im Reich gesessenen Stände‘ und wegen der Erhaltung
guter Korrespondenz mit den benachbarten und ausländischen Potentaten
bleibt es bei voriger Instruktion. Da aber gemäss dem schweinfurter
Abschied auch von den Städten für gut angesehen worden ist, ia
Venedig einen Agenten zu unterhalten und man auf Italien ein
wachsames Auge haben muss, so hat man sowol wegen der Person
als wegen der nötigen Mittel die Vorstimmenden zu hören und
besonders darauf zu achten, dass nicht ein Ubiquitist vorgeschlagen
wird, worauf man vordem ausgegangen ist. Man hat sich deswegen
mit Kurbrandenburg, Culmbach, Ansbach und Hessen zn vergleichen.
Der dritte Hauptpunkt des Ausschreibens betrifft die Frage, wie
man bei jetziger Zeit die Union nützlich verwenden kann. Man
hat darüber der übrigen Meinung zu hören, besonders wie man wieder zu
beständigem Frieden kommen und das alte Vertrauen wieder aufrichten
könnte. Da der zu Willstätt mit den Kapitnlaren des Stifts Zabern
geschlossene Frieden! nicht, wie versprochen worden, ratifiziert worden
ist und man also Dagstein und Molsheim zurückzufordern befugt ist,
so sind die betreffenden Akten mitzunehmen und gemeinsam weitere
Schritte zu beraten. Auch des Hilfsbegehrens der Stadt Genf? und
anderer wäre zu gedenken und deren Werbung mitzunehmen.
ı Briefe und Akten, III., no. 239.
? Schon am 3./13 April batten Syndici und Rat von Genf den Altsyndikus
Jean Sarrazin zu den Unierten abgefertigt, um eine Geldhilfe für
ihre Stadt zu erlangen, die durch die drei Monate währende Bedrängung
von seiten des mit Spanien und dem Papst verbündeten Herzogs von Savoyen
völlig erschöpft war (Nbg., Unionsakten, Bd.46, f.21; Or). Am 1./11. Juni
schreibt die Stadt, die sich eine freie Reichsstadt nennt und darauf beruft,
dass sie von den alten römisehen Kaisern ale „nobile membram imperi*
bezeichnet worden sei, an die Unierten insgesamt und bittet sie uın eine
Unterstützung gegen die unaufhörlichen savoyischen Anschläge, von denen
die letzten aus einer neuen Liga des Papstes, Spaniens, Savoyens und anderer
entsprängen; der Nuntius zu Paris habe sich heftig bemüht, die vom König
von Frankreich den Genfern bewilligte Hilfe zu hindern; auch habe des
Herzogs Gesandter bei den katholischen Orten der Schweiz vor allem den
Vorteil für die katholische Religion betont, wenn Genf, die Ursache alles
Uebels in der Christenheit, überwältigt werde; daraus sei zu erkennen, dass
es sich um eine Konspiration wider alle Protestanten handle. Von Genf aus
sei es leicht, Deutschland mit Heeresmacht zu überziehen, mit dem Verlust
Genfs sei es um den grössten Teil des Schweizerlandes geschehen und würde
Spanien der Mannschaften daselbst mächtig werden. Diese Türe bleibe aber ver
schlossen, wenn dem Rat geholfen werde, eine beständige starke Basatzung
zu unterhalten; die Ffirsten würden daran das Hundertfache ersparen. Der
Savoyer habe jetzt zwar sein meistes Kriegsvolk abgedankt, aber die Stadt
habe übermässig grosse Auslagen gehabt und 2000 Mann über die gewöhnliche
Besatzung erhalten müssen, habe Befestigungen aufgeführt und Proviant
angesammelt, Dazu bedürfe sie einer Geldhilfe, die in Deutschland sa
deponieren wäre (Stg., Unionsacta, tom. X., f. 391; Kopie).